Flurbereinigung in Wehrbleck nach 15 Jahren erfolgreich abgeschlossen

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Der Abschluss der Flurbereinigung Wehrbleck ist, im Wortsinn, jetzt in Stein gemeißelt.

Wehrbleck - 15 Jahre hat die Flurbereinigung Wehrbleck gedauert, 15 Jahre voller Gespräche, Treffen, Arbeitseinsätzen, Wegebau und ökologischer Umgestaltung. Viele Wegbereiter indes – sie sind in der Zwischenzeit, leider, verstorben. Die Abschlussveranstaltung bot Gelegenheit für ein Erinnern an jene, die das Projekt als Chance, als Investition in die Zukunft der Gemeinde erkannt haben.

Im Restaurant „Witten Deel“ auf dem Hof Witte in Nordholz wird an Siegfried Witte gedacht, der als Bürgermeister der Gemeinde Wehrbleck entscheidende Impulse gab – und fast taggenau vor 15 Jahren verstarb.

Sohn Volker trat in seine Fußstapfen und wurde Vorsitzender der Teilnehmergemeinschaft. Ebenfalls verstorben: Wittes Stellvertreter, Ratsherr Rolf Kleffmann, auch er ein ständiger Motor des Verfahrens.

Die Idee, kleine Parzellen zusammenzuführen, Flächen zu tauschen, hier Wege zu erneuern und andere zu rekultivieren kam an: Die anfänglich 19 Gegenstimmen waren schnell verstummt. Tatsächlich sei die Flurbereinigung Wehrbleck eine einfache gewesen, bilanziert Volker Witte lapidar, andernorts gäbe es wohl ein paar mehr Querköppe. Durch den Flächentausch im Rahmen des Verfahrens soll erreicht werden, dass landwirtschaftlich nutzbare Flächen optimaler zu bewirtschaften sind, zum Beispiel durch Zusammenlegung. Freiwerdende Flächen können anders genutzt werden, etwa für die Infrastruktur, Wohnbebauung oder Gewerbeansiedlung einer Gemeinde. Oder aber renaturiert werden, als Naherholungsziel. Alles gelungen in Wehrbleck.

Bestätigt auch Rolf Grobler von der Niedersächsischen Landgesellschaft. Seine Richtwertzahlen für den Bodenmarkt zeigen, dass Flächen nachgefragt sind. Das umfangreiche Flächenangebot, das in die Flurbereinigung eingebracht worden sei, habe man selten. Grobler mahnte indes auch an, dass Steuerungsmaßnahmen notwendig seien, um den Flächenanspruch im ländlichen Raum verantwortungsvoll weiterzuentwickeln.

Die Arbeit von 15 Jahren fasste Heinrich Dammeier, Projektleiter beim Amt für regionale Landesentwicklung Leine-Weser in der Geschäftsstelle Sulingen, zusammen. Es ging, ab der ersten Baumaßnahme im Jahr 2002, um eine Flächengröße von 2962 Hektar und Gespräche mit 359 beteiligten Grundstückseigentümern. 6,5 Kilometer Wege wurden renaturiert, unverzichtbare Wege auf einer Länge von 28 Kilometern ausgebaut, davon 2,7 als Betonspurbahn – laut Dammeier im Ergebnis mit deutlichen Zeit- und Kostenvorteilen für die landwirtschaftlichen Betriebe, die man so stärken konnte.

Sieben Kilometer Wege wurden rekultiviert, 21 Aufmündungen gebaut. Feldgehölze und Biotope auf 10,8 Hektar Fläche sind entstanden, Gewässerrandstreifen auf 16 Kilometern kultiviert, Feldhecken und Baumreihen auf 3,7 Kilometern angelegt – insgesamt 2,4 Millionen Euro stecken im Wegebau, 610000 Euro in ökologischen Maßnahmen, weitere Gestaltungsprojekte inklusive Grunderwerb summieren sich auf 580000 Euro.

Die Gemeinde alleine kann solche Summe nicht stemmen, Mittel von Bund. Land und EU summieren sich auf 2,74 Millionen Euro 860000 Euro betragen Eigenleistungen und Leistungen Dritter.

Die Leistungsfähigkeit als Gemeinschaft bestärkte Samtgemeindebürgermeister Heinrich Kammacher, zumal Veränderungen weiterhin ins Haus stünden. Angesichts der 50 Tonner auf den Straßen im ländlichen Raum sei für diesen Bereich der Straßenbau ein wichtiger Faktor. Nicht nur als Strukturverbesserung für die Landwirte, sondern für alle Bürger.

Bürgermeister Heinrich Schwenker erinnerte an die Wegbereiter – und sprach auch Rolf Wiegmann ein großes Lob aus. Der hatte den Platz für den Gedenkstein bereitet und wird ihn auch künftig pflegen.

Dass auch in Zukunft Gelder für Flurbereinigungsverfahren fließen, diese Zusage gab Karin Beckmann, Landesbeauftragte für die Region Leine-Weser im Amt für regionale Landesentwicklung (ArL), vor der großen Schar der Teilnehmer an der Abschlussveranstaltung, unter ihnen Klaus Rinne (ehemaliger AfA-Leiter), der Gemeinderat, Heinrich Meyer zu Vilsendorf von der Landwirtschaftskammer, Landtagsabgeordneter Karsten Heineking, die Dezenatsleiter in der ArL-Geschäftsstelle Sulingen sowie die Mitarbeiter im Verband der Teilnehmergemeinschaften – sie erledigen den umfangreichen Schriftverkehr inklusive der Anträge. Auch ehemalige beteiligte Mitarbeiter der Ämter waren geladen.

Mit der Übergabe der Urkunde von Karin Beckmann an Volker Witte für den erfolgreichen Abschluss der Flurbereinigung war der weg frei – ans Brunch-Buffet, das das Team um Christian Detert auf Wittens Deel servierte.

sis

Kommentar:

Von Sylvia Wendt

Beeindruckende Zahlen stehen am Ende der 15 Jahre währenden Flurbereinigung Wehrbleck. Fast geräuschlos, im Sinne ohne großen Ärger und öffentlichkeitswirksame Querelen, ging das Verfahren vonstatten. Die Beteiligten können sich als Wegbereiter für eine zukunftsfähige Gemeinde feiern lassen.

Ihre Ergebnisse dürften gerne alle übergeordneten Ämter und politischen Gremien zur Kenntnis nehmen. Derer gibt es viele, und jedes versucht, sich ein Stückchen vom Grundbesitzkuchen zu sichern. Fast immer wird der Naturschutz als Totschlagsargument gegen alle anderen Nutzungsmöglichkeiten ins Feld geführt.

Das führt jedoch nicht zum eigentlichen Ziel: Der nachhaltigen Nutzung des wertvollen Bodens. Dazu gehört nämlich, dass ihn Landwirtschaft, Gewerbe und nicht zuletzt der private Bürger ebenfalls nutzen können muss.

Lebensräume für Natur und Mensch ins Gleichgewicht zu bringen, ist die Herkulesaufgabe.

So darf die Kunde der ökologischen Anstrengungen, der Millionen Euro teure Naturschutz über die Flurbereinigung, gerne von einem Amt ans andere weitergegeben werden.

Dann kann man diese Bereiche nämlich bei anderen Berechnungen, zum Beispiel beim Regionalen Raumordnungsprogramm, berücksichtigen – und nicht einfach immer mehr Schutzflächen einfordern. Fläche ist begrenzt und kein Fass ohne Boden.

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