Auf dem Hof der Familie Wiegmann in Dörrieloh werden zwei Schafe gerissen

Wolf steht klar in Verdacht

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Kim (links) und sein Bruder Heinrich Wiegmann mit einem der beiden getöteten Schafe.

Dörrieloh - Bei einem der beiden Schafskadaver ist die hintere Hälfte bis auf die Knochen abgenagt, beim anderen, der im flachen Wasser des Teiches lag, fehlt eine Keule: Familie Wiegmann ist ziemlich sicher, dass auf ihrem Hof im Varreler Ortsteil Dörrieloh ein Wolf zugeschlagen und die beiden Tiere gerissen hat. Und auch Wolfsberater Kurt Gödecke aus Syke stellt fest, dass „klarer Verdacht“ besteht, „aufgrund der typischen Drosselbisse (an der Kehle) und der Menge des aufgenommenen Fleisches, vorsichtig geschätzt 15 Kilogramm.“

Die beiden Schafe zählten zu sechs Tieren, die Wilhelm Wiegmann von einem Schäfer aus Renzel bekommen hat, damit sie im Bereich des Obstgartens das Gras kurz halten: „Er bringt sie im Frühjahr und holt sie im Herbst wieder ab. Das machen wir seit vielen Jahren so, und noch nie ist etwas passiert. Hier in der Gegend laufen auch keine großen Hunde frei herum“, berichtet Wiegmann. Er füttert Hafer zu – dass nicht alle Schafe zur Futterstelle kommen, ist nicht ungewöhnlich. Aber als zwei Tiere zwei Tage nicht zu sehen waren, bat Wilhelm Wiegmann am Montag seinen Sohn Kim, nach ihnen zu suchen, er fand die Kadaver. Die Familie wandte sich an Jörg Holthus, ebenfalls aus Dörrieloh und Vorsitzender des Hegerings Ströhen, der daraufhin Kurt Gödecke verständigte.

Der Wolfsberater entnahm Gewebeproben, die vom Wolfsbüro Hannover zur DNA-Untersuchung an das Senckenberg Forschungsinstitut geschickt werden. Sollte das Ergebnis beweisen, dass ein Wolf die Schafe gerissen hat, wird es dennoch keine Entschädigung aus Landesmitteln geben: Der 1,20 Meter hohe Zaun auf dem Hof, der Wildverbiss durch Rehe verhindern soll, erfüllt nicht die aktuellen Vorgaben für den Schutz von Schafen und Ziegen vor Wölfen, erläutert Kurt Gödecke. Dafür wären unter anderem ein Untergrabeschutz und stromführende Drähte erforderlich. Der Aufwand wäre zu groß, Wilhelm Wiegmann möchte aber weiterhin Schafe einsetzen. „Dann werden die eben abends in den Stall gesperrt“, kündigt sein Sohn Heinrich Wiegmann an.

Im Winter sei es unwahrscheinlicher, dass Wölfe tagsüber auf Jagd gehen, stellt Kurt Gödecke fest, „aber im Sommer, wenn überall das Getreide hoch steht...“ Sind in Gebieten, in denen die grauen Jäger auf Nahrungssuche gehen, auch Haustiere wie Hunde und Katzen gefährdet? „Auf jeden Fall“, betont der Wolfsberater, „der Wolf ist ein Allesfresser. Ein Hund hat im Kampf mit einem Wolf keine Chance.“ In Dörrieloh sei ihm außerdem aufgefallen, dass einige landwirtschaftliche Betriebe Kälberboxen einsetzen, also die kleinen frei stehenden Kunststoffhütten für den Rindernachwuchs. „Es ist nicht gesagt, dass ein Wolf da nicht auf den Hof kommt“, warnt Gödecke.

Zuletzt sei in der Region die Sichtung von zwei Wölfen im Bereich von Drentwede gemeldet worden. Das müsse aber natürlich nichts mit dem Vorfall in Dörrieloh zu tun haben: „Im Herbst fangen ja auch die Wölfe mit dem Jagen an, die im Vorjahr geboren wurden.“ Ein Wolfsrevier sei zwischen 20000 und 30000 Hektar groß, ein Rudel bestehe etwa aus zehn Tieren. Gödecke ist überzeugt, dass sich die Wolfs-population im Landkreis Diepholz, sofern keine Seuche auftritt, vergrößern wird. „Im Moment gilt absoluter Schutz für den Wolf. Wenn der Bestand zunimmt, wird die Diskussion stärker werden.“

Es kann ein halbes Jahr dauern, bis die DNA-Analyse der Proben aus Dörrieloh erfolgt ist. Gewissheit gibt es vielleicht schon früher: Die Kadaver bleiben vorerst liegen, Jörg Holthus postiert eine Wildkamera. Kehrt der Wolf zum Fressen zurück, wird er „geblitzt“.

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