Zäune und speziell trainierte Tiere sollen Freistätter Schafe beschützen

Herdenhunde passen auf

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Klaus Menke und zwei der Pyrenäenberghunde.

Freistatt - Sie sehen aus wie die Outdoor-Version der familienfreundlichen Golden Retriever. Doch Obacht: Die vier Pyrenäenberghunde, ausgebildet, um Schafherden zu bewachen, tun nicht nur genau das: Sie beschützen sie auch. „Notfalls mit ihrem Leben“, erklärt Schäfermeister Klaus Menke.

An ihn sind die Herdenhunde gewöhnt. Nähern sich Fremde, auf zwei oder vier Beinen, schlagen sie an. Die Hunde besäßen eine Beißhemmung, was Menschen angehe – trainiert seien sie darauf, Wölfe abzuwehren. Die Schafherde gegen sie zu verteidigen.

Fertig ausgebildeter Hund kostet etwa 6000 Euro

Man will es nicht ausprobieren, das mit der Beißhemmung. Auch wenn die etwa 50 bis 60 Kilo schweren weißen Hunde nicht halb so gefährlich aussehen wie etwa Rottweiler. Fertig ausgebildet, haben sie ihren Preis. Menke schätzt ihn auf bis zu 6000 Euro pro Tier. Wo die Tiere im Einsatz seien, stehen auch Hinweisschilder für Passanten, die Hunde eben nicht anzusprechen.

Der Naturschutz- und Landschaftspflegebetrieb Freistatt hat eine der größten Schafherden im Norden, zwei Einzelherden mit je insgesamt gut 1350 Tieren betreuen Menke und seine drei Kollegen. Die Schafe seien unverzichtbar in der Pflege der Naturschutzflächen im mittleren und nördlichen Wietingsmoor, erklärt Betriebsleiter Jörg Ermshausen. 500 Hektar beweiden die Schafe insgesamt. 500 Hektar, die als Flächen für Ackerbau und Viehzucht nicht in Frage kämen und ebensowenig maschinell gepflegt werden können. Bleiben die Schafe, die Bethel im Norden nach einer jahrelangen Pause vor etwa 25 Jahren wieder „rekrutiert“ hat. Die Ziele für Pflege und Entwicklung der Hochmoor-Schutzgebiete sind klar definiert.

Keine Investition, sondern eine Herde lebendiger Tiere

Ermshausen und Menke sehen die Schafherde weniger als Investition an, sondern als Herde lebendiger Tiere. Elf Tiere wurden jüngst verletzt, vier verstarben, die anderen sind in tierärztlicher Betreuung. Die DNA-Bestätigung stehe noch aus, aber man gehe davon aus, dass es sich um einen Angriff einer bestimmten Wölfin handele. Für die Mitarbeiter der Schäferei sei es eine emotionale Belastung, morgens zur Herde zu fahren – nicht wissend, ob es wieder einen nächtlichen Riss gegeben habe. „Wir sind an allen konstruktiven Vorschlägen interessiert“, erklärt Ermshausen.

Konstruktiv heißt in diesem Fall: Man legt Wert auf ein Miteinander. Wölfe einfach nur abzuschießen, sie zu jagen gehöre nicht zum Ansatz. Im Gegenteil: Man müsse sich mit dem Wolf als „Tierart, die zu uns gehört“, auseinandersetzen – vielleicht mit erhöhtem Aufwand. Dazu müsse sich auch Politik mit dem Thema beschäftigen, denn: „Will sie den erhöhten Aufwand finanzieren?“ fragt Ermshausen. Etwaige Abwehreinrichtungen, wie sie andernorts, etwa in abgelegenen Gebieten, genutzt werden, könne man hier nicht einsetzen, erklärt Menke. 90 Zentimeter hoch ist derweil der Elektrozaun, der nachts um die Freistätter Schafe herum aufgebaut wird. Die Herdenhunde werden abends zu den Schlafplätzen transportiert, morgens wieder abgeholt.

Schäfer haben die Wölfe bisher nicht gesehen

Tagsüber sind Schäfer und Hütehunde bei den Schafen, tagsüber hat noch kein Wolf angegriffen – weder Menke noch Ermshausen haben die Wölfin und den Rüden bisher gesehen. Die Transporte von und zu den Weide- und Schlafplätzen (Grünflächen, um den Nährstoffeintrag aufzufangen) ist aufwendig, aber tägliche Routine. Menke und Team informieren sich stetig weiter: Man stehe noch am Anfang der Situation, noch habe sich hier kein Rudel gebildet. Doch was, wenn es in naher Zukunft so weit ist? Die Kälber der Herde von Robustrindern, die Wasserbüffel, Ziegen – auch sie stünden, wie die Schafe, wohl im Fokus der Wölfe. Sowohl Menke, als auch Ermshausen gehen davon aus, dass sich die Wölfe, noch, zumeist, von Wild ernähren.

Ställe ins Naturschutzgebiet zu bauen für weit über 1000 Tiere ist ebenso unrealistisch, wie die riesigen Flächen von mehreren hundert Hektar einzuzäunen. Menke und Ermshausen fragen sich, ob die Zäune höher gezogen werden müssen, eine andere Zaunart besser wäre, kurz: Wie gehen Wölfe mit Zäunen um? Antworten darauf könnten Wolfsexperten liefern, die mit Wölfen in Gefangenschaft Experimente dazu durchführen. Derweil passen Schäfer, Hüte- und Herdenhunde auf die Herde auf.

sis

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