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Gute Tat für krebskranke Kinder

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Von: Sylvia Wendt

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Levian Thiel aus Wehrbleck ließ seine Haare wachsen für den guten Zweck.
Levian Thiel aus Wehrbleck ließ seine Haare wachsen für den guten Zweck. © privat

Wehrbleck – Levian Thiel ist neun Jahre alt, als er einen Bericht sieht, der ihn nachhaltig beeindruckt: Es geht um Kinder, die an Krebs erkrankt sind und denen als Folge einer Chemotherapie die Haare ausgefallen sind. „Das traurige Schicksal dieser Kinder hat ihn derart berührt, dass Levian beschloss, seine Haare wachsen zu lassen“, berichtet Vater Thorsten Thiel.

Jetzt waren die Haare lang genug – und Mama Anke griff zur Schere.

Für den mittlerweile elfjährigen Levian eine Erleichterung. „Jetzt ist das sehr viel einfacher: Einfach Gel rein und fertig. Außerdem ist es angenehmer, wenn nicht dauernd die Haare am Kopf kleben.“ Etwa, weil es heiß ist im Sommer, weil der Fahrradhelm eng anliegt.

Unangenehm allerdings waren auch manche Kommentare in den zurückliegenden zwei Jahren. Dass sich Jungs die Haare wachsen lassen ist tatsächlich immer noch nicht alltäglich im Jahr 2022.

In seinem Freundeskreis hätten alle Jungs kurze Haare, berichtet Levian. Der junge Wehrblecker sei ständig für ein Mädchen gehalten worden, je länger die Haare wuchsen, desto öfter. Auch die Lehrerinnen und Lehrer an seiner Schule hätten ihn oft genug für ein Mädchen gehalten. Und ihn ermahnt, die Mädchentoilette zu benutzen, nicht die der Jungs...

Im Alltag bindet sich Levian die Haare zum Zopf, verbraucht dabei unterschiedliche Haargummis, denn das Ziel ist, die Haare auf eine Länge von 30 Zentimetern wachsen zu lassen. So lautet die Vorgabe der Organisation, dann ließen sich die Haare perfekt für eine Perücke verarbeiten. Die Familie informiert sich über die Anforderungen ganz genau, um nichts falsch zu machen.

Zwei Jahre hat es gedauert, bis die Haare lang genug waren.
Zwei Jahre hat es gedauert, bis die Haare lang genug waren. © privat

Levians ältere Schwester Lienna gibt Tipps rund um lange Haare, etwa zum richtigen Shampoo. Und eben jene lange Lockenpracht ist auch Gesprächsstoff für die Mädchen aus dem Freundeskreis. „Die fanden das nämlich cool. Sie wollten meine Haare immer gerne offen sehen.“

In seiner Freizeit hütet Levian das Tor der U 12-Kicker der Sportgemeinschaft Varrel/Wehrbleck/Kirchdorf. „Das Mädchen ist echt gut“, habe mancher Trainer einer Gegenmannschaft gesagt. Einerseits ein Kompliment für die sportliche Leistung – völlig genderunabhängig. Andererseits sei das Erstaunen groß gewesen, als Levian aufgeklärt hat, dass da kein Mädchen im Tor steht.

Im Laufe der Zeit hatte sich Levians Ziel im Freundeskreis herumgesprochen und die Kommentare des Umfeldes seien eher ein „Running Gag“ gewesen.

Als Mama Anke am 2. Februar einzelne Büschel, wie vorgeschrieben, zu Zöpfen bindet, um sie einzeln abzuschneiden, war Levian dennoch froh. Ein Sulinger Friseur hat anschließend die neue fesche Kurzhaarfrisur gezaubert.

„Es dauert wesentlich länger im Bad“

Machst Du das nochmal? „Ich weiß es nicht. Erst mal genieße ich die kurzen Haare.“ Es sei doch oft genug lästig gewesen mit den langen Haaren, die nach dem Schwimmen erst trocken geföhnt hätten werden müssen. Grundsätzlich habe es deshalb einfach wesentlich länger gedauert im Bad.

Und Levian muss sich mit kurzem Haar auch erst mal wieder in seinem Umfeld vorstellen: „Jetzt mit der Maske haben mich manche eben nicht sofort wiedererkannt, erst auf den zweiten Blick.“

Selten offen: Levian trug die langen Haare meist als Zopf.
Selten offen: Levian trug die langen Haare meist als Zopf. © Thiel / privat

„Knapp zwei Jahre blieb unser Sohn tapfer und hielt allen blöden Kommentaren zum Trotz durch“, freuen sich die Eltern. Einerseits ist da die Freude über das Durchhaltevermögen des Juniors. Andererseits ist deutlich das Unverständnis über die vielen Kommentare zu spüren. Levians Freunde fanden es eine coole Geschichte, berichtet der Elfjährige. Er hätte noch länger durchgehalten – allein: Die Familie benötigte neue Reisepässe und dafür aktuelle Fotos. Deshalb wurde flugs nachgemessen, und da die vorgeschriebene Länge erreicht war, konnten die langen Haare weichen.

„Es hat sich gelohnt“, sagt Levian – und wendet sich wieder dem Alltag zu. Dazu zähle auch, seinem Lieblingsfußballverein Werder Bremen die Daumen zu drücken, die Stärken und Schwächen der Torwarte aus dem Profisport zu analysieren, sagt der Nachwuchs-Keeper. Nein, ein Vorbild als Torwart gebe es nicht. Wo würde er denn spielen wollen, wenn er Profi werden sollte? „Bei Werder natürlich.“

Haarspenden für Perücken für krebskranke Kinder

„Sie können auch während der Corona-Krise Ihre Haare spenden. Hauptsache, der Zopf wird trocken verschickt, damit die Haare nicht schimmeln“, heißt es zur Haarspende. Über die gibt es viele Informationen auf der Homepage der Deutschen Krebshilfe (https://www.krebshilfe.de/blog/haare-spenden/). Informationen und das Formular zum Versand der Haarspende finden sich unter www.haare-spenden.de.

In den Vorgaben heißt es, der Zopf sollte mindestens 25 Zentimeter lang sein, damit er weiterverarbeitet werden kann. Für eine Haarspende mit einer Länge ab 30 Zentimetern erhalte die Deutsche Krebshilfe eine freiwillige Spende von ihrem Kooperationspartner Rieswick & Partner. Gefärbte Haare könnten ebenso gespendet werden – sie seien allerdings meist nur für die Reparatur älterer Perücken verwendbar. Verwendet werden können zudem nur Zöpfe – keine Haare, die etwa vom Boden aufgehoben wurden und durcheinanderliegen. „Da bei der Herstellung der Perücke oft einige Zentimeter der Haarlänge verloren gehen, ist es hilfreich, wenn die Haarspende möglichst lang ist.“

Von Sylvia Wendt

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