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Während Pandemie und Brexit ‒ Barenburger Kappelmann studiert in London

Studium 2020: Jannis Kappelmann während einer Videokonferenz am Bildschirm.
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Studium 2020: Videokonferenz am Bildschirm.

Der Barenburger Jannis Kappelmann studiert in London Internationale Konflikte. Pandemie und Brexit fordern ihren Tribut.

  • 24-Jähriger hat sich am Kings College eingeschrieben.
  • Aktuell ist die Uni geschlossen.
  • Hoffnungsschimmer für die Zeit von April bis August.

Barenburg/London – Nein, so hat sich der Masterstudent sein Jahr in London nicht vorgestellt: Statt lebhafter Gespräche mit Kommilitonen über Themen zwischen nuklearer Abrüstung und den derzeit angesagten Pub-Adressen fordern Pandemie und Brexit ihren Tribut. Jannis Kappelmann, 24-jähriger Barenburger, hatte sich für das Studium „Internationale Konflikte“ am Kings College in London eingeschrieben.

Problem Brexit: Jannis Kappelmann hat Glück. Seine Bewerbung erfolgt in der Übergangsphase, England und die EU sind noch nicht komplett getrennt. Ist ein Studium schon für Briten teuer, wird von ausländischen Studenten das Doppelte an Gebühren verlangt. Bisherige Ausnahme: Studenten aus der EU, die mit den heimischen Studenten gleichgesetzt werden. So bleibt für Jannis der günstigere Betrag. „Sonst hätte ich mir das nicht leisten können.“ Kollegen, die sich ab diesem Jahr beworben haben, müssen dagegen die höhere Gebühr für ausländische Studenten bezahlen.

„Alle Museen sind geschlossen, ebenso Clubs“

Und auch der eigentliche Aufenthalt wäre ein Problem. Man müsse jetzt eine (mehrere hundert Euro teure) Aufenthaltsgenehmigung, das Visum, beantragen und ein (fünfstelliges) Guthaben auf dem Girokonto nachweisen. Informationen, die Jannis Kappelmann dennoch nicht das Studium an einer der renommiertesten Londoner Unis verderben.

Das erledigt die Pandemie. „Ich bin jemand, der sich strikt an die Vorgaben hält“, sagt Jannis Kappelmann. Was aktuell bedeutet: Alle Vorgaben, die in London gelten, einzuhalten. Auch dort gab es Einschränkungen: „Ich habe in den Monaten von September bis Dezember wohl zwei Mal im Außenbereich eines Pubs gesessen. Alle Museen sind geschlossen, ebenso Clubs, Konzerte gibt es nicht.“

Jannis Kappelmann im Oktober vor dem Buckingham Palace in London: Da waren Besichtigungen noch möglich.

Und auch die Uni ist geschlossen. Tatsächlich ist kein Kurs mehr mit Präsenz im Angebot. Das war im Sommer noch anders gedacht, da war angekündigt, dass manche Kurse mit genügend Abstand zwischen den Teilnehmern vor Ort abgehalten werden sollten. „Die Uni macht aber wirklich alles, bietet Plattformen an und die Bücher sind meist als E-Reader zu haben. Aber alles hat ein Limit“, sagt Jannis Kappelmann. Eben da, wo der Diskurs erst beginnt, eben da, wo studentisches Leben erst schön wird, eben da, wo Kontakte geknüpft werden in einer bunt gemischten Gruppe aus klugen Köpfen aus allen möglichen Nationen. Viele Kommilitonen seien erst gar nicht nach England gereist, sondern zuhause geblieben.

Kappelmann erlegt sich eine Selbstisolation auf, um über Weihnachten nach Hause fahren zu können. „Ich wollte nichts hierhin einschleppen.“ Per (fast leerem) Zug geht es von London nach Barenburg, wo der junge Student offiziell in Quarantäne geht und sich anschließend testen lässt – Ergebnis: negativ.

Wohnung in der Nähe der berühmten Tower Bridge

Ab dem 18. Januar beginnen die Vorlesungen und eigentlich wollte er bis dahin wieder in die Metropole, doch die augenblickliche Situation schreckt ab. „Zuviele Erkrankte. Und Londons Bürgermeister hat den Notstand ausgerufen. Die Krankenhäuser sind überfüllt – und ich könnte womöglich nicht behandelt werden, muss ja nicht Covid sein, sondern eine Verletzung.“

Wie ist denn die generelle Stimmung in England? „Man kann sie in Teilen mit der in Deutschland vergleichen. Obwohl: In England trauen die Bürger der Regierung tendenziell deutlich weniger zu, als in Deutschland.“ Er freue sich über jene Freunde und Bekannte, die sich an die Vorgaben halten.

Statt Hörsaal: Arbeitsplatz eingerichtet im Londoner Appartement, für die Online-Vorlesungen.

Seine Wohnung liegt in der Nähe der berühmten Tower Bridge: Da sei es immer voll und viele würden keine Masken tragen. Gleichwohl hätten sich Geschäftsleute den Maßnahmen angepasst, etwa was Liefer- und Abholservice angehe.

Zurück zum Uni-Alltag: Der erfordert jetzt, dass Jannis Kappelmann sich einloggt, wie die Kommilitonen, verteilt über den Globus, auch. Studium in London, mit Blick auf Barenburger Mutterboden. „Das ist klar anders: Jeder Student will ja an die Uni, will sich dort treffen, austauschen. Seinen Platz finden und nicht nur im Elternhaus bleiben.“

„Ich weiß, die Zwänge sind gerade halt so“

Sieht er da einen Nachteil, auch beruflich, auf sich zukommen? „Ja klar. Die Professoren lernen mich ebenso wenig kennen, wie ich sie. Es finden keine Treffen mit Organisationen statt, keine Konferenzen, die man besichtigen könnte. Berufliche Kontakte zu knüpfen geht gerade nicht.“

Die meisten seiner Kurse laufen bis April und für den Zeitraum von April bis August sieht Jannis Kappelmann noch einen Hoffnungsschimmer: „Dann sind wir durch Impfungen vielleicht wieder ganz anders aufgestellt. Dann sind vielleicht wieder andere Optionen da. Was wichtig wäre, denn wir kennen uns ja nur von den Bildschirmen her“, moniert der Barenburger.

Spaziergang und Joggen dienen als Ausgleich. Es ist dabei auch nicht schlecht, dass eines der Wahrzeichen von London, die Tower Bridge gleich um die Ecke ist.

Und das sei nicht der einzige Nachteil: „Ich denke, meine Lernleistung ist auch geringer, ich bin nicht ganz so leistungsfähig. Ich weiß, die Zwänge sind halt gerade so. Aber ein gewisser Ausgleich fehlt zum Lernen am Bildschirm.“

Wann er wieder nach London zurückkehrt, kann Jannis Kappelmann derzeit noch nicht sagen. Züge fahren, Flüge sind reduziert. „Ich behalte die Situation im Auge, möchte aber erst fahren, wenn sich die Situation in London gebessert hat, wenn die Krankenhäuser nicht überfüllt sind.“

„Es ist gerade nicht optimal, auf Jobsuche zu gehen“

Die Masterarbeit muss Jannis Kappelmann Ende August abgeben, dann folgt die Benotung und bis das Zeugnis überreicht werden könnte.... „Keine Ahnung, wie die Abschlusszeremonie überhaupt ablaufen könnte. Damit habe ich mich noch nicht beschäftigt.“

Und auch über künftige Arbeitgeber nicht den Kopf zerbrochen: „Es ist gerade zwar nicht optimal, auf Jobsuche zu gehen, denn alle müssen den Gürtel enger schnallen. Es könnte ein Kampf von vielen Bewerbern um wenige Positionen geben.“

Er könne sich auch die Promotion vorstellen, würde die gerne in Deutschland absolvieren. „Das wird sich zeigen.“ Nukleare Waffen und Abrüstung sind sein thematisches Steckenpferd, da gebe es eine begrenzte Anzahl an beruflichen Möglichkeiten, sagt Jannis Kappelmann und zählt dann mit akademischen Zirkel um die Think Tanks, NGOs (Nicht-Regierungs-Organisationen) über Bundesbehörden und den politischen Bereich durchaus eine Bandbreite an beruflichen Optionen auf.

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