Frühstück für Flüchtlinge und Offizielle

Gespräche bei Tee und Kaffee in Varrel

Frühstück im Sportlerheim genossen Flüchtlinge und Offizielle.

Varrel - Gemeinsam Deutsch lernen, das tun sie montags, mittwochs und donnerstags – von 7.30 bis 12 Uhr. „Die Zeiten sind so gewählt, damit die Teilnehmer aus den unterschiedlichen Wohnorten in der Samtgemeinde Kirchdorf mit den Schulbussen nach Varrel kommen können“, erklärt Lehrerin Manuela Wiese.

Über den Verein Niedersächsischer Bildungsinitiativen wird ihre Stelle finanziert. Zuschüsse fließen aus unterschiedlichen „Töpfen“. Der Unterricht bringt aktuell 24 Teilnehmer aus Syrien, Iran, Irak und Afghanistan zum Lachen und Weinen. Es sei eine tolle Mischung zwischen ernsthaften Themen, besonders die beschwerlich lange Flucht betreffend, und heiteren Momenten, etwa, wenn Manuela Wiese ihrerseits lernt, die arabischen Namen korrekt auszusprechen.

Das Lernen praktischer Vokabeln, die man im täglichen Leben braucht, nehmen die Schüler gerne an, andere lernen erstmals in ihrem Leben Buchstaben zu schreiben. Da sitzt der afghanische Vater von sieben Kindern genauso über seinen Schulbüchern, wie die Kinder.

Althea Preibusch (gerade erst hat sie Varrels Pastor Norbert Preibusch das Ja-Wort gegeben) hat selber vier Kinder und stammt aus Jamaika: Sie kennt die Situation, fremd in einem ganz anderen Land zu sein. Ganz selbstverständlich war für sie, sich im Auffanglager in Twistringen zu engagieren. Viele der Flüchtlinge, die jetzt in der Samtgemeinde wohnen, kennt sie von dort. Die Neupächterin des Sportlerheims des TSV Varrel hatte nun zum gemeinsamen Frühstück eingeladen, neben den Flüchtlingen auch die Betreuer, Verwaltungsvertreter und Bürgermeister. Bei süßem Tee und frischem Kaffee kamen einmal andere Sachen als Brötchen, Butter und Marmelade auf den Tisch – und manches Gespräch in Gang.

Für die Flüchtlinge ist das Leben auf dem Land einerseits schön, weil friedlich. Anderseits würden sie auch die Mobilität vermissen, erklärt Wiese. Mal eben etwas in der Stadt zu erledigen, ist ohne ÖPNV oder eigenes Auto unmöglich. Das monatelange Warten darauf, dass es weitergeht, dass sie einen Bescheid bekommen, eine Einladung zur Registrierung und zum Interview – es zerrt an den Nerven, an die Familie in den Heimatländern so lange keine neuen Nachrichten vermelden zu können. Beispiel Amgad Ahmad: Geografie und Elektroingenieurswesen hat der junge Mann aus Syrien vorher studiert – nichts würde er lieber tun, als sich wieder um seine berufliche Zukunft kümmern. Aber er muss warten, bis sein Status geprüft wurde.

sis

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