Besuch einer Übung

Wie Feuerwehr und Rettungsdienst Unfallopfern helfen

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Ein Patienten-Schutzhelm (links) schützt die Unfallopfer vor weiteren Verletzungen, wenn sie nach einem Unfall aus einem demolierten Wagen geborgen werden müssen.

Wehrbleck - Von Anke Seidel. Es ist ein Schreckens-Szenario: Ein Auto ist gegen einen Bus geprallt, die Karosserie völlig demoliert. Aus dem Wrack stieren ausdruckslose Augen. In diesem Fall gehören sie Puppen, die genau das simulieren, was Feuerwehr- und Rettungskräfte viel zu oft erleben. Immer wieder müssen sie einklemmte Unfallopfer aus verunglückten Fahrzeugen bergen – und deren Leben retten. Damit das so optimal wie möglich geschieht, proben Feuerwehr- und Rettungskräfte regelmäßig gemeinsam den Ernstfall.

Regen schüttet wie aus Kübeln – widriges Wetter, für das die Helfer keinen Blick haben. Sie konzentrieren sich auf die drei Unfallszenarien, die Kreisfeuerwehr-Ausbildungsleiter Klaus Krebs vorbereitet hat, gemeinsam mit dem Rettungswachenleiter Dirk Seifert. Gestellte Wirklichkeit, die das Technische Hilfswerk (THW) Bassum für die Übenden in Szene gesetzt hat. Die Autos hat ein Altmetallhändler aus Sulingen gespendet.

„Verkehrsunfall – eingeklemmte Person“, tönt die Alarmierung blechern aus dem Funkgerät. „Die Meldung haben wir sicher einmal die Woche“, sagt Dirk Seifert über den realen Alltag. „An der Unfallstelle müssen wir eine Sprache sprechen“, betont Klaus Krebs, „auch wenn wir unterschiedliche Organisationen sind und unterschiedlich arbeiten“. Deshalb holt der Kreisausbildungsleiter zweimal im Jahr Führungskräfte aus den Feuerwehren zusammen. Was sie an diesem gemeinsamen Übungstag mit den Rettungsdienstkräften erarbeiten, geben sie als Mulitplikatoren an ihre Mannschaft weiter. 18 Teilnehmer sind diesmal insgesamt dabei.

Keine Sekunde bleiben die Unfallopfer allein: Ein Rettungssanitäter ist an ihrer Seite, wenn die Feuerwehr Menschen mit schwerem Gerät aus einem Autowrack schneiden muss. In diesem Fall ist die Szene realitätsgetreu gestellt, die Opfer aber sind Puppen.

Durch eine zerstörte Autoscheibe kriecht eine Rettungssanitäterin zu den Opfern des simulierten Busunfalls vor. Im Einsatz gilt die „Standard Operating Procedure“, kurz SOP. Es sind genau festgelegte Regeln, nach denen die Rettungskräfte die Verletzten im Auto versorgen. Sie überprüfen die Vitalfunktionen und führen den „Body-Check“ durch, um den Schweregrad der Verletzungen einschätzen zu können. Sie geben Sauerstoff und legen Infusionen an, bei Bedarf mit Schmerzmitteln. Den Kontakt zum Verletzten hält – bis ins Krankenhaus – ein und dieselbe Kraft. 

Wirbelsäulen-Verletzung verkompliziert die Situation ungemein

Ist mutmaßlich die Wirbelsäule des Unfallopfers verletzt, muss die Feuerwehr eine spezielle, schonende Bergung vornehmen. Aber wo müssen die Einsatzkräfte ansetzen? Welchen Weg können sie nehmen? Und vor allem: Müssen dabei technische Besonderheiten des Fahrzeugtyps beachtet werden, damit sich die Ehrenamtlichen nicht selbst in Gefahr bringen? Per Funk gibt Klaus Krebs das Kennzeichen eines Autos an die Einsatz- und Rettungsleitstelle in Diepholz durch. Nur Sekunden später hat er die Konstruktionszeichnung auf seinem Tablet und damit – gerade im Zeitalter der Hybridfahrzeuge und Elektroautos – elementare Informationen darüber, wo die Einsatzkräfte den Spreizer ansetzen können und wo nicht. „Crash recovery system“ heißt das Programm, das Feuerwehrkräften wertvolle Zeit schenkt.

Dann greift ein Feuerwehrmann zum 22,5 Kilo schweren Spreizer, der mit 700 bar Druck fünf Tonnen Masse auseinanderdrücken kann: „Ich spreize jetzt“, kündigt er klar und deutlich an, damit das gesamte Rettungsteam informiert ist. Alle Kommandos sind genau aufeinander abgestimmt.

Arbeiten Hand in Hand, um Leben zu retten: Rettungswachenleiter Dirk Seifert und Kreisfeuerwehrausbildungsleiter Klaus Krebs (v.l.).

Bei allen drei Szenarien arbeiten alle Kräfte Hand in Hand. Eines spiegelt einen realen Unfall mit zwei Schwerstverletzten in Groß Lessen wider. Die Helfer lassen kein Detail aus den Augen und sich Zeit, um den Verletzten möglichst schonend zu bergen. Doch manchmal ist es ein gnadenloser Wettlauf mit der Zeit und gegen den Tod: „Wenn ein Fahrer eingeklemmt und ohnmächtig ist, muss eine Sofortrettung erfolgen“, erklärt Dirk Seifert.

Mit voller Konzentration erfüllen alle Übungsteilnehmer ihre Aufgaben, stimmen entscheidende Handgriffe miteinander ab. Wer sie im strömenden Regen um die „Unfallopfer“ kämpfen sieht, hat nur noch einen Wunsch: dass alle Verkehrsteilnehmer aufmerksam und verantwortungsbewusst fahren, um folgenschwere, viel zu oft lebensgefährliche Verkehrsunfälle zu verhindern.

Rettungskräfte proben in Wehrbleck den Ernstfall

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