Christiane Kreisel-Büstgens aus Barenburg über ihre neue Aufgabe

Wie man Klosterführerin wird

Bücher wälzen gehört für Christiane Kreisel-Büstgens auch sonst dazu. Aktuell sind dicke Wälzer über das Kloster Loccum ihre Lektüre. Foto: S. Wendt

Barenburg/Loccum – „Loccum, das hatten wir schon auf dem Plan, als wir hierherzogen. Und dann haben wir vor der Kirche gestanden...“: Christiane Kreisel-Büstgens erinnert sich an den Moment vor fast drei Jahrzehnten – und ist immer noch genauso beeindruckt, wie beim ersten Anblick des Gotteshauses im heute ältesten Predigerseminar der hannoverschen Landeskirche. Die Barenburgerin hat sich jetzt ausbilden lassen zur Klosterführerin.

Wie sie dazu kam, ist in ihrer Bewunderung für das Kloster Loccum und dessen Geschichte zu finden. In der Architektur, die sie begeistere, weil sie so schlicht in ihrer Schönheit sei. Und dass auch die Akustik besonders gut sei, habe sie erfahren, als sie, zusammen mit dem Barenburger Kirchenchor, dort konzertierte.

Christiane Kreisel-Büstgens ist die Begeisterung anzumerken. Oft genug ist es schwierig, den Weg zu finden, auch eine Gruppe von Touristen an jenem Enthusiasmus teilhaben zu lassen.

Doch genau das werde in der Ausbildung der Klosterführer geschult. „Ich hab gedacht, die schmeißen uns zu mit Wissen“, sagt Kreisel-Büstgens. Aber an den drei Wochenenden sei die zentrale Frage gewesen: Was muss ich übermitteln? Und: Wie geht das?

Die Idee, sich als Klosterführerin ausbilden zu lassen, führte zu einem Stapel an dicken Wälzern, die Ehemann Lothar der Gattin schenkte. Sie zeigen, dass jedes Detail, ob Architektur oder Mönchswesen oder Landschaft oder Geschichte, allein schon ziemlich umfangreiches Material bietet. Will man das alles hören, wenn man nach Loccum kommt? Nein, weiß auch Christiane Kreisel-Büstgens. An Daten werde das erwähnt, zu dem die Menschen einen Bezug haben. Und sie spannt in einer guten Minute den Bogen von der Gründung der Kathedrale Notre-Dame de Paris 1163 zur Stiftung des Kloster Loccums im selben Jahr und dem Grund der Stiftung, nämlich dem, dass Adelige sich dadurch einen Platz im Himmel sichern wollten.

Zugegeben, das ist eine sehr kurze Fassung der Hintergründe, die Wulfbrand von Hallermund einst dazu bewogen haben mögen, die persönliche Schatulle für das Projekt in Loccum zu öffnen. Im Niemandsland, betont Kreisel-Büstgens und ist voller Bewunderung für das Netzwerk, das sowohl die Benediktiner-Mönche wie auch die der Zisterzienser vor fast 1 000 Jahren („über ganz Europa“) gewoben haben.

Den Abschluss der Prüfung bildete eine Probeführung, als Gruppe dienten die Kursteilnehmer und die Prüfer. „Da war jeder aufgeregt“, berichtet Christiane Kreisel-Büstgens.

Sie komplettiert nun das Team, das für eine der öffentlichen Führungen, die samstags und sonntags regelmäßig angeboten werden, gebucht werden kann. Darüber hinaus seien auch individuelle Buchungen möglich, etwa für Kinder oder mit besonderen Schwerpunkten. Bis sie gebucht wird, werde sie daran arbeiten, wie man als Klosterführerin Bilder im Kopf der Besucher entstehen lässt.

Am 1. April 2020 gehe sie in den Ruhestand, als Ärztin für Hämatoonkologie. Tochter Johanna ist Juristin in Hamburg, Sohn Konrad wohnt in Goslar, unterrichtet Englisch und Geschichte. Sohn Felix, auch er Arzt, frisch verheiratet in Erlangen. Ehemann Lothar ist ebenfalls im Ruhestand. Da bleibt der Ratsfrau Zeit. Und mit jedem neuen Kapitel rund um das Kloster Loccum entdeckt Christiane Kreisel-Büstgens eine neue Geschichte: „Das ist so aufregend.“ Ob der Teppich, über den sie das Schicksal von Sophie Dorothea erzählt, die Hexenverfolgung, Sandstein, Klosteralltag, Pilgertouren.

Nein, ein besonderes Faible für Religion habe sie nicht. Gleichwohl habe sie in der Kirchengemeinde lange die Kindergottesdienste mitgestaltet, singe im Kirchenchor und finde „unsere Heilig-Kreuz-Kirche in Barenburg auch ganz entzückend.“ Mit der habe sie sich auch befasst.

Und natürlich gibt es auch das: den Klosterführerstammtisch. „Alle sechs Wochen vermitteln die alten Hasen ihre Erfahrungen und Erkenntnisse, kleine Vorträge werden gehalten, so bleiben wir einigermaßen up to date“, freut sich Kreisel-Büstgens über ein ganz neues Betätigungsfeld.

Für Informationen zum Kloster Loccum in Bezug auf Führungen, Musikveranstaltungen, Pilgerarbeit und mehr ist das Sekretariat unter Tel. 0 57 66 / 9 60 20 oder per E-Mail (kloster.loccum@evlka.de) zu erreichen.

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