Landwirt startet Tourismus-Projekt

„Feriendorf Moorblick“: Urlaub mit Alpakas, Whirlpool und Iglus

Ein Überblick über das Feriendorf, vorne mit dem abgetrennten Bereich für Sauna und Whirlpool.
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Ein Überblick über das Feriendorf, vorne mit dem abgetrennten Bereich für Sauna und Whirlpool.

Frank Scharninghausen entdeckt den „sanften Tourismus“ für sich. In Bahrenborstel entsteht das „Feriendorf Moorblick“.

  • Igluhut-Idee im „Feriendorf Moorblick“ stammt aus Estland.
  • Holzbauweise und Komfort sollen Touristen anlocken.
  • Landwirt bietet einen naturnahen Rückzugsort an.

Bahrenborstel– Du bist Landwirt. Du bist es auch gerne. Aber: Politische Einflüsse, weichende Akzeptanz und nicht zuletzt immer schwerer zu kalkulierende Erträge aufgrund des Klimawandels machen den Job schwierig. Das Problem: Du bist im Alter von knapp 40 Jahren zu jung für die Rente. „Ich wollte andere Wege gehen, mir ein weiteres Standbein schaffen“, erklärt Landwirt Frank Scharninghausen seine Investition in den sanften Tourismus:

Unter dem Namen „Feriendorf Moorblick“ baut er derzeit sechs Igluhütten auf seinem Grundstück auf. Tagesgäste, Urlauber, Radler, Kranichbeobachter: Scharninghausen hat gleich mehrere Zielgruppen im Blick. Wie kommt es zu dieser Entscheidung?

„Feriendorf Moorblick“-Grundstück liegt an der Weser-Lippe Radroute

41 Jahre alt, wohnhaft in Haken Moor, da, wo die Samtgemeinde Kirchdorf bilderbuchmäßig ländlich ist, bepflanzt der junge Landwirt insgesamt 220 Hektar Land mit Mais und Wickroggen für die hofeigene Biogasanlage. Aber: „2027 läuft die EEG-Umlage aus“, sieht der Landwirt hier langfristig nicht mehr ausreichend Einnahmen. 50 Tiere umfasst die Rinderzucht, die er für einen Kollegen durchführt. Der Stall sei fast genauso alt wie er und langsam abgängig. Investieren in eine Sanierung oder nicht? Nicht, entschied Frank Scharninghausen. Wohin soll die berufliche Reise gehen?

Im November 2017 kauft er eine nahe Hofstelle, die dazugehörigen Felder drumherum bewirtschaftet er bereits. Das Haus ist Baujahr 1936, aber ohne Strom, Abwasser, Frischwasser - kurzum: Nein, sanieren lohnt nicht. Touristik? Die Hofstelle hat Bestandsschutz, das heißt, Scharninghausen hätte das Haus abreißen und ein neues wieder draufbauen können, auf den Fundamenten.

Frank Scharninghausen im Feriendorf.

Scharninghausen recherchiert zu den Stichworten „sanfter Tourismus“ und „naturnahe Gestaltung“. „Unsere Region hat, nicht nur wegen der Kraniche, so einiges zu bieten. Das haben auch Besucher aus entfernteren Gegenden entdeckt. Die direkt am Grundstück vorbeiführende Weser-Lippe Radroute wird immer mehr genutzt und ich hatte das Gefühl, dass es die Leute wieder mehr ins Grüne zieht“, erklärt Scharninghausen.

Also will er Übernachtungsmöglichkeiten schaffen, die sich in Natur und Umgebung integrieren und stößt auf die „lgluhuts“ aus Estland. „Deren natürliche Hausbauweise mit Holz gefiel mir - und der gewisse Komfort im Innenbereich auch“. Der Landwirt besichtigt eines dieser „Tiny Houses“ bei der ,,grünen Woche“ in Berlin und probiert es danach drei Tage selbst aus, beim deutschen Vertriebspartner am Bodensee. Danach steht fest: ,,Die Igluhuts sollen es werden.“

Die Igluhuts sind wohnlich eingerichtet, bieten Komfort auf kleinem Raum.

Konzept erstellt, Finanzierungsmöglichkeiten abgeklopft, bewilligt wird ein 30-prozentiger Zuschuss für einen Teil der Kosten als „Förderung einer Maßnahme im ländlichen Tourismus“. Das Gesamtvolumen umfasst einen stolzen sechsstelligen Betrag.

Das Letzte, das fehlt: Die Baugenehmigung, die jetzt erteilt wurde. Das „Feriendorf Moorblick“ kann Realität werden. Scharninghausen möchte erste Buchungen ab März annehmen, mit Übernachtungsstart - wenn das Beherbergungsverbot aufgehoben ist.

„Feriendorf Moorblick“ greift Trend zum Urlaub „Zuhause“ auf

Wollte er sich wegen der Corona-Pandemie zwischenzeitlich von den Plänen verabschieden? „Nein, nie. Corona hat das Projekt nie gefährdet. Einzig Liefertermine wurden verschoben, manche Handwerker konnten nicht den geplanten Umfang leisten, was dazu führte, dass ich richtig viel Eigenleistung bringen musste“, sagt Scharninghausen.

Er wirbt für das Feriendorf als „naturnaher Rückzugsort für jedermann“, abseits des Städtetrubels und urbaner Hektik, ganzjährig. Corona hätte deutlich belegt, dass Urlaub im eigenen Land als Option deutlich nach vorne gerückt ist. Und Scharninghausen glaubt daran, dass der Trend zum Urlaub „Zuhause“ anhält, dass insbesondere Kurzurlaube öfters gebucht werden.

Hütten bieten im „Moorblick“ Privatsphäre, Pool und Sauna ebenfalls

Die Wahl der Igluhütten scheint angesichts aktueller Fotos mit Schneemassen drumherum ein richtiger Glücksfall. Deren Anordnung sei so geplant, dass jede Hütte eine Privatsphäre biete, die Gäste miteinander dennoch ins Gespräch kommen können. Ein lgluhut kann mit bis zu drei Erwachsenen oder zwei Erwachsenen mit zwei Kindern bewohnt werden. Es verfügt über Sat-TV und ab Sommer 2021 auch über WLAN. Der gemeinsame Sauna- und Whirlpoolbereich ist getrennt vom den Wohniglus und mit Sichtschutz umgeben, um Privatsphäre zu bieten.

Radwanderer sind eingeladen, hier Station zu machen. Oder nur einen Zwischenstopp: Denn im „öffentlichen Bereich“ sollen Verpflegung mit Produkten aus der Region und Obst von der neu angelegten Streuobstwiese angeboten werden, eine kleine Küche und Sanitäranlagen nutzbar sein. Ebenso durch die Gäste der zwei Wohnmobilstellplätze.

„Badetag“ bei den Alpakas, die schon ein paar Monate in Bahrenborstel heimisch sind.

Neu entdeckt hat Frank Scharninghausen Alpakas. Wenn die Rinderzucht in überschaubarer Zukunft aufgegeben wird, sollen es stattdessen Alpakas sein. Die Tiere, die sich jetzt schon in Bahrenborstel einleben, hat Frank Scharninghausen bewusst ausgesucht. Es sind Zuchttiere, mit Stammbaum. „Sie machen keine Geräusche, sind unkompliziert und ruhig. Wenn es ihnen zuviel wird an Mensch, dann gehen sie weg. Ihre ruhige Art überträgt sich auf die Beobachter, sie werden auch in der Therapie eingesetzt“, berichtet Scharninghausen. Eine weitere Idee für die Zukunft sei, einige der Tiere für Trekking-Touren auszubilden und diese dann anzubieten. Die Outdoor-Palette soll neben der Kranichbeobachtung, den Alpakas und der Radleridylle noch um Kanu- und Quadtouren angereichert werden. Es gibt noch mehr Pläne und Ideen, doch zunächst soll die Anlage öffnen.

Tag der offenen Tür im „Feriendorf Moorblick“ im Mai

Zählen kann Scharninghausen dabei auf seine Familie: Jeder habe zugesagt, sich bei den anstehenden Aufgaben einzubringen. Und selbst die Skeptiker aus der Ortschaft, die zunächst ein herzliches „Dee spinnt doch“ kommentierten, sagen nun: Joah, das könnte was werden.

Im Mai soll das Feriendorf mit einem Tag der offenen Tür vorgestellt werden (wenn das dann möglich ist).

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