Abgesackte Gleise: 1 100 Meter werden saniert

Investition in Freistätter Feldbahn

Die Gleise der Freistätter Feldbahn sind an vielen Stellen abgesackt, wie das Bild mit Heinrich Kammacher, Olaf Heuermann, Jens Wiesemann, Frank Kruse, Daniela Labbus und Gero Enders (von links) zeigt.
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Die Gleise der Freistätter Feldbahn sind an vielen Stellen abgesackt, wie das Bild mit Heinrich Kammacher, Olaf Heuermann, Jens Wiesemann, Frank Kruse, Daniela Labbus und Gero Enders (von links) zeigt.

Freistatt –  Die Gemeindeverbindungsstraße zwischen Freistatt und Heimstatt führt direkt vorbei an wunderschönen Fotomotiven. Man kann sie kaum verpassen, denn mehr als im zweiten Gang gemächlich rollen geht nicht, aufgrund der Straßenbeschaffenheit. Was derzeit gar nicht geht, sind Feldbahnfahrten: Tiefe Absackungen und unterschiedliche Abstände zwischen den beiden Schienensträngen von mehreren Zentimetern könnten das tonnenschwere Gefährt entgleisen lassen. Rettung naht: Im Frühjahr sollen Sanierungsarbeiten beginnen.

200. 000 Euro an Zuschuss überweist das Amt für regionale Landesentwicklung Leine-Weser (ArL, Geschäftsstelle Sulingen) im Rahmen der „Richtlinie über die Gewährung von Zuwendungen zur integrierten ländlichen Entwicklung“ (ZILE), weitere 290. 000 Euro schultert die Samtgemeinde Kirchdorf. Saniert werden nicht die gesamten gut sechs Kilometer Fahrtstrecke, sondern 1 100 Meter – die mit den schlimmsten Absackungen. Die Schienen finden sich an manchen Stellen fast einen halben Meter tiefer als die Straße. Die gute Nachricht: Sie können wieder verwendet werden. Die nicht ganz so gute Nachricht: Es bleibt abzuwarten, ob sich auf die jetzt geplanten Ausschreibungen auch Firmen melden.

Die Gleise müssen wieder begradigt werden.

Die Planer der Firma „Sweco“ aus Bremen, Jens Wiesemann und Daniela Labbus, haben das Konzept ausgetüftelt. Der moorige Untergrund wird nicht ausgekoffert. Bis in eine Tiefe von drei Metern müssten solche Arbeiten erfolgen, wollte man den Aufbau auf einer stabilen Schicht beginnen. Das wiederum würde Kosten bedeuten, die niemand bereit wäre zu tragen. Um die touristische Attraktion Feldbahn zu erhalten, sei ausreichend, die Schienenstränge mit einem Unterbau zu versehen, der auf einem Fließ aufliegt, das die Last verteilt und so das Absinken verzögert. Außerdem werde Blähton eingesetzt, der ebenfalls dafür sorge, dass die Absackungen nicht so zügig und nicht so tief erfolgen. So könnte der Verlauf der Schienen auf das Straßenniveau angehoben und auch die Streckenführung begradigt werden. „Wir wollen als Samtgemeinde Kirchdorf ein Signal setzen, dass wir auch in Freistatt investieren“, erklärt Samtgemeindebürgermeister Heinrich Kammacher die Ausgabe für die Feldbahn, die in einen besonders wertvollen und schützenwerten Naturraum führt. Das weiß Freistatts Bürgermeister Gero Enders besonders zu schätzen, der Fauna und Flora täglich vor Augen hat und dankbar ist für die Investition.

Frank Kruse, stellvertretender Bürgermeister, hat die Feldbahn im Blick und weiß, dass es maximal zwei Zentimeter Spielraum für die Gleise gibt. Aber: „Das Moor bewegt sich, also bewegen sich auch die Schienen. Aktuell haben wir sechs Zentimeter Schieflage.“ Deshalb fährt seit Längerem keine Feldbahn mehr. Elf Tonnen schwer sei der Zug, mit Passagieren besetzt seien es 18 Tonnen und wenn das Gefährt aufgrund der Schieflage umkippen würde – „nicht auszudenken, sollte sich dabei jemand verletzen.“ Dieses Sicherheitsrisiko will niemand eingehen.

Die jüngsten, durch den Klimawandel bedingten Wechsel zwischen extrem trockenen Sommern und extrem feuchten Wintern hätten die Absackungen verschlimmert, ergänzt Enders.

Einen tragfähigen Aufbau haben die Planer ersonnen.

Der Kreis der Feldbahnführer wechsele, im kommenden Jahr wolle man das Angebot, sich als Zugführer ausbilden zu lassen, wieder auf die interessierte Öffentlichkeit ausweiten. Allgemein hoffe man, dass die touristischen Optionen in Freistatt wieder aufleben können: Feldbahnfahrten, Jahresfest, Planetenweg, Kranichbeobachtungsstation und vieles mehr. Dass die Feldbahn zum Jahresfest an Himmelfahrt, so es stattfinden kann, fährt, schließt Daniela Labbus jedoch aus. Bauamtsleiter Olaf Heuermann wird die Arbeiten verfolgen, die müssen aufgrund des gewährten Zuschusses bis zum 1. September abgeschlossen sein. Geplant sei, sie bei einer halbseitigen Sperrung der Straße durchzuführen, sagt Daniela Labbus. Am liebsten wäre allen Beteiligten, würden die Fahrten ab Sommer wieder möglich sein. „Es ist allerdings nicht der klassische Bahnbau“, erklärt Labbus. Eher eigneten sich die Arbeiten für ein regionales Tiefbauunternehmen, auch aufgrund des eher geringen Umfangs.

Seit dem Jahr 1900 liegen die Schienen, waren früher die einzige Verbindung zwischen den Stützpunkten im Moor, die bei der Gründung der „Kolonie Freistatt“ gesichert worden waren.

Von Sylvia Wendt

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