Frida und die Mädchenklasse

Interview: Natalie Gerlach über ein besonderes Kunstprojekt

Natalie Gerlach mit zwei der Werke aus der Ausstellung.

Freistatt/Sulingen - Von Sylvia Wendt. Mit einer Ausstellung (Eröffnung: Mittwoch, 23. Januar, 10 Uhr, im „Taff“ in Sulingen) präsentiert sich die Mädchenklasse der Janusz-Korczak-Schule aus Freistatt erstmals einer breiten Öffentlichkeit.

Acryl auf Leinwand, Masken, Hände und Füße aus Gips, Skulpturen: Die 29 Mädchen der Klassenstufen fünf bis zehn haben ihrer Kreativität freien Lauf gelassen, haben Leben und Werk der mexikanischen Malerin Frida Kahlo (1907 bis 1954) auf sich wirken lassen. Natalie Gerlach, Koordinatorin der Mädchenklasse, erklärt das Projekt.

Wer gehört zur Mädchenklasse der Janusz-Korczak-Schule?

Das sind derzeit 29 Mädchen der Klassenstufen fünf bis zehn, aus dem Landkreis Diepholz. Sie kommen täglich zum Unterricht nach Heimstatt.

Wie wird unterrichtet?

Es findet ein regulärer Schulunterricht statt, Kunst steht da auch auf dem Stundenplan. Wir haben in Heimstatt aber eine andere Struktur, die Art der Vermittlung ist anders. Es geht eher familiär zu. Unter den Schülerinnen sind viele Schulverweigerinnen, manche Mädchen sind traumatisiert. Das Team besteht ausschließlich aus Frauen. Der Standort trägt wesentlich zur Arbeit bei.

Die Abgeschiedenheit? Die Tatsache, dass es sich um eine reine Mädchenklasse handelt?

Genau. Beides. Die Mädchen begrüßen das, können ganz anders arbeiten und reagieren viel freier.

Welche Bedeutung hat dieses Kunstprojekt für die Mädchen?

Sie können Emotionen darstellen, sie zu Papier bringen. Dinge ausdrücken, die sonst unausgesprochen sind. Kunst ist ein Medium, das den Mädchen sehr liegt. Viele zeichnen und malen auch in den Pausen.

Wie haben sich die Mädchen auf dieses Projekt vorbereitet?

Kunst ist ja ein Fach im Rahmen des regulären Unterrichts an der Janusz-Korczak-Schule. Im Rahmen des Projektes haben wir uns den Film über die Malerin Frida Kahlo angeschaut. Die Mädchen haben sich intensiv über die Malerin, ihr Leben und ihre Kunst informiert - und sie für sich selbst interpretiert.

Was heißt das? Was ist dabei herausgekommen?

Das Projekt dauerte vier Wochen. Es sind nicht nur Gemälde entstanden, Acryl auf Leinwand, auch Linoldrucke. Tuschezeichnungen und sogar zwei Skulpturen. Wir haben Gipsmasken erstellt, Hände und Füße, und die Mädchen haben sie im Stile Frida Kahlos verziert. Die Künstlerin hat die Mädchen sehr fasziniert. Sie haben Frida Kahlo als Spiegelfläche empfunden: Eine Frau, die trotz aller Schicksalsschläge immer wieder aufgestanden ist, die stark war.

Aufgrund des unterschiedlichen Vorwissens über Kunst und Kunsttechniken haben die Mädchen auch unterschiedlichen Zugang zum Thema gefunden und daher Kahlos Kunst unterschiedlich interpretiert.

Wer hat eigentlich entschieden, die Ausstellung für die Öffentlichkeit zu präsentieren?

Die Schülerinnen und die Lehrer gemeinsam. Diese öffentliche Präsentation hat die Arbeitsmoral noch mal angehoben, weil alle ihre Kunstwerke perfekt haben wollten.

Was ist für die Eröffnung am 23. Januar geplant?

Die Mädchen und ihre Familien sind vor Ort. Manche sind allerdings zu schüchtern und wollen diese Öffentlichkeit nicht. Die jüngeren Schülerinnen stellen Frida Kahlo, ihr Leben und Werk vor. Sie haben dazu eigene kleine Texte vorbereitet. Außerdem wird ein kleines Musikstück aufgeführt.

Gibt es ein Nachfolgeprojekt?

Ja. Es wird ein weiteres Projekt geben, vielleicht in Richtung analoger Fotografie. Genau steht das noch nicht fest.

Über die Schule und die Ausstellung 

Die Ausstellung wird eröffnet am Mittwoch, 23. Januar, um 10 Uhr im sozialpsychiatrischen Tageszentrum „TAFF“ (Tagestrukturierende Angebote, Arbeit, Förderung und Freizeit) in Sulingen, Nienburger Straße 9 c. Sie ist bis zum 20. Februar werktags von 8 bis 16 Uhr zu sehen. Die Mädchenklasse gehört zum Schulverbund Freistatt im Unternehmensverbund Bethel im Norden. Die Janusz-Korczak-Förderschulen in Freistatt, Wagenfeld, Vechta, Lohne, Verden, Achim und Ahlhorn begleiten nach eigenen Angaben rund 400 Schülerinnen und Schüler in den sonderpädagogischen Schwerpunkten soziale und emotionale Entwicklung, Lernen und geistige Entwicklung (nur in Freistatt).

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