Recht auf freie Wortverkündung

Diakonin Sonja Bachhofer wird in Kirchdorf als Prädikantin offiziell eingeführt

Sonja Bachhofer ist Diakonin und wird am Sonntag in der Sankt-Nikolai-Kirche durch Superintendent Marten Lensch in das Amt der Prädikantin eingeführt.
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Sonja Bachhofer ist Diakonin und wird am Sonntag in der Sankt-Nikolai-Kirche durch Superintendent Marten Lensch in das Amt der Prädikantin eingeführt.

Kirchdorf – Und dann machen Kleider eben doch Leute: Ein Kommentar, bezogen auch auf den fehlenden Talar und den Pastor, der ihn regulär trägt, wie nebenbei gesagt bei einer Konfirmation, hat Sonja Bachhofer umdenken lassen. Jetzt soll es doch ein Talar für sie sein. Nicht einer für Pastorinnen, sondern einer, den Prädikantinnen tragen dürfen, wenn sie den Gottesdienst leiten.

Als Prädikantin wird sie am Sonntag, 21. März, durch Superintendent Marten Lensch offiziell in ihr Amt eingeführt.

Familie Bachhofer lebt seit dem Jahr 2016 in Kirchdorf. Klaus-Joachim Bachhofer wurde damals als Pastor mit der Seelsorge in der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Kirchdorf betraut. Wenn Ehefrau Sonja jetzt Prädikantin wird, kommt es dann zum „Kampf um die Kanzel“ in der Sankt-Nikolai-Kirche? Sonja Bachhofer lacht. „Nein, natürlich nicht, das ist eine Ergänzung.“

Sonja Bachhofer ist ausgebildete Diakonin und dank dieser „Vorbildung“ war die zusätzliche Qualifikation als Prädikantin nicht ganz so aufwendig, wie sie es wäre für ein nicht bei „Kirchens“ beruflich engagiertes Gemeindemitglied.

Die Ausbildung sei auch für jemanden ohne berufliche „Vorqualifikation“ möglich, umfasse dann aber drei Jahre.

Ausbildung „vor Corona“

Drei Wochen hat Sonja Bachhofer noch „vor Corona“ einen persönlichen Austausch von Ideen durch die Kursteilnehmer erleben dürfen. War in Hildesheim und Ostfriesland zu Fortbildungen. Hat in Silke Kuck, Pastorin in Neuenkirchen und Schmalförden, ihre Mentorin in räumlicher Nähe gefunden und in einem Colloquium in Osnabrück eine der letzten Amtshandlungen von der Landessuperintendentin des Sprengels Osnabrück, Dr. Birgit Klostermeier, erleben dürfen, bevor im März 2020 der Lockdown kam – und Klostermeier in den Ruhestand verabschiedet wurde.

Der Austausch mit Gleichgesinnten in fachlichen Gesprächen, in der Reflexion über die Theologie gehörte zu den eindrücklichsten Momenten der Ausbildung, sagt Sonja Bachhofer.

Als Diakonin hätte sie auch bereits Gottesdienste leiten können, warum nun der Zusatz als Prädikantin? „Der ordinierte Pastor ist für die Verkündung und die Seelsorge, unter anderem, da und der Diakon für den religionspädagogischen Teil. Lektoren dürfen vorgefertigte Predigten halten, aber als Prädikantin habe ich das Recht auf freie Wortverkündung. Und: Ich darf das Abendmahl feiern“, erklärt Bachhofer ihre neu dazugewonnenen Vorteile.

Als „Springer-Diakonin“ ist sie seit 2018 im Kirchenkreis Diepholz im Einsatz – als erste überhaupt in der Landeskirche Hannover. „Das zeugte von Weitsicht, dass angesichts vieler möglicher Vakanzen diese Stelle geschaffen wurde. So ist jemand da, der die Konfiarbeit macht in den Kirchengemeinden – und das nicht auch noch für einen Pastor als Vakanzvertreter bleibt.“ Sonja Bachhofer hat daher bereits etliche Orte im Kirchenkreis Diepholz kennengelernt.

Hat sie Veränderungen festgestellt in dieser Coronazeit, bei den Konfirmanden? „Ja.“ Ui, das klingt nicht gut. „Im Frühjahr 2020 wurde begeistert auf die kreativen Aufgaben reagiert, die wir gestellt haben. Heute bekommen wir kaum Rückmeldungen. Es hat sich eine große Trägheit eingestellt.“ Schon die Einigung auf ein Online-Format, in dem sich alle treffen können, gelinge nur schwer. Andere Hürden: Das Handy ist kaputt, die Verbindung schlecht.

Sonja Bachhofer sagt: „Stillstand ist auch Rückgang.“ Die „Konfis“ lägen ihr sehr am Herzen und deshalb werde für den 28. März ein spezieller Outdoor-Gottesdienst für die Vorkonfirmanden geplant. Mit Abstand, mit Lagerfeuer, damit man sich mal wieder sehen kann.

Die Konfi-Freizeiten, die ihren Abschluss gemeinhin mit dem gemeinsamen Abendmahl finden – auch das kann Sonja Bachhofer nun selbst machen. Bisher war es Ehemann Klaus-Joachim vorbehalten.

Familie Bachhofer integriert ihren christlichen Glauben ganz selbstverständlich in den Alltag. Es finde „Kirche am Küchentisch“ statt, wenn über Gemeindethemen gesprochen wird. Wenn sie ihn bittet, über ihre Predigt zu schauen – und umgekehrt. Wenn sie morgens gemeinsam in die Losung des Tages schauen und gemeinsam nach dem Tagewerk das Vaterunser beten.

Und obwohl sonntags das Familienfrühstück in der Regel ausfällt: „Wir haben ja sonst alle Mahlzeiten zusammen.“ Immer wieder sind Bachhofers, Kinder und Eltern, in Kirchenprojekten gemeinsam engagiert.

Gottesdienst auch online

Etwa beim Online-Stellen der Gottesdienste in der Corona-Zeit (www.kirche-kirchdorf.de). Die erfreuten sich großer Beliebtheit: In den Gottesdiensten selbst seien meist um die 40 Teilnehmer verteilt in ausreichend Kirchenbänken der größten Kirche des Kirchenkreises und online würde bis zu 60 Aufrufe gezählt. „Wir bekommen dankbare Rückmeldungen, dass sich insbesondere Senioren darauf freuen, wenigstens per Computer dabei sein zu können.“

Amtseinführung

21. März, 10 Uhr, Gottesdienst zur Einführung von Sonja Bachhofer als Prädikantin durch Superintendent Marten Lensch, Sankt-Nikolai-Kirche, Kirchdorf

Von Sylvia Wendt

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