Arbeiten an ExxonMobil-Bohrung „Burgmoor Z 5“

Bahrenborstel: Erdgas soll ab Juli gefördert werden

Vor der zukünftigen Trockneranlage, die aktuell zusammengesetzt wird: Jürgen Nolle und Birgit Schilling. Rechts der elektrische Kran.
+
Vor der zukünftigen Trockneranlage, die aktuell zusammengesetzt wird: Jürgen Nolle und Birgit Schilling. Rechts der elektrische Kran.

Bahrenborstel – Es sieht wirklich nicht spektakulär aus, im Sinne von groß. Es ist auch nicht laut. Das ist es erst, wenn ein Trecker an der Baustelle vorbeifährt. Niemand brüllt hier quer über die Baustelle, die die Erdgasbohrung Burgmoor Z 5 im Bahrenborsteler Ortsteil Holzhausen aktuell noch ist. Die Erdarbeiten sind beendet und nun folgt das Puzzle, alle oberirdisch notwendigen Teile so zusammenzusetzen, dass die Erdgasförderung im Juli beginnen kann.

Das ist das Ziel, das Projektleiter Jürgen Nolle im Blick hat.

Die Erkundung hatte die Vermilion Energy im Winter 2018/2019 begonnen, die eigentliche Förderung übernimmt die ExxonMobil Production Deutschland. Seit August wurde der Platz hergerichtet. Über einem Fundament liegen unterirdische Kabeltrassen und Leitungssysteme, doppelt gesichert. Sicherheitssysteme sollen Alarm schlagen, sollte ein Leck auftreten. Das betonen Bau-Projektleiter Jürgen Nolle und Unternehmenssprecherin Birgit Schilling gleich mehrfach. Es seien für jeden Schritt Sicherheitsmaßnahmen eingeplant.

Wassersammelstellen sind ausgehoben auf dieser Industriebaustelle. Aufwendig sei eine Bewehrung gebaut worden, bevor Beton gegossen werden konnte, der vor der Verwendung erneut auf seine passgenaue Konsistenz untersucht worden war. Werden an Baustellen im öffentlichen Raum verstärkt Regenrückhaltebecken vorgeschrieben, sind hier drei Swimmingpools entstanden, die Starkregen auffangen, grundsätzlich aber das gesamte Oberflächenwasser. Sie sind mit Abscheidern ausgestattet und fangen etwaige Ölabsonderungen auf: Ein sensitiver Fühler erkenne, wenn sich ein Film auf dem Wasser befinde. Dann werde sofort eine Anlage in Betrieb gesetzt, die es abpumpe. Das gereinigte Wasser dürfte die Firma ableiten in öffentliche Gewässer, dafür liege eine Genehmigung vor. „Aber wir pumpen das in TKW.“ In was? Tankkraftwagen, die das Wasser entsorgen. Was fällt da an, an Kubikmetern? „Wir rechnen mit einem Wagen täglich oder einem alle zwei Tage“, erklärt Birgit Schilling. Ein weiterer Abtransport wird der von Feststoffen sein, die bei der Förderung mit an die Oberfläche gespült werden und in einem gesonderten „Sieb“ aufgefangen werden. Das sei allerdings eine solch geringe Menge, dass hier wohl nur einmal im Jahr ein Abtransport notwendig sei. Und nein, gänzlich unspektakulär.

Das gesamte Oberflächenwasser wird aufgefangen, Ölabscheider sind eingebaut.

Gebaut wurden auch Zufahrtsstraßen sowie eine rund 850 Meter lange Anschlussleitung bis zur Station, an der das auf der Burgmoor Z 5 geförderte Gas übergeben wird an die IG Münster, die wiederum das Gas weiterleitet an die Kunden. Diese Pipeline sei verlegt worden zur Hälfte durch das Horizontalbohrverfahren (im sogenannten HDD-Verfahren, dem „Horizontal Directional Drilling“), ein „gesteuertes Bohrverfahren zur grabenlosen Verlegung von Rohrleitungen“.

Bevor das aus 3. 200 Metern tiefe geförderte Gas jedoch die Anlage verlässt, zur 850 Meter entfernten Station der IG Münster und weiter zur Verdichtung transportiert wird, wird es getrocknet. Das sind die Puzzleteile, die die Arbeiter derzeit zusammensetzen: Etliche Rohre für die „obertägige Anlage zur Gastrocknung“ müssen korrekt verbunden werden. Wasser und Feststoffe werden vom geförderten Gas getrennt, das Gas aufgewärmt.

Diese Anlage ist vom Volumen her der umfangreichste Bau auf dem Gelände. Unterstützung erhalten die Arbeiter von einer Besonderheit: Einem elektrischen Kran, „eine Premiere“, erklärt Nolle.

Das Herzstück, das sogenannte E-Kreuz. Sonst gesichert, für das

Gefördert werden sollen später etwa 11. 500 Kubikmeter pro Stunde, mit etwa 85 bar, erwartet werden rund 100 Millionen Kubikmeter jährlich. Eine Menge, „genug, um alle Haushalte der Samtgemeinde Kirchdorf 25 Jahre mit Erdgas zu versorgen“, heißt es seitens der ExxonMobil. Es sei sogenanntes Leangas. Für die Bohrung selbst gebe es eine Ringraumüberwachung, rund um die Uhr. Runter in die Tiefe gehe nicht nur ein Rohr, sondern drum herum befinden sich weitere Rohre, zum Schutz. „Insgesamt gibt es fünf Ringräume, also ein fünffacher Schutz“, erklärt Birgit Schilling. Gemessen werde etwa der Druck, gibt es eine Abweichung, werde das angezeigt und sofort überprüft. Die jeweilige Schadensstelle könne genau lokalisiert werden. Viele der Sicherungsmechanismen seien automatisiert. Das System schalte sich sofort ab, die Bereitschaft sei im Ernstfall binnen einer guten halben Stunde vor Ort.

„Wir haben Sicherheitsmaßnahmen für jeden Schritt der Förderung“, erklärt Birgit Schilling. Eines der wichtigsten obertägigen Elemente ist das sogenannte E-Kreuz, hier kommt das geförderte Gas aus der Erde in die obertägige Anlage. „Wenn notwendig, ob wegen Undichtigkeit, Leckage oder Feuer, ist das E-Kreuz in einer Sekunde geschlossen“, erklärt Jürgen Nolle.

Zum System gehört auch eine sogenannte Prozessfackel, über die restliches Gas aus den Rohrleitungen verbrannt wird. „Rückstandsfrei verbrannt wird“, betont Jürgen Nolle. Der untere Teil der Fackel liegt bereits auf dem Gelände, vier weitere Teile fehlen noch, die Fackel wird etwa 36 Meter hoch in den Himmel ragen.

„Die Arbeiten liegen gut im Termin“, sagt Nolle. Und das, obwohl auch die ExxonMobil betroffen ist von Lieferproblemen. Etwa, wenn die beauftragte Firma ein Element nicht fertigstellen kann, weil ihre Einzelteile dafür fehlen, das Element bei einer anderen Firma aber schon fertig auf dem Hof läge. „Und diese Firma muss man dann erstmal finden“, beschreibt Nolle einen Mehraufwand auch während der laufenden Arbeiten, der sogenannte „Plan B“, der notwendig war, weil etwa 60 Prozent der Lieferanten ihre eigentlichen Termine nicht hätten einhalten können.

Der untere Teil der Prozessfackel, die dann 36 Meter in die Luft hoch ragt.

Nicht alle Teile, die auf der Burgmoor Z 5 verwendet beziehungsweise verbaut werden, sind übrigens neu: Die Firma nutzt einzelne Bauteile, die von zurückgebauten Förderstellen stammen und für einen weiteren Nutzen geeignet sind.

Errichtet wird auf dem Gelände noch ein kleines Gebäude für die sensible Mess- und Regeltechnik.

Bevor der Startknopf für die Produktion gedrückt werden kann, wird noch eine Dichtigkeitsprobe durchgeführt: „Es wird mit Stickstoff gespült, um den Sauerstoff aus den Rohren zu pusten. Anschließend folgt der Sachverständigentest und dann dann das rote Ventil geöffnet werden, damit das Gas strömen kann“, erklärt Nolle. Ein genauer Termin hängt davon ab, wie oft noch „Plan B“ greifen muss.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Brütende Hitze in Deutschland - Zum Wochenstart Abkühlung

Brütende Hitze in Deutschland - Zum Wochenstart Abkühlung

Brandschutzprüfung: Polizei bricht in „Rigaer 94“ Türen auf

Brandschutzprüfung: Polizei bricht in „Rigaer 94“ Türen auf

Italien nach Sieg gegen die Schweiz im EM-Achtelfinale

Italien nach Sieg gegen die Schweiz im EM-Achtelfinale

Wales siegt dank Bale und Ramsey - Türkei vor Turnier-Aus

Wales siegt dank Bale und Ramsey - Türkei vor Turnier-Aus

Meistgelesene Artikel

Asendorf: Biker (24) kracht gegen Baum – schwer verletzt

Asendorf: Biker (24) kracht gegen Baum – schwer verletzt

Asendorf: Biker (24) kracht gegen Baum – schwer verletzt
Gemeinschaftspraxis Both/Könenkamp eröffnet im Juli in Sulingen

Gemeinschaftspraxis Both/Könenkamp eröffnet im Juli in Sulingen

Gemeinschaftspraxis Both/Könenkamp eröffnet im Juli in Sulingen
Barnstorfer Bauherr Stefan Bruns baut Tankstelle und Fitnessstudio

Barnstorfer Bauherr Stefan Bruns baut Tankstelle und Fitnessstudio

Barnstorfer Bauherr Stefan Bruns baut Tankstelle und Fitnessstudio

Kommentare