Noch kein neuer Allgemeinmediziner für Varrel gefunden

Dr. Johannsen schließt Praxis

Arzthelferin Jutta Bornemann (wechselt nach Schwaförden), Silvia und Bernd Johannsen sowie Arzthelferin Bianca Helander, die noch keine neue Stelle hat (v.l.). - Foto: S. Wendt

Varrel - Von Sylvia Wendt. Varrel ohne Landarzt? Das ist ab dem 1. Juli Realität. Nach 31 Jahren schließt Dr. med. Bernd Johannsen seine Praxis für Allgemeinmedizin. Die Suche nach einem Nachfolger läuft weiterhin auf Hochtouren.

Das, was viele junge Mediziner heute abhält von einem Wirken als Landarzt, hat Johannsen und seine Frau Silvia immer angezogen: Das Leben auf dem Land, die Natur.

„30 Praxen im Bereich zwischen Schleswig-Holstein und Hannover haben wir uns damals angeschaut“, erinnert sich das Ehepaar Johannsen an die Anfänge Mitte der 1980er Jahre. Die Entscheidung für Varrel sei nicht zuletzt „wegen der Menschen hier und ihrer besonderen Freundlichkeit und Höflichkeit“ gefallen.

Auch heute noch bietet Varel als Gemeinde Ärzte (für die Zähne, für das Tierwohl). Dazu Banken, Supermarkt, Frisöre, Fleischer, Tankstelle, eine Oberschule, Kirche und Kulturschaffende, viel Landwirtschaft und etliche mittelständische Firmen, auch aus dem Handwerk.

Die Baugebiete sind nachgefragt – und doch fällt ein gewisser Leerstand entlang der „Hauptstraße“, der L 349, die mitten durch das Dorf führt, stets ins Auge, wer den Ort erreicht. Stichwort: Leerstand. Tochter Lea Sofie Johannsen makelt mit Häusern und verzeichnet, so Mama Silvia, sehr gute Erfolge, denn tatsächlich suchten viele Städter Domizile in der Region.

Nett wäre, würde sich ein Facharzt, eine Fachärztin für Allgemeinmedizin darunter befinden, die die Praxisräume der Johannsens gerne übernehmen möchte. Bisherigen Bewerbern fehlte mitunter einer der für die Niederlassung notwendigen Nachweise, ein anderer entschied sich in letzter Sekunde anders.

Jetzt sind die Patienten von Dr. med. Johannsen aufgerufen, sich ihre Unterlagen aus der Praxis zu holen, mit Rezepten einzudecken für lebenswichtige Medikamente (wenn möglich) – und für die unbestimmte Zeit des Überganges zu schauen, wer zwischenzeitlich als behandelnder Hausarzt in Frage käme. Nicht nur Varreler Bürger versorgte Dr. Johannsen, er hatte auch eine Zweitpraxis in Freistatt. Da mangels ausgeprägtem öffentlichen Personennahverkehr viele Orte ungünstig zu erreichen sind, erfolgt der Hinweis auf das Anrufsammeltaxi, das Patienten zu einem kleinen Preis zu den in der Samtgemeinde Kirchdorf befindlichen Praxen transportieren würde –eine Übergangslösung.

Doch die Suche nach einem Nachfolger, einer Nachfolgerin gestaltet sich nicht leicht: Darin involviert sind auch Kirchdorfs Apotheker Tim Piasta und Samtgemeindebürgermeister Heinrich Kammacher, die bei der Klärung von vielen anstehenden Fragen gerne behilflich sind und bereits mit großem Aufwand versucht haben, für den Standort Varrel einen Nachfolger zu finden.

Gefragt nach dem Blick zurück auf 31 Jahre als Allgemeinmediziner und besondere Ereignisse in der Varreler Praxis, verweist Dr. Johannsen auf die Schweigepflicht. „Ich kann Ihnen aber versichern, dass die gängigen Arztserien im Fernsehen vergleichsweise sehr langweilig sind.“ Die Praxis liegt an der Straße „Am Friedhof“ und gibt Blick auf denselben frei. Irgendwie auch ein Ansporn dazu, den Patienten nicht nach gegenüber „abzugeben“...

Das Argument, auf dem Land sei man von so vielem, was eine Stadt seinen Bürgern bieten könne, abgeschnitten, kontert Johannsen: „Die Lebenszeitverschwendung allein durch die Anfahrten zur eigenen Praxis in der Stadt, die verschmutzte Luft, die Anonymität und vieles andere in der Stadt gefielen mir noch nie.“

Bernd Johannsen wechselt in den Ruhestand mit großem Dank an die Mitarbeiterinnen: „Ohne mein treues, hochmotiviertes Team hätte mich diese Arbeit doppelt soviel Kraft gekostet“, sagt Johannsen. Das Paar bleibt in Varrel. Der Arzt, gelernter Holzkaufmann, baut vielleicht eine weitere Gitarre, will die Natur genießen  und, vor allem, „runterkommen.“

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