Bedenken, Wünsche auch

Kirchdorf: Auf in die Flurbereinigung

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Gut gefüllt war der Saal im Gasthaus Koopmann mit Bürgern, die Informationen haben wollten zur Flurbereinigung Kirchdorf.

Kirchdorf - Von Sylvia Wendt. Wenn keiner laut Nein ruft, ist das ein stilles Ja. Damit wurden am Mittwoch Olaf Stührmann und Joachim Delekat vom Amt für regionale Landesentwicklung (ArL) Leine-Weser, Geschäftsstelle Sulingen, ins Rennen geschickt.

Ziel: Millionen sichern an Zuschüssen für fünf Flurbereinigungsverfahren, die für den Zuständigkeitsbereich der ArL-Geschäftsstelle Sulingen geplant sind. Eines davon ist die für die Gemeinde Kirchdorf (wir berichteten).

In der Bürgerversammlung am Mittwochabend gab es weder Beifallsstürme noch Buhrufe, wohl aber wurden Bedenken geäußert. Kennzeichen, dass sich die Bürger mit der Thematik beschäftigen. Und es ist nach ausführlicher Information durch Dezernatsleiter Stührmann und Projektleiter Joachim Delekat, einführenden Worten von Bürgermeister Holger Könemann und ersten Einwänden Ludolf Becker, dessen Äußerung das kennzeichnet, was die Entscheidungsfindung letztlich prägt.

Arbeitsgruppe legt Inhalte fest

Becker ist Leiter des Arbeitskreises, der in den zurückliegenden anderthalb Jahren und in sechs Sitzungen mögliche Inhalte der Flurbereinigung Kirchdorf festgelegt hat. Becker kennt die Felder, ihre Pächter und die Verpächter. Zig Geschichten von der Flurbereinigung der 1960-er Jahre – und war anfangs kein Freund eines neuen Verfahrens, sagte er.

Im Laufe der Sitzungen jedoch müssen ihn die Argumente überzeugt haben. Am Mittwoch bestätigt er, dass allein das Projekt, die Brücke über die Große Aue im Bereich Loge zu sanieren ein großer Pluspunkt sei. Immerhin: 975.000 Euro kostet das, 75 Prozent durch Zuschüsse gedeckt, 25 Prozent blieben noch für die Gemeinde zu zahlen. Insgesamt sei die Flurbereinigung „eine einmalige Chance, soviel Geld ins Dorf zu holen. Ich denke, das ist richtig und wir sollten das so machen.“

Kein Landbesitzer verschlechtert sich

Stührmann und Delekat haben da bereits wiederholt versichert, dass sich kein Landbesitzer, der Flächen tauscht, verschlechtern werde. Skeptisches Grummeln ist jedes Mal zu hören, klare Ablehnung aber nicht. Joachim Delekat ficht das nicht an, er kennt das. Der Projektleiter entgegnet ruhig: „Ich kenne das, alle tauschen gute Flächen – und kriegen dafür schlechte.“ Dass alle Flächen in ihrer Qualität bewertet und entsprechend getauscht oder geldlich entschädigt werden – hrrmmmmpf lauten die Kommentare.

Die Karte zeigt, rot umrandet, den geplanten Bereich der Flurbereinigung für die Gemeinde Kirchdorf.

Für die Flurbereinigung Kirchdorf ist ein Kostenrahmen in Höhe von 3,9 Millionen Euro errechnet worden (2,4 Millionen Euro Zuschüsse), auf die Teilnehmer entfallen würden 150 000 Euro – weil die Gemeinde diesen Anteil deckelt. Maximal 200 Euro Hektar sind zu zahlen. Die betroffene Fläche umfasst gut 1600 Hektar und befindet sich hauptsächlich nördlich der Gemeinde, wird dort begrenzt durch die Große Aue. Hauptprojekt (Stührmann: „Hauptanlass“) ist die Ortsentlastungsstraße, die die Bundesstraße 61 und die Landesstraße nach Voigtei verbindet. Sie soll den landwirtschaftlichen Verkehr und auch die Lkw aus der Ortschaft fern halten.

Und hier liegt der Grund für manche Bemerkung: Warum nicht gleich eine breitere Straße bauen? Das würde den Begegnungsverkehr zwischen 40-Tonnern wesentlich entschärfen. Das geht eben nicht. Denn: Eine Ortsumgehung für Kirchdorf sei nicht realistisch – würde allein etwa zehn Millionen Euro kosten. Andere Förderungsoptionen gibt es nicht, erklärten Bürgermeister und ArL-Vertreter unisono. 

Im Rahmen der Flurbereinigung werde der neue Wirtschaftweg in einer Breite von 3,50 Meter gefördert. Die Gemeinde übernimmt die Kosten für einen zusätzlichen Meter, plus jeweils 50 Zentimeter befestigter Seitenraum. Die Trasse habe eine Gesamtbreite von 16 Metern in „relativ geschmeidiger Linienführung“. Stührmann ist deutlich: „Ihre Wege sind alt. Und nicht ausgerichtet auf eine Belastung durch 40-Tonner.“

Loge-Brücke hat Obergrenze

Die Loge-Brücke über die Große Aue hat eine Begrenzung auf zwölf Tonnen. Stührmann sagt aber auch: „Wir müssen schnell sein.“ Es gibt elf ArL-Geschäftsstellen, sie alle wollen Projekte ans Ministerium melden. Vorteil Kirchdorf: Man stehe man bereits in den Startlöchern für den Kampf um die Fördergelder.

Die Teilnehmer der Versammlung am Mittwochabend folgten der Argumentation des Dezernatsleiters – der darauf hinwies, dass die Ausgangslage in einem Jahr nicht so gut sei. Und erklärte, dass alle Kalkulationen, alle bisherigen Zahlen, vorgelegt durch die Behörde, verlässlich gewesen seien. „Wir haben hier keinen Berliner Flughafen oder einen Stuttgarter Bahnhof.“

Würde die Zusage in 2018 erfolgen, würde die Flurbereinigung ab 2019 durchgeführt: Flächen tauschen, Kompensationszahlungen vereinbaren, nicht benötigte Gräben zuschütten, Hindernisse aus dem Weg räumen, Wegebau, Naturschutz durch Ausgleichsmaßnahmen...

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