Kirchdorf: Reihentestung für 1 200 Mitarbeiter

Coronavirus: 87 Erkrankte bei Thiermann in Kirchdorf

Sonst bestimmt das Wetter über den Spargel: Jetzt auch die Coronapandemie, 42 Beschäftigte, mutmaßlich im Betrieb Thiermann, sind, Stand Donnerstag, erkrankt.
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Sonst bestimmt das Wetter über den Spargel: Jetzt auch die Coronapandemie, 42 Beschäftigte, mutmaßlich im Betrieb Thiermann, sind, Stand Donnerstag, erkrankt.

Update 1. Mai: 87 bestätigte Covid-Fälle habe die Reihentestung innerhalb des landwirtschaftlichen Betriebs Thiermann Gartenbaubetrieb GmbH & Co. KG Spargel- und Beerenfrüchte ergeben, das teilte Mareike Rein, Pressesprecherin des Landkreises Diepholz am Samstag, 1. Mai, mit. Getestet worden seien 1.011 Personen. Die positiv getesteten Personen seien isoliert und befänden sich in Quarantäne. Auch für die 935 negativ getesteten Personen habe der Landkreis Diepholz eine „häusliche Absonderung mit Ausnahme der Wahrnehmung der beruflichen Tätigkeit“ angeordnet. Zur Arbeit dürfen sie, wenn sie keine Symptome aufweisen und strenge Hygienemaßnahmen auf dem Arbeitsweg umsetzen. Am Montag findet erneut eine Reihentestung in dem Betrieb statt. Aktuell sind 114 Personen in der Samtgemeinde Kirchdorf positiv bestätigt.

Eine Corona-Notbremse sei ab Mittwoch möglich, heißt es in der Pressemitteilung, da der Landkreis Diepholz den Schwellenwert von 100 in der 7-Tage-Inzidenz des Robert-Koch-Instituts (RKI) am Samstag überschritten (116,1) habe. Wird dieser Grenzwert auch am Sonntag und Montag überschritten, würden ab Mittwoch die im Infektionsschutzgesetz und in der Landesverordnung enthaltenen zusätzlichen Maßnahmen greifen. Dies erfolge per Bekanntmachung über eine Allgemeinverfügung. Der Landkreis beobachte die Inzidenzentwicklung weiter.

Update, 30. April: In einer Pressemitteilung vom 30. April gibt der Landkreis Diepholz bekannt, dass „aufgrund eines diffusen Infektionsgeschehens innerhalb des landwirtschaftlichen Betriebs Thiermann Gartenbaubetrieb GmbH & Co. KG Spargel- und Beerenfrüchte für rund 1.000 Personen aus dem betrieblichen Umfeld eine Arbeitsquarantäne ausgesprochen“ werde, die einer häuslichen Absonderung mit Ausnahme der Wahrnehmung der beruflichen Tätigkeit entspreche. Dies gelte unter der Voraussetzung, dass diese Personen keine Symptome aufweisen und strenge Hygienemaßnahmen auf dem Arbeitsweg umgesetzt werden.
Das Deutsche Rote Kreuz habe im Auftrag des Gesundheitsamtes eine umfängliche Reihentestung in dem Betrieb durchgeführt. Es zeichne sich nach derzeitigem Stand ab, dass zwischen fünf und acht Prozent der durchgeführten Testungen nach ersten Rückmeldungen positiv sein werden. Eine abschließende Bewertung aller Befunde werde am Samstag, 1. Mai, erwartet.
Zu Beginn der nächsten Woche erfolge eine erneute Reihentestung. Die Arbeitsquarantäne gelte nicht für positiv getestete Personen. „Diese werden von den anderen Mitarbeitenden isoliert und in gesonderten Gebäuden untergebracht. Die Unterkünfte werden in enger Absprache mit dem Betrieb überwacht und die Polizei ist ebenfalls über die Unterbringung informiert. Die Versorgung der in Quarantäne befindlichen Personen erfolgt durch den landwirtschaftlichen Betrieb“, teilt Pressesprecherin Mareike Rein mit.
Aktuell seien 73 positiv bestätigte Covid-19 Fälle für die Samtgemeinde Kirchdorf gemeldet.

Ursprünglicher Artikel: Kirchdorf – 15, 16, 26 – 47: Die Entwicklung der vom Landkreis Diepholz gemeldeten bestätigten Covid-19 Fälle für die Samtgemeinde Kirchdorf in dieser Woche. In einer Pressemitteilung benennt der Landkreis die Fälle in den Kindergärten mit Nennung der jeweiligen Institution, nicht aber den Namen des Betriebes. Wer die deutlich nach oben geschnellte Zahl mit dem Hinweis auf „Betrieb mit Sonderkulturen“ kombiniert, kann als betroffenen Betrieb nur den Fruchthof Thiermann im Ortsteil Scharringhausen mutmaßen.

Zumal, wenn die Zahl der nun getesteten Beschäftigten angeschaut wird. Die Begründung für die Nicht-Namensnennung durch den Landkreis: Es handele sich nicht um eine öffentliche Einrichtung, und das Infektionsgeschehen beschränke sich auf den Betrieb.

Blick in die Spargelproduktion. Ob die so weitergehen kann, bleibt abzuwarten. Archivfotos (2) : S. Wendt

Der wiederum ließ mehrfache Presseanfragen am Donnerstag unbeantwortet. Unbeantwortet bleibt damit, ob und inwiefern die Produktion aufrecht erhalten bleiben kann, bereits bestellte Ware abgeholt werden dürfte, – unbekannt bleibt damit auch, wie es weitergeht mit Marktständen, Hofladen und Co..

Die Maßnahmen rund um die Mitarbeiter der Firma indes bestimmt nun das Gesundheitsamt des Landkreises Diepholz: „Um das Infektionsgeschehen in diesem Betrieb vollumfänglich beurteilen zu können, wurden am Donnerstag rund 1 200 Mitarbeitende, die im Umfeld des Betriebes arbeiten, durch das Deutsche Rote Kreuz getestet. Bisher wurden 42 Covid-19-Fälle in dem Betrieb bestätigt“, teilt Mareike Rein, Pressesprecherin des Landkreises Diepholz, auf Anfrage dieser Zeitung mit. Mit einem Ergebnis der Reihentestung werde im Verlauf des Samstags gerechnet.

Positiv Getestete isoliert

Das Gesundheitsamt des Landkreises Diepholz sei infolge des Nachweises über den Covid-19-Ausbruch unmittelbar einbezogen worden und begleite das Infektionsgeschehen vor Ort. Das heißt? „Positiv getestete Personen werden von den anderen Mitarbeitenden isoliert und in gesonderten Gebäuden ausschließlich mit anderen positiven Fällen untergebracht“, erklärt Mareike Rein. Eine derartige Isolation erfolge auch für die engen Kontaktpersonen der bestätigten Fälle.

Spargel, frisch vom Feld: Wie können Hygienekonzepte aussehen, dass die Ernte weitergehen kann?

Die Firma hat die Unterkünfte für Erntehelfer in unterschiedlichen Kommunen in der Region verteilt, nicht zusammengezogen auf einem einzigen Gelände. Welche Unterkünfte sind betroffen? Dazu gibt es keine genauen Angaben. Nur so viel: „Die Unterkünfte werden in enger Absprache mit dem Betrieb überwacht und die Polizei ist ebenfalls über die Unterbringung informiert. Dieses Vorgehen hat sich in der Vergangenheit auch schon in mehreren Infektionsgeschehen innerhalb der Fleischverarbeitungsindustrie bewährt“, erklärt Mareike Rein.

Neue Risikobeurteilung frühestens Samstag

Inwiefern haben diese Fälle Auswirkungen auf weitere Maßnahmen in der Samtgemeinde? „Sobald weitere Ergebnisse der Reihentestung vorliegen, erfolgt erneut eine Risikobeurteilung. Maßnahmen, die auch die Kommune betreffen würden, werden derzeit nicht in Erwägung gezogen, da sich das Infektionsgeschehen auf einen Betrieb eingrenzen lässt und die betroffenen Liegenschaften, in denen Mitarbeitende untergebracht sind, vom Unternehmen übermittelt wurden.“

Samtgemeindebürgermeister Heinrich Kammacher betonte auf Nachfrage, dass nicht die Samtgemeinde Maßnahmen beschließe, sondern der Landkreis – „und wenn wir den Landkreis darin unterstützen können, die Maßnahmen bei uns umzusetzen, dann tun wir das.“

Von Sylvia Wendt

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