Kemmann: „Straßen auch mal sperren, wenn Bäume umstürzen“

Feuerwehr Kirchdorf: Gerüstet für Sturmlagen?

Eine Stunde brauchten die Einsatzkräfte der Ortsfeuerwehr Barenburg im September 2017 nach der Alarmierung, um diesen durch einen Sturm beschädigten Baum am Schlaher Damm zu beseitigen.

Kirchdorf - Von Sylvia Wendt. Wenn Feuerwehrkameraden an ihre Grenzen kommen – angesichts der zahlreichen Sturm bedingten Einsätze im vergangenen Jahr macht sich Gemeindebrandmeister Gerd Kemmann nach der Analyse der Zahlen für die Samtgemeinde Kirchdorf Sorgen. „Sind wir auf die Sturmlage vorbereitet? So gut, wie in anderen Segmenten?“ Es gibt darauf kein Ja.

Aber auch kein Nein. Tatsache sei, dass sich die Quote verändert habe: Beim Einsatzaufkommen 2016 wurden 60 Prozent Brandeinsätze und 40 Prozent, die unter „technische Hilfe“ einzuordnen waren, gezählt. Das habe sich im vergangenen Jahr umgekehrt. Die Ortsfeuerwehr Barenburg etwa hatte eine ganze Serie schwerer Unfälle, auch mit Todesfällen, zu bearbeiten. Aber keinen Brand. „Das kann sich auch wieder ändern“, sagt Kemmann. Diese Einsätze zur technischen Hilfe aber werden in Seminaren geübt.

Was weniger oft auf dem Stundenplan stehe, sei der Umgang mit umgestürzten Bäumen. Sicherlich hätten zahlreiche Kameraden im Rahmen ihrer Fortbildungen einen Motorsägenlehrgang absolviert. Aber: „Wir müssen da draufsatteln“, sagt Kemmann. Er schildert eine Situation, in der er selber um Haaresbreite nur unverletzt blieb. 

Ein durch einen Sturm gefällter Baum lag „auf Spannung“: Ein versierter Forstarbeiter hätte vielleicht anders gearbeitet, die Einsatzkräfte der Feuerwehr haben alle Kenntnisse aus Ausbildung und Privatleben addiert. Doch es war die große Portion Glück –  der Stamm verhielt sich anders, als geplant – die den Baumstamm in dieser Situation eben nur um Zentimeter den Kopf des Gemeindebrandmeisters verfehlen ließ. „Erfahrung ist notwendig“, sagt Kemmann. Doch wie diese sammeln?

Lernen, auch mal „Nein“ zu sagen

Die Feuerwehren in der Samtgemeinde Kirchdorf hätten in der Thematik Nachholbedarf. Und bis der ausreichend gedeckt sei, müsste zum Schutz der Einsatzkräfte dann auch mal eine Straße gesperrt werden können – bis der Baum in Ruhe und in der notwendigen Sorgfalt beseitigt werden könne. Tatsächlich waren in den jüngsten Sturmlagen die Straßen für die Verkehrsteilnehmer stets in schneller Zeit wieder passierbar.

Das bestätigt auch Samtgemeindebürgermeister Heinrich Kammacher. Auch er fragt: Warum kann die Straße nicht gesperrt bleiben, bis die Straßenmeisterei Zeit hat? Immerhin sei der Straßenbaulastträger zuständig. Gerne aber werde zuerst die Feuerwehr alarmiert, umso eher, wenn die Mitarbeiter der Straßenmeisterei im Feierabend seien. Dass mit jedem Einsatz der Feuerwehr aber auch Berufstätige aus der Arbeit gerufen werden, werde gerne vergessen. „Die Einsatzleiter müssen den Rahmen stecken“, sagt Kemmann. Lernen, auch mal „Nein“ zu sagen – und eine Straßen zu sperren, statt sie so schnell wie möglich und unter Lebensgefahr zu räumen. 

Hinsichtlich der Ausrüstung sei man auf dem Land in einer komfortablen Lage: Viele Landwirte unterstützen die Kameraden bei Einsätzen, stellen Trecker und Frontlader zur Verfügung, manövrieren diese oft selbst. „Mittelfristig muss da ein Konzept her“, sagt Kemmann. Zum einen, wer generell zuerst zu rufen ist. „Zum anderen müssten die Ortsfeuerwehr intern klären, wer in Sturmlagen zu alarmieren ist: Es müssen ja nicht immer die selben Wehrleute ausrücken, die ohnehin bereits mehr Einsätze fahren, als andere“, sagt Kammacher.

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