Ilse Supe aus Bahrenborstel begeht am Donnerstag ihren 100. Geburtstag

Die Feier wird nur aufgeschoben

Acht Urenkel hat Ilse Supe – die jüngsten sind Linnea, fünf Jahre alt (links) und die zweijährige Enie. Foto: Dominik Supe

Bahrenborstel – Wenn die Lebensgeschichte 100 Jahre umspannt, ist nicht immer alles rosig. Ilse Supe kann von Schicksalsschlägen erzählen – und von wunderbaren Erlebnissen. Was alles eint, sind die starken Familienbande. Ilse Supe aus Bahrenborstel hat am Donnerstag ihren 100. Geburtstag. Alles war vorbereitet für eine fröhliche Familienfeier im örtlichen Gasthaus. Die sei aufgrund der geltenden Bestimmungen nun verschoben – aber keinesfalls aufgehoben, heißt es.

Ilse Supe wird am 26. März 1920 im Haus der Familie Julius Lüdeke in Kirchdorf geboren. Sie ist eines von fünf Geschwistern und besucht die örtliche Volksschule, anschließend ein Jahr die Näh- und Kochschule in Kirchdorf. Dann war ihre Hilfe im elterlichen Haushalt und in der Schmiede gefragt. Vater Julius arbeitete als Schmied, Hufschmied und Wagenbauer, die Familie hatte zudem eine kleine Landwirtschaft. Morgens um 6 Uhr hätten die Besitzer mit den ersten Pferden zum Beschlag vor der Tür gestanden. Zur Weiterbildung geht Ilse letztlich für ein Jahr in einen Geschäftshaushalt nach Bremen.

Zurück daheim, lernt sie bei einer Tanzveranstaltung Heinrich Supe, Soldat und Schuhmacher, kennen. Die Hochzeit erfolgt 1941. Tochter Marie-Luise wird 1946 geboren, 1948 folgt Tochter Helga und 1954 Sohn Heinrich. Die Familie lebt zunächst in Kirchdorf, zieht 1949 ins Eigenheim nach Bahrenborstel. Ilse Supe erinnert sich noch heute voller Dankbarkeit an die herzliche Aufnahme durch die Nachbarschaft (heute: Wilhelm-Tönsing-Weg). Familie Supe wird fester Bestandteil der Dorfgemeinschaft: Ilse Supe ist Gründungsmitglied des DRK-Ortsverbandes Bahrenborstel, Mitglied auch im Reichsbund (heute: SoVD). Das Schützenwesen schätzen beide sehr: Im Jahr 1975 / 1976 regieren sie das Volk als Königspaar. Handarbeiten und Gartenarbeit sind weitere Hobbies, doch die wachsende Familie und der stete Kontakt zu den einzelnen Mitgliedern genießen grundsätzlich Priorität. Tochter Marie-Luise ist aus gesundheitlichen Gründen nach Spanien umgesiedelt – alle anderen in der näheren Region heimisch, eines der fünf Enkelkinder wohnt in Bremen, außerdem komplettieren derzeit acht Urenkel die Schar der Nachkommen.

Sehr oft komme die Familie bei unterschiedlichen Anlässen zusammen. Ehemann Heinrich stirbt 1986. Nur wenige Jahre später, 1992, muss die Familie Sohn Heinrich zu Grabe tragen, der im Alter von nur 38 Jahren einer Krankheit erliegt, Ehefrau und zwei Kinder hinterlässt. 1999 stirbt Tochter Marie-Luise. Der jüngste Schicksalsschlag folgt 2018 mit dem frühen Tod von Diana, Ehefrau von Enkel Dominik. Die Familie rückt in diesen Zeiten stets noch enger zusammen.

Zum 80. Geburtstag planen die fünf Enkelsöhne eine besondere Überraschung. Eine Woche sind die Jungs mit Oma Ilse in London unterwegs. „Was wir da alles gesehen haben“, begeistert sich die Jubilarin noch heute. Gereist ist sie auch mit Ehemann Heinrich gerne und viel. Nach Spanien, nicht nur zur Tochter, mit dem SoVD nach Österreich oder Tschechien. Ilse Supe wohnt zusammen mit Schwiegertochter Anita im Haus, auch Tochter Helga versorgt die Jubilarin mit. Die studiert allmorgendlich ausgiebig die Tageszeitung, telefoniert mit Familienmitgliedern, schaut ihre TV-Lieblingsserien. Viele Einladungen trudeln immer noch ein, doch nur wenigen folgt die Jubilarin.

An ihrem Geburtstag müssen Telefonate ausreichen, nur die engere Familie, die im Alltag vor Ort ist, gratuliert persönlich. Aufgeschoben, aber nicht aufgehoben sei die Feier mit allen. Die aktuelle Lage bringe ja Erinnerungen wieder hoch an Kriegszeiten, als Tauschgeschäfte den Alltag bestimmten. Als Speck gegen Leinen getauscht wurde nach dem Schlachten...

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