Serie Hausgeschichte(n): Neue Erkenntnisse

Varrel: Einige Geheimnisse über die „Villa Wirth“ werden jetzt gelüftet

Vor dem alten Haupteingang war eine Pergola angebracht, umrankt von wildem Wein und zwei sogenannten Pyramideneichen. Die Fenster hatten einen eigentümlichen Glanz, bedingt durch die gewölbten Scheiben.
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Vor dem alten Haupteingang war eine Pergola angebracht, umrankt von wildem Wein und zwei sogenannten Pyramideneichen. Die Fenster hatten einen eigentümlichen Glanz, bedingt durch die gewölbten Scheiben.

Varrel – Ausgelöst durch die „Hausgeschichte“ über „Die geheimnisvolle Villa Wirth“ in der Sulinger Kreiszeitung vom 15. Februar haben die jetzigen Bewohner des Gebäudes in Varrel, Margret und Kurt May, zwischenzeitlich etliche Informationen erhalten. Details, die ihnen bisher nicht bekannt waren, alte Fotodokumente, die sie noch nie gesehen hatten.

Unter anderem meldete sich Elisabeth Kellermann aus Varrel. Die hatte vor einigen Jahrzehnten im Kirchenbüro gearbeitet und erinnerte sich jetzt an Unterlagen: Demnach sei das Haus viel älter als angenommen, sagt die 78-jährige Margret May, deren Großvater Hermann Albrecht das Anwesen 1930 gekauft hatte.

Laut Unterlagen in Kirchenbüchern und handschriftlichen Aufzeichnungen ist das Haus Varrel Nummer 51 im Jahr 1677 errichtet worden. Beibauer Johann Conrad Muhl, gebürtig aus Schmalförden, wird genannt. Seine Witwe Wilhelmine, gebürtig aus Loccum, heiratete in zweiter Ehe den Wunstorfer Kaufmann Stephan Siegmund Memna.

Nächster Besitzer ist Hermann Abbehausen aus Bremen, seine Mutter sei eine Muhl gewesen. Abbehausen heiratet 1803 eine Tochter des Kaufmanns Gröning aus Bassum. Dann wird bereits Hermann Wilhelm Alex Wirth (1815 bis 1894) aus Hoya Eigentümer des Anwesens.

Seine Mutter stammt aus der Familie Gröning. Wirth heiratet 1845 Rosine Sophie Frederike Schwarze aus Jacobidrebber. Das Paar bekommt am 13. September 1848 Tochter Marie Luise Dorothee Isabelle Wirth, die als „Fräulein Wirth“ in Varrel bekannt ist. Rosine Wirth stirbt bereits am 16. April 1849.

Warum Fräulein Wirth ledig blieb

Der Buchhalter der Firma Wirth, Hermann Friedrich Bokelmann, gebürtig aus Jacobidrebber und verstorben 1913 im Alter von 78 Jahren, hatte einige Erinnerungen hinterlassen. Darunter die, dass Fräulein Wirth einst den Pastor der Gemeinde, Pastor Wendebourg, habe heiraten wollen. Allein, ihr Vater sei dagegen gewesen und deshalb sei das Fräulein Wirth ledig geblieben.

Als Begleiterinnen seien die vornehmen Fräuleins, Fräulein Oldenburg und Fräulein Lienhop, an ihrer Seite gewesen.

Eine weitere Erinnerung von Hermann Bokelmann: Alle Mägde und Knechte hätten stets ein Weihnachtsgeschenk von Fräulein Wirth erhalten.

Die „Villa Wirth“ ist älter, als man gedacht hatte, entstand möglicherweise schon 1677.

Auch Fritz Kellermann, Schwiegervater von Elisabeth Kellermann und 1905 geboren, hatte Erinnerungen geteilt: Hermann Wilhelm Alex Wirth sei ein tüchtiger Kaufmann gewesen. Sein Geld habe er verdient mit „allem, was man verkaufen kann“, wie Felle, Seidenstoffe, Kleidung und Lebensmittel. In Gelddingen habe er mit Schweizer Banken zusammengearbeitet.

Fräulein Wirth habe einen oder zwei Neffen in Bremen gehabt, darunter einen Mediziner. Dessen Familie erbte das Anwesen nach dem Tod von Marie Wirth im Jahr 1922.

Eine andere Episode verbindet die Familien Kellermann und Wirth: Fritzens Schwester Mariechen, 1909 geboren, erkrankte schwer. Fräulein Wirth hörte davon, besuchte die Eltern, Fritz und Marie, führte lange Gespräche mit ihnen.

Mariechen wurde daraufhin abgeholt und lange in einer Bremer Klinik behandelt. Man habe sich erzählt, dass das Mädchen ein böses Geschwür am Rücken gehabt habe.

Das kranke Mariechen wird gesund

Die Familie Kellermann sei in Sorge ob der Gesundheit des Mädchens gewesen – aber auch wegen der hohen Kosten. Jedoch habe Fräulein Wirth die Eltern stets beruhigt und Mariechen, als sie endlich wieder Zuhause in Varrel war, besucht. Die Kosten der Behandlung trug Fräulein Wirth. Mariechen wurde wieder vollkommen gesund, sie ist im Jahr 1987 im Alter von 78 Jahren verstorben.

Eine andere Wohltat, für die Marie Wirth sehr bekannt war: Sie hatte eine Köchin, die viele Mädchen aus dem Dorf in Hauswirtschaft und Kochen schulte.

War Fritzens Mutter erkrankt, nahm er einen Essenstopf mit: Sein Weg in die Schule führte an der Villa vorbei, hier deponierte er, wie manch anderer auch, den Topf und nach Schulschluss wartete eine Portion Essen auf ihn.

Fräulein Wirth war eine gute und wohltätige Frau“ ist als Einschätzung von Fritz Kellermann überliefert.

Serie Hausgeschichte(n)

Private Häuser im südlichen Landkreis Diepholz: Deren Geschichte und auch Geschichten von Bewohnern stellen wir in der Serie „Hausgeschichte(n)“ vor. Besitzen oder bewohnen Sie ein Gebäude, das etwa 100 Jahre alt ist und über das oder aus dem es Interessantes zu erzählen gibt? Dann lassen Sie es Teil der Serie werden. Schreiben Sie eine E-Mail mit dem Betreff Hausgeschichte(n) an redaktion.diepholz@kreiszeitung.de beziehungsweise redaktion.sulingen@kreiszeitung.de und beschreiben Sie darin kurz und stichwortartig die Besonderheiten des Gebäudes. Bitte Anschrift und Telefonnummer nicht vergessen. Nach Prüfung und Absprache verfassen wir dann einen Bericht mit Fotos. Kosten entstehen Ihnen dadurch selbstverständlich nicht.

Von Sylvia Wendt

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