Freistatt: Wechsel in der Bereichsleitung des Schulverbundes

Frank Simon folgt auf Heiner Thiemann

Frank Simon vor der Verwaltung des Schulverbundes von Bethel im Norden in Freistatt.
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Frank Simon vor der Verwaltung des Schulverbundes von Bethel im Norden in Freistatt.

Freistatt – Anderthalb Jahre Pandemie wirken nach, auch im Bereich Schule und besonders im Bereich des Förderschulsystems. Denn: „Kinder, die auffallen konnten, fielen nicht auf“, sagt Frank Simon. Der 49-Jährige, bisher Leiter des Modellprojektes „Förderschulinternat“ von Bethel im Norden, folgt als Bereichsleiter des Schulverbundes auf Heiner Thiemann.

Frank Simon sieht sich massiven Anfragen gegenüber. Manche Fälle seien von der Komplexität so hoch, dass das Team entsprechend gefordert sei, individuelle Settings zu überlegen, wie diesen Kindern, die in einer Regelschule keinerlei Chance hätten, begegnet werden könne. Der Schulverbund von Bethel im Norden ist unter der langjährigen Leitung von Heiner Thiemann zu einer ganz besonderen und in ihrer Form einzigartigen Institution gewachsen. „Als Förderschule mit dem Schwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung bieten wir an verschiedenen Schulstandorten in den Landkreisen Diepholz, Vechta, Verden und Oldenburg sehr individuelle und passgenaue Lösungen für unsere Schülerinnen und Schüler an“, heißt es über den Schulverbund.

Diese sehr individuelle und passgenaue Lösung zu finden ist ein Weg, auf dem Frank Simon nun vorangeht. Dabei guckt Simon, wie vor ihm Thiemann, auch abseits der routinierten, der „üblichen“ Wege. Zur Lösungsfindung gehöre, unterschiedliche Professionen an einen Tisch zu holen, Professionen zusammenzuführen, um so alle möglichen Felder zu bedenken und multiple Angebote entwickeln. „Ziel ist, für jeden etwas zu konstruieren.“ Frank Simon ist ehrlich genug, einzugestehen: „Zur Professionalität gehört auch, Grenzen benennen zu können.“

Bethel im Norden hat über die Jahre unter Heiner Thiemann diese Grenzen immer wieder verschoben, neu definiert – und Lösungen gefunden auch in jenen Fällen, wo andere abgewunken hatten.

Als Beispiel könnte das „Modellprojekt Förderschulinternat“ dienen, das 2015 mit acht Plätzen in Freistatt gestartet war, schnell Erfolge zeigte und mittlerweile acht weitere Plätze in Freistatt bietet sowie acht in Vechta.

Sind weitere geplant? Simon schüttelt den Kopf: „Die Frage ist: Wie können wir uns aufstellen? Wir haben einen anderen Personalschlüssel.“ Soll heißen: Die Zahl der Mitarbeiter ist hoch. Der Bedarf ist hoch. Aber: „Förderschullehrer sind rar gesät.“ Für Frank Simon und Bethel im Norden sei die Weiterqualifikation der Kollegen ein stetes Thema. Simon möchte ihre Leidenschaft für die Arbeit mit den Kindern entwickeln – und behalten. Auch bei den jungen Kolleginnen und Kollegen. Auch angesichts schwieriger Fälle.

Denn grundsätzlich versteht sich der Schulverbund als Durchgangsschule: Kinder und Jugendliche aufzufangen, sie wieder zurückzuführen in das Regelschulsystem. Man wachse als Team, sagt Frank Simon. Und hat dabei im Blick, dass sich die Mitarbeitenden, die viel Zeit investierten, nicht überbelasten.

Die Anforderungen seien durchaus herausfordernd. Bethel im Norden am Standort Freistatt biete im Schulverbund eine Vielzahl an Optionen und Bereichen, die allesamt vor Ort vernetzt sind und damit kurze Wege bieten. Neben dem schulischen Alltag, in dem nach den gleichen Vorgaben wie an der Regelschule unterrichtet werde, könnten die Mitarbeitenden auf eine Vielzahl von pädagogischen Mitteln zurückgreifen, die so ein großer Träger wie Bethel im Norden biete, erklärt Frank Simon und nennt Hochseilgarten und Kanus, die für den Bereich der Erlebnispädagogik eine wichtige Rolle spielten, ebenso die Reittherapie und die eigene Turnhalle oder die Holz- oder Metallwerkstatt der zum Verbund gehörenden Berufsschule: „Das sind wichtige Grundpfeiler der Arbeit, um den sehr unterschiedlichen Anfragen individuell gerecht zu werden.“

„Unsere Stärke ist die Synergie“

Das gilt für Kinder und für Lehrer gleichermaßen: „Unser Stärke ist die Synergie“, betont Frank Simon. Die unterschiedlichen Professionen werden nicht getrennt betrachtet – im Gegenteil. Auf dem Weg, eine jener individuellen Lösungen zu finden, seien auch Versuche wichtig. Wenn Maßnahmen nicht funktionieren, seien Mitarbeitende zu begleiten, aufzufangen. Es gebe eben keine „universelle Machbarkeit“.

Im Zusammenführen der Professionen werde Wert gelegt auf die Kooperation, darunter auch, natürlich, der wissenschaftliche Ansatz, etwas zu versuchen, Kreativität zu entwickeln. Das reizt Frank Simon an der Aufgabe: „Ich habe Spaß daran. Es ist eine Aufgabe mit großen Schuhen, die Heiner Thiemann hinterlässt. Aber eine mit enormem Potenzial. Darunter auch das Arbeiten mit unkonventionellen Lösungen.“ Was Thiemann schon als Markenzeichen für den Freistätter Schulverbund etabliert hat. Das multiprofessionelle Team sei weit über das normale Maß engagiert und erreichbar.

Frank Simon ist dankbar für deren Engagement, sich einzulassen. Und verweist darauf, dass Demut gefragt sei, es gelte, sich den Dingen mit Bescheidenheit zu nähern; trotz aller Expertisen und allem Fachwissen, über das verfügt werde, zu fragen: „Was gibt es an neuen Wegen?“ Denn Simon ist sich sicher: „Es wird neue Herausforderungen geben.“

Auch bedingt durch Corona. Diese Zeit habe bei ganz vielen Traumata hinterlassen. „Wir sehen das noch nicht, aber da wird noch viel auf uns zukommen. Bis hin zur Situation, in der wir uns fragen werden: Wen nimmst du als ersten?“ In aktuellen Anfragen der Ämter, die täglich aus dem gesamten Bundesgebiet eintreffen in Freistatt seien auch Fälle mit sehr jungen Kindern, mit hochgradigen Erkrankungen.

Simon befürchtet einen Anstieg des Bedarfs an stationären Jugendhilfeplätzen, Fälle, in denen Kinder nicht in der Familie bleiben können, während ihnen geholfen wird, wenn ihnen geholfen werden soll. Deshalb sei wichtig, die Arbeit zu professionalisieren, auch in Kooperation mit Hochschulen.

Ansprechpartner

Schulleiter an den verschiedenen Standorten sind Nils Mosel (Freistatt mit Standorten Wagenfeld und Weyhe), Dag Rieken (Vechta / Lohne, Nachfolger von Klaus Waldhelm), Adrian Hoppe (Oldenburg / Ahlhorn) und Gabi Feder (Verden / Achim-Baden). „Wer das einzigartige Konzept dieser Förderschulen kennenlernen möchte oder auch Interesse hat, dort als Lehrer oder Sozialpädagoge zu arbeiten, kann sich gerne jederzeit mit Frank Simon in Verbindung setzen“, lautet die Einladung an Interessierte.

Von Sylvia Wendt

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