Was tun nach der Schafschur?

Der Wehrblecker Woll-Versuch: Erst gestreichelt, dann verstrickt

Streicheleinheiten verteilt Simona Kellermann hier an die Herdwicks, die das sehr genießen.
+
Streicheleinheiten verteilt Simona Kellermann hier an die Herdwicks, die das sehr genießen.

Wehrbleck – So klasse er seine Schafe auch findet, so wenig kuschelig findet er die allererste Charge an Wolle. Marius Kellermann und seine Ehefrau Simona haben sich rund um ihr neues Haus auf dem Familiengrundstück im Wehrblecker Ortsteil Strange den Traum von einer kleinen „Hobbyfarm“ erfüllt. Für jedes Tier, das hier aufwächst, sollen möglichst perfekte Lebensbedingungen geschaffen werden.

Und deutlich mehr als jetzt sollen es auch nicht werden.

Die englischen Herdwick-Schafe sollen helfen, die Rasenflächen auf den 6. 000 Quadratmetern kurz zu halten. Und weil die knuffigen und sehr entspannten Tiere das sehr gut erledigen, haben Kellermanns für die notwendige Schafschur einen der besten seiner Zunft bestellt: Sebastian Engel. Der könnte, würde er auf Zeit-Rekordjagd gehen, für die 30 Kellermann-Schafe keine zwei Stunden benötigen, dann hätte er sie ihrer Wollkleider entledigt.

Simona und Marius Kellermann nutzten die Zeit im Mai, um mit dem Profi über Tipps und Kniffe zu sprechen. Darüber, wie man die Schafe schert, ohne sie zu verletzen. Wie anstrengend die Arbeit ist, zeigt sich daran, dass Sebastian Engel im Laufe der Schur ein klitschnasses T-Shirt nach dem anderen gegen wechseln muss.

Sebastian Engel bei der Schafschur in Strange.

Was passiert mit der Wolle? Das ist ein Puzzlestück, das Simona und Marius Kellermann derzeit versuchen zu platzieren. „Wir wollen sie nicht noch mal in den Müll schmeißen müssen“, sagen beide. Ja, aber was tun?

Bei der Suche nach einer Option stoßen sie auf die Homepage von Sabine Bogner von der „Spinnstuuv Bergedorf“ bei Ganderkesee. Bogner hält selbst ein paar Herdwick-Schafe. Zwei der Stranger Herdwicks sind gerade nach Bergedorf umgezogen, da das Ehepaar Kellermann nicht plant, die Herde deutlich zu vergrößern. Maximal 40 bis 50 Tiere sollen es sein. Und Sabine Bogner ist bereit, die relativ kleine Menge an Wolle zu bearbeiten. Nicht die gesamten 30 Kilogramm in diesem Jahr geschorener Rohwolle werden verarbeitet. Bogner fertigt eine erste Charge, um dem Wehrblecker Ehepaar zu zeigen, wie die Wolle ihrer Tiere ausfallen könnte. In zwei Grautönen zeigen sie die ungefilterte Farbe der Herdwicks. Und noch mit dem gewissen rauen Charme, der sich eher für Oberteile eignet, die nicht direkt auf der Haut getragen werden. „Eine zweite Charge habe ich schon bearbeitet, etwas anders, damit die längeren Haare nicht rausstechen, sondern im Garn verbleiben. Dazu muss die Wolle leicht angefilzt werden“, erklärt Sabine Bogner. Dann sei die Wolle auch deutlich kuscheliger.

Die erste Charge kommt etwas rau daher.

Ein paar der 100-Gramm-Knäuel des ersten Versuchs werden über den örtlichen Hofladen „Acht Eichen“ an der Stranger Straße in Wehrbleck angeboten. „Wir wollen gerne sehen, ob für diese Art der Wolle ein Markt besteht“, erklären Simona und Markus Kellermann. Grundsätzlich würde nur eine begrenzte Charge an Wolle produziert werden können, die Schafschur erfolgt jeweils im Frühjahr. Und aktuell sei Sabine Bogner mit Aufträgen etwa vier Monaten im Rückstand – ihre Wollkämmerei liegt im Ahrtal. Die sei nicht überschwemmt worden, aber Familie und Freunde hätten auf dem Hof unterkommen können. „Da war an Produktion nicht zu denken“, sagt Bogner.

Sie weiß, dass es durchaus einen Markt gibt für umweltbewusst behandelte Wolle. „Alle Schritte bei mir sind Handarbeit.“ Und sie komme ohne Chemikalien aus. Sind denn trotzdem andere Farben möglich? „Ja sicher.“

Die Bentheimer Schweine auf dem Hof quieken vergnügt, wenn Besuch kommt.

Die Preisfindung ist noch nicht abgeschlossen. Nur so viel: Das handgefertigte Garn ist ein bisschen teurer als industriell produziertes. Für Kellermanns geht es um die Verwertung, um den Kreislauf, um Nachhaltigkeit. Dazu zähle auch, dass der Weg zum Schlachter kurz ausfällt, die Produkte für den Eigenbedarf von Familie und Freunden produziert werden.

Fröhliches Quieken der Bentheimer Schweine begleiten den Besuch, die Bielefelder Kennhühner sparen sich indes das Gackern. Und die beiden Australian-Shepherd-Hunde Greta und Elli wachen darüber, dass auch alle Zweibeiner wieder aus dem Gehege kommen.

Ansprechpartner

www.stranger-herdwicks.de, www.spinnstuuv-bergedorf.de

Von Sylvia Wendt

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Wahrscheinlichste neue Ministerinnen und Minister

Wahrscheinlichste neue Ministerinnen und Minister

Bin ich gegen Corona immun? Jetzt mit dem Corona-Antikörper-Selbsttest herausfinden

Bin ich gegen Corona immun? Jetzt mit dem Corona-Antikörper-Selbsttest herausfinden

Die lustigsten Grimassen der Kanzlerin und Kanzlerkandidaten

Die lustigsten Grimassen der Kanzlerin und Kanzlerkandidaten

Leckeres Essen zu einem Rabatt: Sparen Sie 50 Prozent auf Ihre Bestellung bei Bofrost

Leckeres Essen zu einem Rabatt: Sparen Sie 50 Prozent auf Ihre Bestellung bei Bofrost

Meistgelesene Artikel

Vollsperrung der B51 ab Montag

Vollsperrung der B51 ab Montag

Vollsperrung der B51 ab Montag
E-Center in Sulingen: „Einkauf noch schöner gestalten“

E-Center in Sulingen: „Einkauf noch schöner gestalten“

E-Center in Sulingen: „Einkauf noch schöner gestalten“
Daniel Nickel eröffnet neue Orthopädie-Praxis an der Syker Hauptstraße

Daniel Nickel eröffnet neue Orthopädie-Praxis an der Syker Hauptstraße

Daniel Nickel eröffnet neue Orthopädie-Praxis an der Syker Hauptstraße
„Es gibt eine sehr große Enttäuschung“: Eltern kritisieren Umsetzung der Maskenpflicht an Grundschulen

„Es gibt eine sehr große Enttäuschung“: Eltern kritisieren Umsetzung der Maskenpflicht an Grundschulen

„Es gibt eine sehr große Enttäuschung“: Eltern kritisieren Umsetzung der Maskenpflicht an Grundschulen

Kommentare