„Unverantwortliche“ Handlungsweise

Landkreis Diepholz entzieht Baufirma den Abrissauftrag für Brücke über Große Aue

Die Arbeiten an der Brücke sind derzeit noch eingestellt.

Varrel - Keine Mehrkosten für den Auftraggeber und keine Verlängerung der Bauzeit: Dies sind zwei maßgebliche Konsequenzen, die sich aktuell und unmittelbar für die Bauarbeiten rund um den neuen Radweg entlang der Kreisstraße 20 zwischen Varrel und Scharringhausen und den Bau einer neuen Brücke über die Große Aue ergeben – nachdem die alte unsachgemäß abgerissen wurde (wir berichteten).

Weitere Konsequenzen ziehen der Landkreis Diepholz als Auftraggeber der mit über drei Millionen Euro veranschlagten Baumaßnahme sowie die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Nienburg (NLStBV) als Fachbehörde für die Umsetzung und Bauleitung der Gesamtmaßnahme.

Bernd Fredrich, zuständiger Teamleiter Straßen und Ingenieurplanung beim Landkreis Diepholz, hat das Prozedere detailliert aufgelistet.

Demnach hat die Firma Oehm aus Meppen, mit Abriss und Bau der neuen Brücke beauftragt, für Teilleistungen einen Nachunternehmer aus dem Südkreis Diepholz beauftragt. Laut Fredrich „zulässig und auch üblich“. Allerdings habe dieser Nachunternehmer ohne Wissen der Straßenbauverwaltung aus Nienburg und damit ohne Kenntnis des Landkreises Diepholz ihrerseits wiederum eine Abbruchfirma aus Steinfeld mit dem Abriss der alten Auebrücke beauftragt. „Entgegen der Absprachen beim Baubeginn am Montag, 8. Oktober, haben dann durch diese Abbruchfirma vertragswidrige und fachlich unqualifiziert durchgeführte Abrissarbeiten dazu geführt, dass am Mittwoch, 10. Oktober, Teile der alten Brücke in die Große Aue gestürzt sind“, teilt Fredrich auf Anfrage mit.

Kurz nach dem Einsturz machte ein Passant, der ungenannt bleiben möchte, Aufnahmen und stellte sie der Kreiszeitung zur Verfügung.

Den Beginn dieser Art von Arbeiten hätte die Firma vorab mitteilen müssen. Das sei aber, so Fredrich, nicht erfolgt. Und so sei auch keinerlei Bauüberwachung vor Ort gewesen, um die unsachgemäßen Arbeiten zu unterbinden. „Nach der Ausschreibung und dem Bauvertrag hätte zunächst ein Abbruchkonzept vorgelegt und durch den Auftraggeber genehmigt werden müssen, welches unter anderem eine Unterfangkonstruktion enthält, die vermeidet, dass Abbruchmaterial in das Gewässer gelangt. Diese Vorleistungen sind unterblieben“, erklärt Fredrich.

Erst am Donnerstag, 11. Oktober, seien die Mitarbeiter der Straßenbauverwaltung Nienburg und durch diese der Landkreis informiert. „Alle weiteren Arbeiten wurden unverzüglich unterbunden“, sagt Fredrich. Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten-und Naturschutz (NLWKN), der Unterhaltungsverband Große Aue und die untere Wasserbehörde des Landkreises Diepholz seien, wie berichtet, informiert. In einem ersten Ortstermin noch am selben Tag hat ein Mitarbeiter des für die Große Aue zuständigen Unterhaltungsverbandes den Umfang der Schadensbeseitigung definiert. „Bestimmte Arbeiten an der Uferböschung dürfen nicht stattfinden, aller Bauschutt ist aus dem Gewässer zu entfernen und das Flussbett ist wiederherzustellen“, zählt Fredrich auf. Der NLWKN habe die Entnahme von Wasserproben angekündigt.

Keine wassergefährdenden Stoffe festgestellt

Angesprochen auf das Material der alte Auebrücke, erklärt Fredrich, dass die Brücke bereits in der Planungsphase auf mögliche Schadstoffe untersucht worden sei. Es seien keine wassergefährdenden Stoffe festgestellt worden, so dass eine wassergefährdende Belastung nicht zu befürchten sei. Der Unterhaltungsverband habe außerdem mitgeteilt, dass wegen der geringen Fließgeschwindigkeit kein schwerwiegender Abtrieb von Stoffen in das Gewässer befürchtet werde.

In einem weiteren Ortstermin am Freitag, 12. Oktober, habe man konkrete Schritte definiert. Fredrich: „Der Abbruchfirma wurde angesichts dieser unverantwortlichen Handlungsweise jede Weiterarbeit untersagt und der Auftrag entzogen.“ Die Baufirma aus Meppen werde unter Berücksichtigung der Auflagen des Unterhaltungsverbandes zeitnah einen detaillierten Ablaufplan der weiteren Arbeiten erstellen. Dieser werde mit den zuständigen Stellen (NLWKN, Unterhaltungsverband und eventuell untere Wasserbehörde) abgestimmt. „Erst danach finden weitere Arbeiten statt, um einen ordnungsgemäßen Abbruch der restlichen Brückenteile zu gewährleisten. Diese Arbeiten werden dann durch eine permanente Bauaufsicht überwacht“, kündigt Bernd Fredrich an. Alle in diesem Zusammenhang entstehenden Kosten trage die beauftragte Firma. „Für den Landkreis ergeben sich trotz dieser unsachgemäß ausgeführten Abbrucharbeiten keine Mehrkosten. Auch die Verlängerung der Bauzeit wird derzeit nicht erwartet“, sagt Fredrich. sis

Mehr zum Thema: Bauarbeiten entlang der Kreisstraße 20 beginnen mit einem Fiasko

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