Reißerische Ankündigung für in Varrel produzierte TV-Soap mit Carsten Stahl irritiert

Keine Mobbingkrise an der Oberschule

Nach Ende der Dreharbeiten 2019: Carsten Stahl (knieend) mit den Schülern und Lehrkräften der Oberschule in Varrel.
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Nach Ende der Dreharbeiten 2019: Carsten Stahl (knieend) mit den Schülern und Lehrkräften der Oberschule in Varrel.

Varrel – Ist das aktuell? Ist das wirklich so? „Nein. Wir hatten keine Probleme, erst recht keine, für die wir Hilfe für außen benötigt hätten“, sagt Torge Sprado, Schulleiter an der Oberschule in Varrel. „Im Gegenteil: Wir haben uns gewundert, warum das TV-Team bei uns drehen wollte – wir hatten und haben keine Mobbing-Probleme, oder solche, mit denen wir nicht umgehen können.“

In der Ankündigung der Erstausstrahlung der Folge zwei in der zweiten Staffel der als Coaching-Soap angekündigten Sendung „Stahl:hart gegen Mobbing“, geplant für den 21. April auf dem Sender RTL 2, heißt es, dass der 14-jährige Oliver (Schüler an der OBS Varrel) Angst habe. Gegen ihn sei eine Whatsapp-Gruppe gegründet worden, in der er regelmäßig von Mitschülern beleidigt werde. Rektor Torge Sprado und Sozialarbeiter Jens Grunert seien an ihre Grenzen gestoßen. Mobbing-Experte Carsten Stahl wolle dem seelischen Leid der Schüler ein Ende bereiten.

Tatsächlich war ein Kamerateam um Carsten Stahl im Spätsommer 2019 zu Gast an der Oberschule Varrel. Schulleiter Sprado betont: „Nicht wir haben das Team um Stahl gerufen, weil wir Hilfe bräuchten. Sondern das Team hat bei uns angerufen, wollte unbedingt bei uns drehen und wir haben die Chance genutzt, Carsten Stahl vor Ort zu haben. Wir waren neugierig darauf, wie der arbeitet, wie seine Methode aussieht. Und noch mal: Nein, es gab und gibt keine Situation an der Schule, in der wir Hilfe von außen dringend benötigen würden.“ Sprado und seine Kollegen hätten darauf hingewiesen, dass an der Oberschule Varrel keine solchen Mobbing-Probleme bestünden, aber die TV-Produktion habe dennoch unbedingt in Varrel drehen wollen. Auch, nachdem in ersten Interviews klar geworden sei, dass eben keine schlagzeilenträchtige Situation vorliege.

Die Ankündigung in einer TV-Zeitschrift liest sich, als würden aktuell Mobbingprobleme an der OBS Varrel bestehen.

„Ich habe da keinen Einfluss drauf“, sagt Carsten Stahl, gefragt, wie denn der sehr reißerische und scheinbar an der Realität vorbei formulierte Ankündigungstext zustande kommt. Diesen Text schreibe die Redaktion des TV-Senders, nicht Stahl oder sein Team.

Die Aufnahmen stammen aus dem September 2019 und sollten im Frühjahr 2020 ausgestrahlt werden. „Aber wegen der Pandemie hat der Sender alles aus der Hauptsendezeit zurückgestellt“, sagt Carsten Stahl. Man hatte auf ein schnelles Ende der Corona-Krise gehofft, denn natürlich erfolgten alle Aufnahmen im September 2019 ohne Maske, ohne Abstand. „Aber wenn wir noch länger gewartet hätten, dann wären die Kinder schon nicht mehr an der Schule“, erklärt Stahl – und ergänzt, dass zusätzlich zu der Sendung ein „Nachklapp“ produziert worden sei.

Regulär wäre er gerne erneut zu den Schülern gereist, das sei aber in der aktuellen Situation nicht möglich. Als aktueller Blick auf die Schule diene jener Nachklapp, der über Youtube gezeigt werden solle. Hier will der Mobbing-Experte aus Berlin noch mal mit Betroffenen reden.

Und auch aktuell bestehen an der Oberschule keine Probleme im Hinblick auf Mobbing. Torge Sprado verweist darauf, dass es im Moment kaum regulären Schulalltag gebe und dass das derzeitige Augenmerk des Kollegiums darauf liege, Distanzlernen, Wechselunterricht, Selbsttests und Co. unter immer wieder neuen Vorgaben zu stemmen – und dabei die schulischen Inhalte nicht aus den Augen zu verlieren.

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