Hikaru Ota absolviert Praktikum in der Varreler Fleischerei Kollhorst

Wurst-Knowhow für Japan

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Hikaru Ota ließ sich von Stephan (links) und Gerhard Kollhorst in die Finessen der Wurstproduktion einweihen.

Varrel - Der gute Ruf der Fleischerei Kollhorst reicht bald bis nach Japan: Im Reich der aufgehenden Sonne haben Wurstprodukte noch den Hauch der Exotik – das soll sich ändern, und so absolviert seit knapp vier Wochen Hikaru Ota im Auftrag seines Arbeitgebers ein Praktikum im Varreler Betrieb. Er ist ihr erster Praktikant aus dem Ausland, berichten die Fleischermeister Gerhard Kollhorst und sein Sohn Stephan. Und für den 27-Jährigen Lebensmitteltechniker ist es der erste Auslandsaufenthalt.

„Ich hatte erst ein bisschen Angst, dass es mit der Verständigung nicht klappen würde“, räumt Gerhard Kollhorst ein. Doch das Meiste lässt sich mit den auf beiden Seiten vorhandenen Englischkenntnissen, Gesten und gutem Willen vermitteln, „notfalls hilft eine Übersetzungs-App weiter“, ergänzt Stephan Kollhorst. Und einmal in der Woche Hideo Hayashi als Dolmetscher: Der Japaner lebt seit 53 Jahren in Deutschland, ist Vermittler zwischen Firmen hier und in seiner Heimat. Auch für die Möller GmbH in Diepholz, durch die Hikaru Otas Brötchengeber auf die Fleischerei Kollhorst aufmerksam wurde.

Ota studierte Lebensmitteltechnik an der Universität Shizuoka, seit fünf Jahren ist er für den zum Bright Pig Konzern gehörenden Fleischverarbeitungsbetrieb „Kouza Ton Handmade Ham“ in der Präfektur Kanagawa tätig. Der hat 80 Angestellte und verarbeitet 50 Tonnen Schweinefleisch in der Woche. Allerdings beläuft sich der Sauenbestand in ganz Japan auf gerade mal 800000 Tiere: „Das Land ist vom Buddhismus geprägt und der gibt vor, vierbeinige Tiere nicht zu verzehren“, erläutert Hideo Hayashi. Erst in den letzten Jahrzehnten hat der Konsum zugenommen, Tendenz weiter steigend.

Hikaru Ota wollte vor allem mehr über die Produktion von Roh- und Kochprodukten erfahren, von Salami bis Kochschinken – welche Gewürze werden verwendet, welche Maschinen für welches Produkt eingesetzt? Besonders interessant fand Ota, dass er bei der Fleischerei Kollhorst den kompletten Herstellungsprozess von der Schlachtung bis zu den fertigen Produkten erleben konnte. Beeindruckt hat ihn deren Vielfalt, die Tatsache, dass fast alle Bestandteile des Schweins sinnvolle Verwendung finden – Stichwort Blutwurst: „Er hat nicht gewusst, dass man Blut auch verzehren kann“, übersetzt Hideo Hayashi, „das hat er bislang für Industrieabfall gehalten...“ Allerdings habe die Blutwurst dem 27-Jährigen sehr gut geschmeckt. „Und gestern haben wir Zungenwurst gemacht“, ergänzt Stephan Kollhorst schmunzelnd. Hikaru Ota machte sich fleißig Notizen, aber Gerhard Kollhorst weiß: „Wenn er ein Drittel von dem, was er hier in der Kürze der Zeit erfahren hat, anwenden kann, ist das schon sehr gut.“

Mit Deutschland verband der 27-Jährige bislang vor allem Fußball. Welche Eindrücke hat er gewonnen? Die Landschaft in Norddeutschland gefalle ihm sehr, aber auch das Kontrastprogramm bei einem Besuch in Berlin kam bei ihm gut an. Hier werde deutlich mehr Wert auf den Erhalt der Natur, aber auch auf den historischer Bauten und von Traditionen gelegt, als in Japan. Und auf die Einhaltung des Feierabends – Überstunden sind bei Hikaru Otas Landsleuten geradezu selbstverständlich. Und, kaum zu glauben: Die meisten der ihnen gesetzlich zustehenden Urlaubstage lassen sie schlicht verfallen.

An diesem Wochenende endet Otas Zeit in Deutschland. Er fliegt aber einen Tag später zurück, als geplant, auf dringende Empfehlung von Gerhard Kollhorst. Der lacht: „Schließlich muss er das Kreiskönigstreffen in Dörrieloh noch miterleben!“

ab

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