Prozess vor Amtsgericht

Jäger tötet Hund: Geldstrafe für zweiten Schuss

Sulingen/Kirchdorf - Von Andreas Wetzel. Die Richter am Amtsgericht Sulingen verurteilten jetzt einen 65-Jährigen aus der Samtgemeinde Kirchdorf zu einer Geldstrafe in Höhe von 60 Tagessätzen zu je 25 Euro. Der Jäger hatte in einem Waldgebiet in der Samtgemeinde zwei Schüsse auf einen Hund abgegeben.

Der erste Schuss traf das Tier an einem Lauf, der zweite verletzte es tödlich. Angegeben hatte der Angeklagte, dass er an dem Novembertag in seinem Jagdgebiet zwei Hunde wahrgenommen habe, die ein Stück Rehwild über eine Lichtung hetzten.

Ein dritter Hund sei zunächst den beiden Artgenossen gefolgt, habe dann aber ein zweites Reh wahrgenommen, das an einem Zaun hängen geblieben war. Der Hund habe abgedreht und sei auf das am Zaun gefangene Tier zugelaufen. Der Jäger habe das als Wilderei gewertet und einen ersten Schuss abgegeben, der keine Wirkung zeigte. Ein zweiter Schuss brachte dann den vermeintlich wildernden Hund zur Strecke.

Das Verschwinden des Hundes hatte 2017 in der Region für Aufsehen gesorgt. Die Besitzerin, die in der Samtgemeinde einen Reiterhof betreibt, war zum Zeitpunkt des Vorfalls mit einer Reitergruppe in dem Waldstück unterwegs. Als sie die Schüsse hörte, rief sie die Hunde zu sich. Nur zwei folgten dem Ruf. Die Suche nach dem dritten Hund blieb auch am Folgetag ohne Erfolg, genauso der Suchaufruf in der Sulinger Kreiszeitung und Befragungen von Nachbarn.

Ermittlungen führen zum Jäger

Der Angeklagte führte aus, das tote Tier im Wald in eine Kuhle gelegt und mit Laub und Geäst abgedeckt zu haben. Erst Tage später nahm er Verbindung zu der Besitzerin des Hundes auf, um ihr den Ablageort zu zeigen; unter der Voraussetzung, den Vorfall nicht zur Anzeige zu bringen. Die Frau willigte ein.

Polizei und Staatsanwaltschaft hatten zwischenzeitlich von sich aus die Ermittlungen aufgenommen, die schließlich zu dem Jäger führten.

In der Verhandlung hatte das Gericht über die Rechtmäßigkeit der Schüsse zu urteilen. Staatsanwaltschaft und Verteidigung nahmen in ihren Plädoyers unterschiedliche Haltungen ein. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft hätte der zweite Schuss nicht mehr gesetzt werden müssen. Er sei als Verstoß gegen das Tierschutzgesetz zu werten, da ein Wirbeltier ohne triftigen Grund getötet wurde. Die Verteidigung sieht den Angeklagten im Recht.

Im Ergebnis schloss sich das Gericht der Argumentation der Staatsanwaltschaft an. Der erste Schuss hätte den Hund von der Wilderei abbringen können. Ob der Angeklagte aus der Samtgemeinde Kirchdorf weiter jagen darf, hat jetzt der Landkreis Diepholz als Aufsichtsbehörde zu entscheiden.

Rubriklistenbild: © dpa

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