Nachdenklicher Vortrag zur Welternährung

Eröffnung der Spargelsaison in Scharringhausen

Heinrich Thiermann (r., kleines Foto) ) dankt seinem Gast, Prof. Ulrich Koester, für dessen gelungenen Vortrag. - Fotos: S. Wendt

Scharringhausen - Von Sylvia Wendt. Ist die Verschwendung von Lebensmitteln ein moralisches Problem? Diese Frage beantwortete Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Ulrich Koester bei der offiziellen Spargelsaioneröffnung am Donnerstag auf dem Hof Thiermann.

Der Agrarökonom von der Christian-Albrecht-Universität Kiel stellte nicht nur interessante Fragen, sondern gab auch ebensolche Antworten. Nicht alle der 500 geladenen Gäste (aus Politik, Landwirtschaft, und Wirtschaft, Geschäftspartner, Nachbarn und natürlich Freunde der Familie Thiermann) indes bekamen die mit – so ein wissenschaftlicher Diskurs gefällt nicht jedem. Gastgeber Heinrich Thiermann genoss ihn sichtlich.

Köster hatte seinen Vortrag so strukturiert, dass immer wiederkehrende Fragen der Gesellschaft aufs Tableau gehoben wurden – oft nur, damit er sie gleich wieder argumentativ herunterzerren kann. Was ist überhaupt Lebensmittelverschwendung? Das, was aussortiert wird, weil es dem Massengeschmack nicht entspricht? Das, was ich auf dem Teller lasse, weil ich weiß, dass es mir nicht gut tut? Wer misst und kontrolliert „verschwendete Lebensmittel“? „Das Volumen wird erheblich überschätzt“, moniert Koester.

Immer wiederkehrender Kritikpunkt: Die produzierte Menge. Würde der Kunde passgenau für seinen Bedarf nur – täglich – einkaufen und nicht einmal in der Woche, möglicherweise, zuviel, wäre das ein Schritt, Verschwendung zu vermeiden. Würde der Produzent passgenau produzieren – wäre auch das ein solcher Schritt.

Doch punktgenau, ohne zuviel Reste zu produzieren, koste Geld, das in Grundlagenforschung investiert werden müsste. Denn: Lagerung koste ebensoviel Geld (und produziere Reste). Und: Geld koste es natürlich auch, wenn trotz der hier produzierten Ware diese zusätzlich von weit her importiert werde.

Heinrich Thiermann (rechts) dankt seinem Gast, Prof. Ulrich Koester, für dessen gelungenen Vortrag.

Können wir von den hier produzierten Resten nicht Hunger anderswo mindern? „Nein. Die Märkte müssen sich ändern. Die Ärmsten und Hungernden sind nicht arm und hungern, weil sie keine Lebensmittel haben, sondern weil sie keine Arbeit und damit keinen Lohn haben, um sie zu bezahlen“, sagt Koester. Spenden, direkte Unterstützung, dass anderswo Menschen in Lohn stehen, um sich ihr Brot zu kaufen – das sei sinnvoll.

Die eigenen Erlebnisse als Flüchtling nach dem Zweiten Weltkrieg haben Koester geprägt. Auch sie haben ihn zur Erkenntnis gebracht, dass der Verbrauch an Ressourcen in manchen Ländern viel zu hoch ist und die Menschen dort im Überfluss leben. Und hier kann jeder selbst ansetzen – das musste der 77-jährige Wissenschaftler nicht extra sagen.

Die Begrüßung hatte Samtgemeindebürgermeister Heinrich Kammacher übernommen, zwischen ihm und dem ehemaligen Pastor in Kirchdorf und heutigen Popst Joachim Kuklik entsponn sich das gewohnte kleine verbale Scharmützel.

Landrat Cord Bockhop mahnte, den Landwirten auch Raum zu geben, für deren notwendige Veränderungen. Gerhard Schwetje, Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, richtete die Bitte an die Politiker, nur solche Forderungen an die Landwirte zu richten, die sie auch umsetzen können. Es gelte, die Wirtschaftskraft im ländlichen Raum zu halten.

Erstmals in Scharringhausen: Bernhard Niehaus, kürzlich neu gewählter Vorsitzender der Vereinigung der Spargelbauern in Niedersachsen. Auch er richtete eine Bitte an die Politiker: „Bitte fragen Sie uns im Vorfeld der Entscheidungen.“ Er stehe für Gespräche zur Verfügung.

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