Hans-Joachim Dorny verabschiedet

Eine letzte Andacht

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Die Verabschiedung mit Handschlag gehörte immer dazu.

Kirchdorf - „Es hat mir mehr gebracht, als ich gegeben habe“, sagt Hans-Joachim Dorny. Der Freistätter verabschiedet sich am Donnerstag von seinen Gästen – allesamt Teilnehmer der Andachten, die er seit 2006 regelmäßig im Pflegezentrum „Kirchdorfer Heide“ gehalten hatte.

Demnächst 72 Jahre alt, tritt Dorny kürzer. Die drei Pastoren Michael Herzer (Freistatt), Norbert Preibusch (Varrel/Barenburg) und Wolfgang Gerdes (Kirchdorf) werden sich künftig abwechselnd immer am dritten Donnerstag im Monat zur Andacht im Pflegezentrum „Kirchdorfer Heide“ einfinden. Die Uhrzeit bleibt: 16.15 Uhr.

Glocken läuteten die Viertelstunde ein, es kam vom Band, hatte aber keine weniger intensive Wirkung. Die Senioren empfanden es als Ruf zum Gottesdienst, wie sie ihn einst vielleicht regelmäßig besucht hatten. Vaterunser beten – die Verse sitzen. Das Glaubensbekenntnis, kein Problem.

Dorny wurde 2006 vom damaligen Leiter der Einrichtung, Thomas Butenuth-Grünenbaum, angesprochen, ob er diese Andachten durchführen könne. Konnte er. Dorny ist ab da wöchentlich zu Gast. Wo die Andacht am besten abgehalten werden kann, ohne, dass der Betrieb gestört wird – oder die Andacht – kristallisiert sich schnell heraus. In der oberen Etage ist es der Wohnraum, wo sich alle Teilnehmer versammeln um das Kreuz. im Erdgeschoss ist es jetzt die Abteilung für Demenzkranke, in der Hans-Jochaim Dorny zum Innehalten einlud.

Ein Kreuz, eine Kerze, Blumenschmuck als Kennzeichen der Andachtsmitte im Pflegezentrum. Fotos. S. Wendt

Einrichtungsleiter Wolfgang Klee gab ihm den Tipp, die Menschen mit Handschlag zu begrüßen und zu verabschieden. Dieser kleine Körperkontakt erreiche die Dementen, auch Musik. Und dass eine Umarmung, ein Händedruck eine persönliche Geste sein kann, daran erinnerte Dorny in der letzten Andacht im Obergeschoss. Sprüche, Verse, die den Menschen durchs Leben begleiten: Taufsprüche, der Vers zur Konfirmation, zur Hochzeit und zum Abschied sind sein Thema. Leichte Kritik wird deutlich, als Dorny Trauerkarten mit vorgedrucktem Text erwähnt. Eine Art der Beileidsbekundung, die den Abstand zwischen den Menschen zeige. „Wenn es etwas zu sagen gibt, dann fomuliere ich das selber“, stellt Dorny fest. Und so hat er auch seine Andachten immer selbst konzipiert, Themen gesucht und gefunden, mit eigenen Erlebnissen und Erfahrungen garniert. Die Bibelsuche per Google barg heitere Momente, wie Dorny verrät. „Was nehmen wir mit heute“, fragt Dorny nach der letzten Andacht. Christen sehen sich nie zum letzten Mal. Man werde sich wiedersehen, spätestens in Gottes Herrlichkeit.

Andachten dauern nicht lange, es ist ein gemeinsames Innehalten, gemeinsamer Gesang, gemeinsames Beten und Segnen. Hans-Joachim Dorny wurde am Donnerstag auf eigenen Wunsch ohne großes Tamtam verabschiedet. Einrichtungsleiter Wolfgang Klee sowie die Pastoren Herzer, Preibusch und Gerdes kamen jedoch zusammen, auf einen Kaffee im hauseigenen Café Sammeltasse. Hier wurde 2006 die erste Andacht abgehalten.

sis

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