Hilda und Heinrich Plenge feiern Jubiläum

Vom Schnaps in Sandhausen

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Hilda und Heinrich Plenge feierten ihr 65-jähriges Ehejubiläum.

Scharringhausen - Das Gespräch dreht sich plötzlich nicht mehr um die Hochzeitsfeier von Hilda geb. Koopmann und Heinrich Plenge vor 65 Jahren, sondern darum, wer den Schnaps für die über 200 Gäste gebrannt hatte. Scharringhäuser Dorfleben anno 1951. Heinrich Plenge hat dieses ab Mitte der 1960er bis zur Gebietsreform 1974 als Ratsherr mitgestaltet. Hilda und Heinrich Plenge sind Zeit ihres neun Jahrzehnte umspannenden Lebens immer mittendrin gewesen: Beide sind in Scharringhausen geboren, gemeinsam zur Schule gegangen. Man verliert sich aus den Augen, als Heinrich 1943 in den Krieg zieht. Er kommt 1945 wieder, nach kurzer Gefangenschaft bei den Engländern im Lager Munster. Drei Brüder und ein Schwager von Hilda Plenge sind indes gefallen oder werden vermisst.

Der Zweite Weltkrieg hat eine ganze Generation an Männern ausgelöscht. Wenn sich Hilda und Heinrich Plenge erinnern, dann ist zu spüren, was Verlust wirklich heißt, Familie zu verlieren, um das Zuhause bangen müssen, Hunger leiden. Hilda und Heinrich Plenge arbeiten beide in der Landwirtschaft. Für Heinrich ist das die Fahrkarte aus der Gefangenschaft: Nur aufgrund seiner Ausbildung wird er bereits im Juli 1945 entlassen, ist zu Fuß von Diepholz nach Scharringhausen unterwegs, muss abends in Ströhen (bei Fenskes Willi) übernachten – es herrschte Ausgangssperre ab 23 Uhr. Am Sonntagmorgen kommt er nach Hause, endlich.

Es ist ebenso ein Sonntag, als sich Heinrich Plenge auf den ersten Blick in Hilda Koopmann, jüngstes von einst elf Kindern, verliebt: Zwei seiner Cousinen und Hildas älteste Schwester sind befreundet, man trifft sich zum Sonntagsspaziergang.

Die Hochzeit im März 1951 wird rauschend gefeiert, der Onkel des Bräutigams ist Inhaber von Plenges Gasthaus. Bier wurde kaum gekauft und noch weniger getrunken, Schnaps, schwarz gebrannt, war günstiger. 1946 hatte Heinrich Plenge das Schlachten gelernt. Wieviele Schweine er „schwarz“ geschlachtet hatte, nein, das wisse er nicht mehr, sagt's und schmunzelt. Bis zur Währungsreform waren Tauschgeschäfte Alltag. Plenge erinnert sich an eine riesige Menge Leberwurst dafür, dass Niemeyers Bäcker in Bahrenborstel einen neuen Ofen bekommen konnte.

Hausschlachtungen wurden nur in den Wintermonaten durchgeführt, manches Mal bis zu 50 Stück in einer Saison. „Und für den Sommer musste ich dann was anderes suchen“, erinnert sich Heinrich Plenge. Zuhause hatte man nur ein paar Tiere Landwirtschaft für den Eigenbedarf.

Das Haus, 1962 erbaut, steht auf einer alten Häuslingsstelle – Heinrich Plenge kennt auch diese Geschichte. Und, dass Förthmanns früher erstmal Sand vor der Tür schaufeln mussten: Aus dem Moor wurden ganze Dünen nach Scharringhausen geweht, weshalb der Flurname hier Sandhausen lautet. Die bis zu 4,65 Meter hohen Sandberge sind heute abgetragen. Einer diente zur Vorbereitung des Areals für das Freibad Barenburg, erinnert sich der Jubilar.

14 Jahre ist Plenge Fahrer für die Molkerei, 13 Jahre, bis zur Rente 1987, ist er in der Firma Witte in Vorwerk. Hilda und Heinrich sind aktiv im Dorfleben, engagieren sich in Schützenverein (er) und DRK (sie). Ihre Gymnastikdamen kommen immer noch auf einen Besuch vorbei, obwohl Mitturnerin Hilda heute gesundheitlich beeinträchtigt ist. Gesundheitlich bedingte Aufenthalte in Kliniken ließen das Jubelpaar zweifeln, ob beide zur Feier der eisernen Hochzeit wieder zuhause sein würden. Doch es sollte buchstäblich in letzter Sekunde klappen.

Gefeiert wurde im Kreise der Familie. Tochter Herta (verheiratet mit Walter Brokate) wohnt in umsorgender Hausgemeinschaft mit den Jubilaren. Enkelkinder sind Stephanie, Monique und Patrick, die Urenkel Ben, Mia und Svea bilden die jüngste Generation.

Schwarz gebrannt oder geschlachtet wurde zur Feier übrigens natürlich nicht...

sis

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