Barenburgs Bürgermeister: „Ich verzichte auf mein Mandat“

Kein Dencker mehr im Rat

Hermann Dencker hat sich entschieden, das Mandat nicht anzunehmen.
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Hermann Dencker hat sich entschieden, das Mandat nicht anzunehmen.

Barenburg – Nach vier Generationen Dencker im Dienst des Fleckens Barenburg ist nun Schluss. „Ich nehme das Mandat nicht an“, teilt Hermann Dencker mit. Der 67-Jährige sagt, er hätte gerne noch fünf weitere Jahre gemacht – aber der Wähler habe anders entschieden. „Das muss man dann akzeptieren“, sagt Dencker, wenn die Stimmen so deutlich an die Jüngeren gingen.

Er blickt auf vier Jahrzehnte Ratsarbeit zurück. Sein Vater habe bereits über 20 Jahre als Bürgermeister gedient, dessen Vater ebenfalls über 24 Jahre und dessen Vater wiederum komme auch auf über 20 Jahre an der Fleckensratsspitze. „Vier Generationen“, sagt Hermann Dencker, der nach dem Rücktritt von Vorgänger André Meyer die Verantwortung als Bürgermeister übernahm. Dencker war Mitglied im Rat der Samtgemeinde Kirchdorf von 1986 bis 1991, von 1996 bis zu diesem Jahr, war Vorsitzender im Bau-Wegeausschuss; Mitglied, stellvertretender Vorsitzender und zuletzt Vorsitzender des Ausschusses für Gemeindeentwicklung, 2011 wurde er durch den Niedersächsischen Städte- und Gemeindebund für 20 Jahre Mitgliedschaft im Samtgemeinderat geehrt und ebenso für 30 Jahre Mitgliedschaft im Gemeinderat.

In den Rat des Fleckens Barenburg startete er 1981, wurde zweiter stellvertretender Bürgermeister, war von 1991 bis 1996 erster stellvertretender Bürgermeister, von 2001 bis 2011 stellvertretender Bürgermeister, ab 2011 zusätzlich Gemeindedirektor, seit 2018 Bürgermeister.

Der Fleckensrat ist, wie bei den Kollegen in anderen Kommunen auch, eine Gruppe Ehrenamtlicher, die sich engagieren, im Idealfall für die gesamte Dorfgemeinschaft. Bürgermeister einer Gemeinde, das ist kein Leitungsjob, der so auch bezahlt wird – obwohl er fordert. Als Bürgermeister ist man präsent, gefragt, gefordert und nicht selten der Kummerkasten, der deutlich gesagt bekommt, was alles schief läuft.

Hermann Dencker betont, er sei „enttäuscht über das Wahlergebnis, aber nicht verbittert“. Es habe ihn nachdenklich gemacht, dass, angesichts der immensen Projekte, die im Flecken in den jüngsten Jahren umgesetzt worden seien, diese Arbeit nicht wirklich honoriert worden sei. Dencker erinnert an millionenteure Investitionen wie Dorferneuerung, Ortsumgehung, Ortsdurchfahrt. Da galt es, Entscheidungen zu treffen, von denen nachfolgende Generationen profitieren sollen, nicht darunter leiden – so das Verständnis von Hermann Dencker.

Glücklich ist er darüber, dass es gelungen ist, einen jährlichen Zuschuss in Höhe von 90. 000 Euro für das Freibad aus dem Samtgemeindehaushalt zu generieren. „Ohne diesen Betriebskostenzuschuss und den ehrenamtlichen Einsatz der Mitglieder des Fördervereins wäre das Freibad schon Geschichte“, weiß der dreifache Familienvater. Der Landwirtschaftsmeister hat bis zur Pensionierung den familieneigenen Hof in der Ortsmitte bewirtschaftet – und in der aktiven Zeit der Betriebsführung immer abgelehnt, zusätzlich die Kommune zu leiten. Begründung: Der Betrieb hätte dann gelitten. Die Kinder aber haben beruflich andere Wege eingeschlagen, wohnen heute in Berlin, Hamburg und Hannover. Zwischenzeitlich ist das Grundstück zurückgebaut, die landwirtschaftlichen Nutzgebäude abgerissen, denn die aktive Landwirtschaft ist passé.

Einsatz für die Dorfgemeinschaft

Seitdem war auch Zeit, sich als Bürgermeister für die Dorfgemeinschaft einzubringen. Die Gespräche mit Hermann Dencker über Kommunalpolitik sind immer geprägt vom kaufmännischen Blick auf die Finanzen, vom realistischen Blick auf Umsetzbares für die gesamte Dorfgemeinschaft.

Hermann Dencker ist keiner, der Zeit für zu viele Worte verschwendet. Kurz und knapp, dabei freundlich, aber bestimmt, immer respektvoll. Ehrenamtliches Engagement ist für ihn eine Selbstverständlichkeit, um die er nicht viel Aufhebens macht. Nie viel Aufhebens gemacht hat. Bis jetzt. Das Wirken in verschiedene Vereinen und Organisationen, das werde er jetzt mehr überdenken – und als Konsequenz den Austritt wählen.

Wer seinen Rat suche, der sei stets willkommen. Es tue ihm leid um jene, die ihm ihre Stimme gegeben haben.

Kommunalwahl in Barenburg

1 890 gültige Stimmen verteilten sich auf 15 Kandidatinnen und Kandidaten, die sich am 12. September um ein Mandat für den Fleckensrat bewarben. Das entsprach einer Wahlbeteiligung von 62,34 Prozent. Die elf Sitze gingen an Lars Röper (431 Stimmen), Marlo Rethorn (267), Philipp Meier (185), Michael Maschmann (156), Hermann Dencker (140), Dr. Christiane Kreisel-Büstgens (120), Böris Böhnke (91), Irene Eikmeier (84), Kathrin Maschmann (81), Günter Helmers (77) und Gerald Schwiers (70). Da Hermann Dencker sein Mandat nicht annimmt, rückt der nächste Kandidat nach – das wäre Hans-Jürgen Habelmann (64 Stimmen). Die konstituierende Sitzung des neuen Gemeinderates Barenburg ist für den 1. November, 19 Uhr, im Gasthaus Maschmann geplant.

Von Sylvia Wendt

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