Samtgemeinde Kirchdorf plant Investitionen in Höhe von 1,9 Millionen Euro netto

Gut gerüstet sein – auch für Katastrophen

Das Gelb ist weg: Eine der letzten Maßnahmen im Zuge der Sanierung des Rathauses in Kirchdorf umfasst neue Farbe für die Wände sowie neue Türen, die kundenfreundlicher sind. Kundenfreundlicher, weil durchsichtig und damit „einladender“.Wie berichtet, wurden Schrägaufzüge im Rathaus in Kirchdorf eingebaut, damit ist das Haus barrierefrei. Der Einbau sei gedeckt durch Einnahmen in gleicher Höhe, erklärt Samtgemeindebürgermeister Heinrich Kammacher.
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Das Gelb ist weg: Eine der letzten Maßnahmen im Zuge der Sanierung des Rathauses in Kirchdorf umfasst neue Farbe für die Wände sowie neue Türen, die kundenfreundlicher sind. Kundenfreundlicher, weil durchsichtig und damit „einladender“.Wie berichtet, wurden Schrägaufzüge im Rathaus in Kirchdorf eingebaut, damit ist das Haus barrierefrei. Der Einbau sei gedeckt durch Einnahmen in gleicher Höhe, erklärt Samtgemeindebürgermeister Heinrich Kammacher.

Kirchdorf – Wie es aussieht, wenn eine Samtgemeinde sich als Gemeinschaft versteht, das zeigt sich aktuell in der Samtgemeinde Kirchdorf. Sechs Mitgliedsgemeinden gehören dazu und wenn es einer finanziell nicht gut geht, stellen sich die fünf anderen hin und halten den Rettungsschirm über der Kommune.

Unverschuldet ist die Gemeinde Barenburg, wie berichtet, in eine finanzielle Schieflage geraten. Eine Firma hatte gegen einen Jahre zurückliegenden Steuerbescheid geklagt, das Verfahren wurde 2015 eröffnet und jetzt beendet. Nachzahlen muss die Gemeinde Zins und Zinseszins – und hat dafür nicht die notwendigen finanziellen Rücklagen. Die stecken im millionenteuren, gerade abgeschlossenen Großprojekt „Sanierung der Ortsdurchfahrt“.

Das Zusammenstehen wird aber nicht erst seit Neuestem praktiziert: Seit Jahren wird die Kinderbetreuung durch die Samtgemeinde gestemmt und nicht durch die Kommune, in der die Kita residiert. Nicht einrechnen können in den Haushaltsplan 2022 habe er den erhöhten Betrag für die Kinderbetreuung, dessen Zahlung der Kreistag erst jüngst beschlossen habe – statt bisher 1 .200 Euro nun 1 .500 Euro pro Kind, erklärte Kämmerer Michael Kopecki in der jüngsten Sitzung des Samtgemeinderates, die unter der Leitung von stellvertretendem Ratsvorsitzendem Gero Enders stattfand. Für die Samtgemeinde ergebe sich eine Verbesserung in Höhe von 70. 000 Euro.

Oder schwimmen gehen: Gleich zwei Freibäder gibt es, in Barenburg und Kirchdorf. Bäder sind grundsätzlich ein Zuschussgeschäft und deshalb schultert die Samtgemeinde weiterhin die nicht gedeckten Kosten in Höhe von je 90. 000 Euro. Der Erhalt der Infrastruktur vor Ort, in allen Mitgliedsgemeinden gleiche Lebensbedingungen zu schaffen, das sei ein Baustein in der Daseinsvorsorge für die Bürger, in der Entwicklung des ländlichen Raumes. „Das können wir aber nur durch das ehrenamtliche Engagement der Bürger. Ihnen gilt der Dank, denn sonst müssten wir uns von vielem verabschieden“, erklärte Samtgemeindebürgermeister Heinrich Kammacher.

Laut Kopecki ist für 2022, ebenso wie für die Jahre 2023 bis 2025, mit Fehlbeträgen zu rechnen. „Das deutet auf ein strukturelles Defizit hin. Da müssen wir ein Auge drauf werfen. Wir sind aber bisher gut durch die Pandemie gekommen.“ In der Überschussrücklage wissen die Samtgemeindepolitiker noch gut vier Millionen Euro.

Dass es den Bürgern gut geht, sei an der Steuerkraft zu messen: Im Landesdurchschnitt betrage die pro Einwohner 990 Euro – in der Samtgemeinde liege der Betrag bei 1 .500 Euro pro Einwohner.

Und: Die Samtgemeinde Kirchdorf hortet das Geld nicht, sondern investiert. Auf 1,9 Millionen Euro netto (brutto: fünf Millionen, Zuschüsse werden aus diversen „Töpfen“ erwartet) summieren sich die Aufträge im kommenden Jahr, die, hoffentlich, hauptsächlich an die heimische Wirtschaft gehen. Die Investitionen, die einen sechsstelligen Betrag erreichen, umfassen den Kauf eines Schlauchwagens (200. 000 Euro), den Neubau des Feuerwehrhauses in Varrel (Neuveranschlagung: insgesamt über 700. 000 Euro), die Sanierungsarbeiten an der Turnhalle in Kirchdorf (Neuveranschlagung: 375. 000 Euro), die Erweiterung des Kindergartens Scharringhausen (insgesamt 300. 000 Euro) und die Sanierung der Moorbahn Freistatt (400 .000 Euro).

Wetterkapriolen

Das klingt nach eitel Sonnenschein – mitnichten. Heinrich Kammacher kündigte an, dass sich die Samtgemeinde im kommenden Jahr auch mit Themen ganz anderer Art befassen werde. „Was passiert, wenn bei uns 300 Liter Regen niederprasseln wie im Ahrtal? Was passiert dann mit der Aue? Wie sieht es bei uns unter der Erde aus: In welchem Zustand sind die Kanäle, was können sie leisten? Wir brauchen eine Grundlage, auf der man sich weiterentwickeln kann“, sagte Kammacher.

50. 000 Euro sind eingeplant, um erste Untersuchungen anzuschieben. Diese sollen Grundlage sein für weitere Maßnahmen, die zu treffen seien in Vorbereitung auf Wetterkapriolen und Katastrophen. Kammacher möchte zudem Antworten finden auf die Frage: „Was machen wir, wenn wir eine Woche keinen Strom haben?“

Der Rat der Samtgemeinde Kirchdorf genehmigte den Haushaltsplan 2022 mit einstimmigem Votum.

Neues Wir-Gefühl und alte Traditionen

Der Tagesordnungspunkt „Haushaltsplan 2022“ lies die Fraktionsvorsitzenden zwar individuelle Kommentare finden, doch die Fraktionen im Samtgemeinderat wachsen zusammen: Äußeres Kennzeichen ist die gemeinsame Dienstbesprechung zum Haushaltsplan 2022, die nicht jede für sich absolvierte. Die Fraktionsvorsitzenden fanden deutliche Worte für die bevorstehende Wahlperiode.

Markus Kellermann (SPD) will die Vereinbarkeit von Familie und Beruf über die Kinderbetreuung weiterhin forcieren, aber auch die Senioren und ihre Bedürfnisse nicht aus den Augen verlieren. „Wir wollen Heimat für alle Generationen sein.“ Der Haushaltsplan zeige Außenmaß und Verantwortung. Gerd Kemmann (WGS/FDP) dankte namens der Feuerwehren, insbesondere dafür, „wie Ihr das Thema Impfen angegangen seid.“ Das sei nicht selbstverständlich. Das Wir-Gefühl, die Solidarität in der Samtgemeinde – „das passt schon.“ Da wachse „was zusammen, das hätte man sich vor ein paar Jahren nicht vorstellen können.“ Politik schaffe Rahmenbedingungen, müsse aber auch Tendenzen erkennen. Kemmann mahnte, sich im Umgang miteinander an die allgemein anerkannten Regeln zu halten, als Grundlage des täglichen Miteinanders. „Wann hat es das schon mal gegeben, dass die CDU zuletzt spricht“, scherzten Ratskollegen, als Matthias Stelloh (CDU) als Dritter anhob und erklärte: „Es wird irgendwann mal Zeit, mit Traditionen zu brechen.“ Stelloh lobte die Bürger, die sich ehrenamtlich einbringen: „Ohne sie wären viele Projekte nicht möglich.“ Ein Dank gelte Heinrich Kammacher und der Verwaltung, die immer ein offenes Ohr hätten, Lösungen fänden für die Probleme „und dass, obwohl es immer schwerer wird, ans Ziel zu kommen.“

Von Sylvia Wendt

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