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Kartoffeln in Gefahr: Erdmandelgras kommt dem Kreis Diepholz näher

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Von: Anke Seidel

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Das Erdmandelgras (vorn) breitet sich im Randbereich eines Kartoffelackers aus und konkurriert mit den Erdäpfeln um Wasser, Licht und Nährstoffe.
Das Erdmandelgras (vorn) breitet sich im Randbereich eines Kartoffelackers aus und konkurriert mit den Erdäpfeln um Wasser, Licht und Nährstoffe. © Stalljohann/LWK

Die Flocken des Erdmandelgras werden als Lebensmittel immer beliebter. Die Pflanze selbst stellt aber eine Gefahr für andere Pflanzen wie die Kartoffel dar.

Landkreis  Diepholz – Das Erdmandelgras ist eine Pflanze der Gegensätze: Einerseits sind die Flocken aus ihren getrockneten Knollen ein mittlerweile beliebtes Lebensmittel, das sich Verbraucher als Erdmandelkekse oder -brei auf der Zunge zergehen lassen. Andererseits ist das Gewächs, das zur Familie der Sauergräser gehört, extrem unbeliebt in der Landwirtschaft, weil es den Kartoffel- oder Maisanbau erheblich schädigen kann.

Ausbreitung von Erdmandelgras: Landmaschinen tragen die Pflanze von Feld zu Feld

Wie Unkraut verbreitet es sich rasant auf den Äckern, wenn Landmaschinen es von Feld zu Feld tragen. In der Schweiz steht das Erdmandelgras bereits auf der Schwarzen Liste, wie Agroscope, das Kompetenzzentrum des Bundes für landwirtschaftliche Forschung in der Schweiz, berichtet: Die Pflanze habe sich „massiv auf Kosten lokaler Kulturen ausgebreitet“ und wird als invasiver Neophyt eingestuft.

Das Erdmandelgras hat den Landkreis Diepholz längst erreicht. Wie Dr. Joachim Wendt, in der Bezirksstelle Nienburg der Landwirtschaftskammer (LWK) Leiter der Fachgruppe Pflanze, auf Anfrage erläutert, verbreitet sich diese schwer zu bekämpfende Pflanzenart in manchen Regionen bereits im Maisanbau: „In Richtung Dümmer tritt Erdmandelgras schon etwas häufiger auf.“

Der Mais sei die einzige Kultur, in der Erdmandelgras mit chemischen Pflanzenschutzmitteln unterdrückt werden könne, fasst Wolfgang Ehrecke als Pressesprecher der LWK Niedersachsen Erkenntnisse von Fachleuten zusammen: „In konkurrenzstarken Kulturen wie Wintergetreide läuft das Erdmandelgras im Frühjahr nur vereinzelt auf. Problematisch sind in der Regel Kulturen, die lange Licht auf den Boden fallen lassen, wie es beim Mais und bei Kartoffeln der Fall ist.“

Wenn – wie im Trockensommer 2022 – Kartoffeln in der Hitze darben, könnte sich das Erdmandelgras also leicht zwischen den angehäufelten Kartoffelreihen ausbreiten und von den letzten Feuchtigkeitsresten im Boden profitieren. Das könnte Einbußen bei der Kartoffelernte zur Folge haben.

Experten empfehlen, die Pflanze einzeln mit Rhizomen und Knöllchen und infizierter Erde zu entfernen

Feld- und Bodenhygiene hat deshalb eine elementare Bedeutung. Agroscope empfiehlt Landwirten, das Erdmandelgras einzeln – mit Rhizomen und Knöllchen – auszugraben und samt infizierter Erde auf der Deponie zu entsorgen, aber nicht auf dem Kompost. Um die Samenbildung zu verhindern, sollte vor der Blüte gehandelt werden.

„Die Landwirtschaft ist gehalten, den Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel auf ein Mindestmaß zu beschränken“, betont LWK-Sprecher Wolfgang Ehrecke. „Erst vor wenigen Wochen haben die Partnerinnen und Partner des Niedersächsischen Weges ihre gemeinsam entwickelte Pflanzenschutzmittel-Reduktionsstrategie vorgestellt.“ Genau die ist mit Einschränkungen verbunden. „Für manche wirkungsvollen Mittel gibt es keine Zulassung mehr“, so Dr. Joachim Wendt. „Umso wichtiger sind andere Maßnahmen des integrierten Pflanzenschutzes: Dazu zählen neben der Feldhygiene zum Beispiel eine abwechslungsreiche Fruchtfolge.“

In anderen Ländern wird Erdmandelgras gezielt angebaut. Die Wildfrucht-Expertinnen Jeanne Dericks-Tan und Gabriele Vollbrecht verweisen auf die spanische Region Valencia. Die braunen, erbsengroßen Knollen – auch Tigernuss genannt – enthalten viele ungesättigte Fettsäuren sowie Kalium, Magnesium, Calcium, Phosphor, Vitamin E und Rutin (wirkt antientzündlich). Geschmacklich erinnern sie an Mandeln.

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