Leistungsdruck in Grund- und Oberschule

Gute Laune gegen Stress: Schulsozialarbeiter geben Tipps

Kirchdorf - Von Sylvia Wendt. Leistungsdruck und Stress in der Schule: Was können Eltern tun? Was unternimmt Schule? Nachgefragt für den Grundschulbereich bei Petra Winkelhoff, Schulsozialarbeiterin an der Grundschule Kirchdorf, und für den Bereich der Oberschule Varrel bei Schulsozialarbeiter Jens Grunert.

Was führt für die Kinder zum Leistungsdruck? Wodurch entsteht der Stress in der Schule?

Petra Winkelhoff: Grundsätzlich gilt, nicht jedes Kind leidet unter Leistungsdruck, eher die wenigsten. Zu hohe Erwartungen an das Kind führen zum Leistungsdruck. Eventuell die Erwartung an das Kind eine möglichst leistungsorientierte Schulform zu besuchen, die aber nicht zum Kind passt. Es entsteht Notendruck. 

Petra Winkelhoff.

Jens Grunert: Leistungsdruck und Stress wird von unserer Gesellschaft vorgegeben. Wir sollen und müssen immer mehr in immer kürzerer Zeit leisten. Diese Entwicklung macht auch vor Schule nicht halt. Angesteckt, sind es vermehrt die Eltern, die etwa mit einer Note „drei“ nicht mehr zufrieden sind. Es wird zu sehr defizitorientiert gedacht, anstatt die individuellen Stärken der Kinder zu sehen und diese gezielt zu fördern. 

Einige Kinder sollen oder müssen auf das Gymnasium, obwohl ihre Leistungen gar nicht dem Leistungsstand entsprechend sind. Damit wird den Kindern im Hinblick auf Leistungsdruck, Stress und der Entwicklung kein Gefallen getan. Kinder müssen ihrem individuellen Lern- und Entwicklungsstand entsprechend gefordert und gefördert werden, egal ob Gymnasium oder Oberschule.

Wie äußert sich das im Verhalten der Kinder?

Petra Winkelhoff: Je nachdem, um welches Kind es sich handelt, kann es sich nach innen kehren oder seinen Frust lautstark eventuell auch handgreiflich äußern. 

Jens Grunert: Kinder zeigen oftmals verändertes Verhalten. Sie ziehen sich zurück, wirken ausgelaugt und demotiviert. Hinzu kommen bei dem einen oder anderen Konzentrationsprobleme. Auch körperliche Probleme gehen mit Schulstress einher. Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit oder Bauchschmerzen können vor dem Schlafengehen oder vor dem zur Schule gehen auftreten

Wie kann man dem in der Schule entgegenwirken? Was wird konkret getan?

Jens Grunert.

Petra Winkelhoff: Es finden Elterngespräche statt. Zwei Mal im Jahr findet ein Elternsprechtag statt. Vor dem Schulwechsel in die fünfte Klasse werden Eltern über den Leistungsstand informiert und von den Klassenlehrern über die geeignete Schulform beraten. Kinder, die dem gängigen Lernstoff nicht folgen können, bekommen andere Ziele, und andere Aufgabenstellungen. Streitigkeiten werden bei uns an der Schule in der Streitschlichtung geklärt.

Jens Grunert: Kommunikation – mit der Schule, den Schulsozialarbeitern und insbesondere mit den Lehrern. Eltern sollten sich nicht nur zwei Mal im Jahr zu den Elternsprechtagen über ihre Kinder informieren, sondern ruhig öfter in Kontakt treten. Schule sollte ein Raum der freien Entfaltung für Schüler bieten und ein Lernklima schaffen, in dem die Kinder ohne Angst lernen, gerne und motiviert zur Schule gehen. 

An der Oberschule Varrel haben wir Klassenräte installiert, in denen Sorgen und Ängste der Schüler offen angesprochen und geklärt werden können. Zu mir als Schulsozialarbeiter können Schüler und Schülerinnen im geschützten und vertrauensvollen Rahmen mit Herausforderungen jeglicher Art kommen. Gemeinsam erarbeiten wir eine individuelle Lösung. Es ist natürlich darüber hinaus jederzeit möglich, mit uns als Schulsozialarbeiter Kontakt aufzunehmen und einen Gesprächstermin zu vereinbaren.

Wie kann man dem Zuhause entgegenwirken? Gibt es da ein oder zwei Tipps, was Eltern konkret tun können?

Petra Winkelhoff: Eltern sollten ihre Kinder in der Eigenständigkeit unterstützen. Sitzen Eltern immer während der Hausaufgaben neben dem Kind, bekommt das Kind das Gefühl, die Hausaufgaben nicht ohne Hilfe erledigen zu können. Es wird dem Kind nicht zugetraut. Kinder sollten möglichst stressfrei in die Schule gehen. 

Sorgen Sie morgens für gute Laune beziehungsweise vermeiden Sie Streit. Loben Sie Ihr Kind für gute Noten und falls es schlechte Noten schreibt, fangen Sie Ihr Kind auf. Ihrem Kind bereitet es sicherlich keine Freude, schlechte Noten mitzubringen. Achten Sie darauf, nicht selbst in eine Art „Problemtrance“ zu fallen, wenn Ihr Kind verzweifelt ist. Wer soll Ihr Kind dann auffangen?

Jens Grunert: Kinder auch mal Kinder sein lassen. Nicht die komplette Woche durchtakten und planen. Den Kindern Raum zur freien Entfaltung und Selbstverwirklichung geben. Ihnen ein stabiles Umfeld mit sozialen Kontakten bieten. Nicht so sehr defizitorientiert auf die Kinder schauen, sondern auch die Stärken der Kinder hervorheben und loben. Für die Kinder sind die Eltern ihre Vorbilder. Also als Elternteil stets mit gutem und positivem Beispiel vorangehen. Viel Bewegung und eine gesunde Ernährung wirken zudem ergänzend.

Rubriklistenbild: © dpa

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