Ab 1. Oktober Teil des Geschäftsführer-Trios von Bethel im Norden

Interview mit Claus Freye: Von Harley und Haltung

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Claus Freye, hier noch im alten Büro in Freistatt.

Freistatt - „Schön, dass es einer von uns ist“, habe man ihm gratuliert, als feststand dass Claus Freye als Nachfolger von Luise Turowski das Geschäftsführer-Trio von Bethel im Norden komplettiert. Der 54-jährige, der mit seiner Familie in Groß Lessen wohnt, nimmt am 1. Oktober im Chefsessel Platz. Der steht im frisch gestrichenen Büro in Freistatt.

Freye, Mitglied im Sulinger Stadtrat, will das auch bleiben bis zum Ende der Legislaturperiode (2021): „Man gibt als Geschäftsführer ja nicht seine bürgerlichen Rechte ab. Ich bin ja nicht nur Bethel“, sagt er. Nach seinen Hobbies gefragt, sagte er, er sei vielseitig interessiert, habe neuerdings Yoga für sich entdeckt, sei Jäger, spiele Golf (weil das hier nicht so elitär sei) und seine Harley setze keinen Staub an. Das Wichtigste aber sei die Familie, die komme vor allem anderen.

Wofür steht Claus Freye persönlich?

Ich bin sehr bodenständig, verbunden mit meiner Heimat und die ist hier. Ich engagiere mich für die Menschen in der Region, auch im Privaten, bin Trainer einer Kinderfußballmannschaft. Ich bin gut vernetzt.

Und wofür steht Claus Freye als Chef bei Bethel?

Ich bin ja am 1. Juni 2020 seit 25 Jahren im Unternehmen, immer in Führungspositionen. Dass ich intern und extern über ein gutes Netzwerk verfüge, hat sicherlich eine Rolle für meine Ernennung gespielt. Auch als Bekenntnis von Bethel für die Region. Wir wollen ja nicht stehen bleiben.

Welche Prioritäten hat Freye auf seiner Agenda?

Die Geschäftsführung besteht ja aus drei Personen, alle drei sind verantwortlich. Das Unternehmen bietet eine Vielfalt, aber es verändert sich an vielen Stellen. Etwa, dass wir in den verschiedenen Sozialräumen der Region Unterstützungsangebote platzieren möchten. Das heißt aber nicht, dass wir sie in Freistatt aufgeben: Wir wollen die Menschen da unterstützen, wo sie sind. Ihnen aber auch die Option geben, sich bewusst für Freistatt zu entscheiden.

Uns trifft auch der Fachkräftemangel. Viele Mitarbeiter gehen in den nächsten zehn Jahren in Rente. Wo kriegen wir den Nachwuchs her? Wir müssen uns attraktiv machen für junge Menschen, müssen sehen, dass diejenigen, die sich für einen sozialen Beruf entscheiden diesen bei uns ausüben. Grundsätzlich muss man Perspektiven bieten. Einen Einstieg in die Berufswahl bieten wir über ein Betheljahr.

Das aktive Bemühen müsse auch die Führungskräfte lernen. Es sind andere Führungskompetenzen als früher gefragt: Es gibt nicht den allwissenden Leiter, sondern es wird fachlich auf Augenhöhe gearbeitet.

(Bethel-Pressereferent Ingolf Semper weist an dieser Stelle auf den Wissentransfer hin, den Bethel im Norden praktiziere: Stehe die Pensionierung eines Mitarbeiters auch erst in ein oder zwei Jahren an, werde der Nachfolger schon jetzt eingestellt. Der Wissenstransfer funktioniere so, dass Erfahrung einerseits und neue Ideen andererseits ausgetauscht werden.)

Sie sind, noch, Chef der Eingliederungshilfe: Wie lassen sich Menschen, die außerhalb der Norm sind, in die heutige Gesellschaft eingliedern? Hat sich etwas verändert?

Wir verstehen uns als Begleiter in dem Raum, in dem die Menschen leben. Wir versuchen, Unterstützungsbedarf zu erarbeiten – und dabei die Hand am Puls der Zeit zu haben. Da müssen wir uns fragen: Wie tickt der Sozialraum? Wo fehlen Versorgungsangebote?

Im Blick auf Integration und Inklusion müssen wir konsequent für das Zusammenleben eintreten. Wenn wir Begegnung schaffen, entsteht Verständnis. Wir wollen keine Sonderwelt. Inklusion ist eine Haltung.

Sozialer Wohnungsbau ist ein Wachstumsthema: Er schafft Begegnungen, Vertrauen und Inklusion. Dadurch können Menschen dort leben, wo sie sichtbar sind, mittendrin. Oft gibt es anfangs Riesen-Vorbehalte: Da müssen wir miteinander reden und Informationen austauschen.

Welche Rolle spielt der Standort Freistatt im Konstrukt Bethel im Norden?

Der Standort bleibt. Wir wollen die Wahlmöglichkeit bieten. Wer hierbleiben möchte, kann das. Und manche sind auch nicht in der Lage, für sich zu entscheiden. Da gehts echt um Haltung. Freistatt hat bei vielen, die hierher kommen, eine wichtige Funktion. Hier finden sie Personen vor, die ein ehrliches Interesse an den Menschen haben. Man darf die Hoffnung nicht aufgeben, dass jemand irgendwann wieder eigenständig leben kann. Und: Wir weisen niemanden ab.

Veränderungen gibt es natürlich. Zum Beispiel läuft es ohne Kooperationen, etwa aus der Wirtschaft, nicht.

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