Unterwegs in Kirchdorf in Sachen Barrierefreiheit – und wo sie fehlt

Klare Kante des SoVD

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Die Kante ist zu hoch am Fußweg zum Supermarkt in Kirchdorf. Der Rollator muss hochgehoben werden.

Kirchdorf - Dass Mitglieder eines Ortsverbandes im Sozialverband Deutschland ihre Kommune unter die Lupe nehmen, ist andernorts nichts Neues. In Kirchdorf schon. Man traf sich unter Leitung von Vorsitzender Irene Wilker, die sich aus dem Kreisvorstand Ortwin Stieglitz zur Verstärkung geholt hatte, zur Inspektion in Sachen „Barrierefreiheit und ihre Grenzen in Kirchdorf“. Es landeten einige Mängel auf der Liste.

Frau Wilker war darüber nicht sehr amüsiert. Wer die Vorsitzende kennt, weiß, dass man im Prinzip ganz gut mit ihr Kirschen essen kann. Nur manchmal eben nicht.

Punkt eins: Die Fußgängerzuwegung zum Jibi. Direkt daneben die Autoauffahrt, sutsche gebaut, dass die teuren Reifen nicht scharfe Kanten berühren. Der Fußgänger indes muss die Füße heben und der Rollartorschieber das Gefährt. „Mit Rollstuhl ist das ganz schön kippelig“, moniert Irene Wilker. Den Rollator anheben – für die Klientel kaum zu schaffen, es fehlt an körperlicher Kraft.

Sowieso fehle dort eine Querungshilfe, man hätte gerne einen „Zebrastreifen“ zur Haltestelle des Anrufsammeltaxis. Den könnte auch nutzen, wer auf dem Supermarkt-Parkplatz parkt und zum Friedhof gegenüber möchte.

Apropos Friedhof: Kapelle und Toilette seien nur zu Beerdigungen geöffnet. Letztere könnte man morgens auf- und abends abschließen, wie das andernorts gehandhabt werde – barrierefrei sei sie übrigens auch nicht.

Diese Mitglieder des SoVD Kirchdorf und Ortwin Stieglitz vom Kreisvorstand nahmen ihre Gemeinde genauer unter die Lupe.

Nachbesserung sei beim Ärztehaus gewünscht: Als Rollstuhlfahrer komme man die Rampe zwar hoch, müsse dann aber ohne Dach im Regen ausharren, bis die Tür nach außen hin geöffnet sei – und gelange nur über eine, in den Augen der SoVD-Gruppe, zu hohe Kante ins Gebäude. Die Fußgängerampel an der Bundesstraße 61 reiche nicht aus: Man müsse immer fürchten, dass motorisierte Verkehrsteilnehmer zu schnell heranrauschen und die rote Ampel zu spät bemerken. Zwar ist in dem Bereich „Tempo 50“ vorgeschrieben, doch daran halte sich kaum jemand. Besser wäre, wenn rechtzeitig vor der Ampel in beiden Richtungen auf die nahende Kreuzungshilfe verwiesen werde.

Nicht weit entfernt liegt die Bushaltestelle „Alte Post“ in der Langen Straße. Hier hält der morgendliche „Ziehharmonikabus“ mit den Schülern – allein er kommt kaum um die Ecke, der Kurvenradius der schmalen Verbindungsstraße zwischen Brinkstraße und Lange Straße reiche nicht aus. Der lange Bus müsse eher um die Ecke rumpeln als fahren.

Bürgersteig an der Brinkstraße moniert

Der schmale Bürgersteig zwischen Pflegezentrum an der Brinkstraße und Rathausstraße sorgt ebenfalls für Unmut: „Hier kommen die Steine hoch und viele Fußgänger und Rollstuhlfahrer weichen deshalb auf die Brinkstraße aus“, monieren die SoVD-Mitglieder.

Gewünscht wird auch ein elektrischer Türöffner für Rathaus und Sparkasse, beide Eingangstüren öffnen sich nach außen. Wer mit Rollstuhl oder Rollator unterwegs sei, müsse sich gehörig anstrengen, um hineinzugelangen.

Kritisiert wurde, dass am neuen Heimatmuseum eine Rampe fehlt – Rollstuhlfahrer mussten am Eröffnungstag hineingetragen werden. Die Rampe sei geplant, erklärt Heimatvereinsvorsitzender Joachim Hölzchen. Im Haushalt 2016 der Gemeinde stehen dafür 25 000 Euro bereit.

Positiv benannt wurde der Bereich des Pflegezentrums: „Das Gelände ist vorbildlich angelegt“, heißt es seitens des SoVD Kirchdorf. Richtig gut sei auch die Kreuzung bei Brassers geworden.

Puh, nochwas für die Liste?

Ja, es fehle ein Spender für die Hundekot-Tüten, die Hinterlassenschaften lägen überall. Und Behindertentoiletten fehlen auch in einigen gastronomischen Betrieben. Man könne ja zum entsprechend ausgestatteten Mitbewerber gehen, sei dem SoVD auf Nachfrage bereits beschieden worden.

sis

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