Vorwürfe gegen AfD-Vorsitzenden im Kreis Diepholz

Neuer Beweis für Iloffs Draht zur rechten Szene

+
Andreas Iloff

Landkreis Diepholz - Von Julia Kreykenbohm. „Diesen Brief bekommt nur der, der in irgendeiner Form Gemeinsamkeiten mit uns hegt oder von dem uns bekannt ist, daß ihm das Schicksal unseres Volkes nicht unberührt läßt. Von dem wir wissen, daß er/sie nicht ein Teil der umerzogenen, bundesrepublikanischen Massengesellschaft ist, sondern daß er noch ein Deutscher ist.“

Dieser Wortlaut findet sich auf einer Einladung des „Deutschen Bundes“ für die Wintersonnenwende am „20. Julmond 2014“. Abgeschickt von einem „Adrich“. Nach Recherchen der Journalistin Andrea Röpke steht hinter diesem Namen Andreas Iloff, Kreisvorsitzender der AfD Diepholz – der sich auf seiner Homepage auch selber so nennt. „Diese Einladung hat uns jemand zukommen lassen und wir haben es überprüft“, sagt Röpke. Das Brisante daran ist, dass Iloff zu diesem Zeitpunkt wohl bereits Mitglied der AfD war.

In der Einladung schreibt er über das „geplante Verbrechen an uns, dem europäischen Kernvolk“, den „Abendlandverderbern (Plutokraten)“ und Volkszerstörern (Marxisten)“. „Da hat man Iloffs Sicht in Reinform, während er sich durch die AfD einen konservativ-liberalen Anstrich geben möchte“, sagt Ralf Beduhn von „Midea“ (Menschlichkeit ist die einzige Alternative). „Plutokratie war ein gern genutzter Begriff von Goebbels, um eine angebliche Verschwörung anzuprangern, durch die Deutschland vernichtet werden sollte.“ Er nennt die Einladung, die nun vorliegt, einen „Glücksfall“, weil sie belege, was man schon vermutet habe: Iloffs enge Kontakte zu extrem rechten Kreisen.

Deutscher Bund: Nur geladene Gäste zu Versammlungen zugelassen

Doch was ist der „Deutsche Bund“? „Man könnte ihn als eine Art rechte Sekte bezeichnen“, schildert Röpke. In manchen Punkten sind sie den Reichsbürgern ähnlich, da sie erklären, dass das Deutsche Reich nie aufgehört habe, zu existieren. Nordische Mythologie ist ein Bestandteil, ebenso wie Aufnahmerituale, die zeigen sollen, ob jemand würdig ist. „Sie verstehen sich als avantgardisitscher, verschworener, elitärer Bund. In den 90ern waren sie recht aktiv, dann wurde es still um sie. Doch ein Protagonist aus dem rechten Spekturm behauptet, dass der Bund in Kirchdorf nach wie vor sehr lebhaft sei“, so Röpke. Die Mitglieder waren vorsichtig. Dazu gehört, dass nur geladene Gäste zu den Versammlungen kommen dürfen, „Telefone und Kameras im Auto verbleiben“, wie Iloff schreibt, sowie „keine Schriften verteilt oder ausgelegt werden“.

Das habe dazu geführt, dass der „Deutsche Bund“ in der Öffentlichkeit wenig bekannt sei. „Trotzdem waren auf einer Sonnwendfeier in Kirchdorf 2013 etwa 40 Leute“, sagt Röpke, „darunter auch jemand von der verbotenen HDJ.“ 2014 gab es zur Sommersonnenwende ein Zeltlager. Während ein bekannter Neonazi aus Dortmund das Zelt aufbaute, schossen andere mit Pfeil und Bogen. Beamte der Polizeiinspektion Diepholz waren ebenfalls vor Ort, um sich ein Bild von der Lage zu machen, wie Pressesprecher Thomas Gissing auf Nachfrage bestätigte.

„Aufgabe, das bestehende System zu bekämpfen“

Keinesfalls dürfe man den „Deutschen Bund“ verharmlosen. „Sie verfolgen knallharte politische Ziele und sehen es als ihre Aufgabe, das bestehende System zu bekämpfen, sagt Röpke.

Auch der Verfassungsschutz hat ein Auge auf den Bund: „Herr Iloff ist uns durch rechtsextremistische Aktivitäten in Zusammenhang mit dem ,Freundeskreis Deutschland’ bekannt. Kennzeichnend für die weltanschaulichen Grundsätze des Freundeskreises ist eine auf völkischem Denken basierende nationalistische Ausrichtung. Unter anderen Vorzeichen werden nach Erkenntnissen die Aktivitäten unter der Bezeichnung ,Deutscher Bund’ fortgesetzt.“

Kontakte zum Chef der NPD in Thüringen

Iloff agiert politisch laut Röpke auf zwei Ebenen. „Er ist sehr gut vernetzt, hat Kontakt zum Chef der NPD in Thüringen.“ Viele Rechte machten es wie Iloff: Sie benutzten die AfD als Schleuse, um durch sie in die Regierung und die Mitte der Gesellschaft zu kommen, sagt Beduhn.

Iloff selber habe, konfrontiert mit der vorliegenden Schrift, ausweichend reagiert. Für die Kreiszeitung war er gestern nicht erreichbar. Eine schriftliche Anfrage blieb unbeantwortet.

„Wir hoffen, dass dieses Thema von den Parteien im Kreistag behandelt und nicht nach zwei Wochen wieder vergessen wird“, so Beduhn. „Auch spannend, wie die AfD Diepholz damit umgeht.“

Mehr zum Thema: 

AfD-Vision: Bürgerwehren sollen Polizei entlasten

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Simbabwe: Regierungspartei leitet Mugabes Amtsenthebung ein

Simbabwe: Regierungspartei leitet Mugabes Amtsenthebung ein

Fotostrecke: Werder-Mitgliederversammlung 2017

Fotostrecke: Werder-Mitgliederversammlung 2017

Sonst nichts gemeinsam: Deutsche Großstädte und ihre US-Namensvetter

Sonst nichts gemeinsam: Deutsche Großstädte und ihre US-Namensvetter

Weihnachtsmarkt in Nienburg: Aufbau läuft

Weihnachtsmarkt in Nienburg: Aufbau läuft

Meistgelesene Artikel

Lesepaten der KGS Moordeich kümmern sich um Nachwuchs

Lesepaten der KGS Moordeich kümmern sich um Nachwuchs

Rathaus-Azubi Anjelina Brinster verbringt sechs Wochen in Tralee

Rathaus-Azubi Anjelina Brinster verbringt sechs Wochen in Tralee

Rednex heizen den Bassumern ein

Rednex heizen den Bassumern ein

Kirchengemeinde Barenburg hegt Umgestaltungspläne

Kirchengemeinde Barenburg hegt Umgestaltungspläne

Kommentare