Endlich nicht mehr allein

Neue Senioren-Wohngemeinschaft in Kirchdorfs Mitte ist bezugsfertig

Der große Balkon zieht sich entlang beider Zimmer und bietet einen grandiosen Blick auf die Kirchdorfer Ortsmitte.
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Der große Balkon zieht sich entlang beider Zimmer und bietet einen grandiosen Blick auf die Kirchdorfer Ortsmitte.

Kirchdorf – Endlich nicht mehr allein: Am Freitag startet für die ersten Bewohner der neuen Seniorenwohngemeinschaft in Kirchdorf ein neues Kapitel. Zusammen, unter einem Dach, Gemeinschaftsräume – und dennoch die eigenen vier Wände.

Tage vorher sieht es aus, als bräuchten die Handwerker noch mindestens ein paar Monate, aber der Endspurt ist fast immer so spannend.

Die Installateure haben die Einzelteile in Kartons geordnet. Die Duschköpfe kuscheln sich noch aneinander. Ein Heizungskörper liegt noch mitten im Wohnzimmer. Nicht überall ist die Küchenzeile montiert, während andernorts schon die Lieblingskissen im Lieblingssessel warten, wo wohl ein neuer Lieblingsplatz sein wird.

Jana Hoffmann, Petra Arndt-Rattay und Heike Hoffmann (vorne, von links, für das Foto ohne Masken).

Für die Bewohnerin der einen von zwei Wohnungen im Obergeschoss stehe der neue Lieblingsplatz schon fest: der Balkon. Und tatsächlich: Der Blick auf die Kirchdorfer City und die Kirchturmspitze im Sonnenuntergang – ja, das hat was.

Grundidee: Gemeinschaft mit Selbstbestimmung

Die Idee dieser Senioren-Wohngemeinschaft hatte Heike Hoffmann. Ihr Alltagsbegleitservice „Vergissmeinnicht“ mit Sitz in Kirchdorf bescherte ihr die Kontakte in Familien und die Erkenntnis: Viele alleinstehenden Senioren wünschen sich Gemeinschaft, eine mit möglichst viel Selbstbestimmung.

Heike Hoffmann fragte herum und langsam fügte sich Puzzelstück an Puzzlestück. Die Idee eines Neubaus kam auf. Die Erkenntnis „puh, vielleicht plant das doch jemand, der das beruflich macht“ führte zum Bauunternehmen von Rolf Lohmann in Kuppendorf.

Grundstück in der Kirchdorfer Ortsmitte

Die Suche nach Baugrund führte zum Gemeinderat, der in dem Projekt eine Chance sah, einer 1 200 Quadratmeter großen alten Hofstelle neues Leben in der Ortsmitte einzuhauchen. Und nun ist das Werk bezugsfertig. Heike Hoffmann und Tochter Jana, Rolf Lohmann und seinem Team ist die Aufregung, die Freude und die Begeisterung anzumerken, als sie zum inoffiziellen Gang (ein offizieller „Tag der offenen Tür“ soll folgen) durch die Räume den Gemeinderat und die Pflegedienste der Region sowie natürlich die Nachbarn – insbesondere Apotheker und Ärzte – begrüßen. Baustaub und 1 000 kleine offene Baustellen kennzeichnen das Haus.

Gartengestaltung zusammen mit den Bewohnern

Von außen sichtbar vor allem: Drumherum ist noch nix gartentechnisch erfolgt. „Mit Absicht“ sagt Bauleiter Sebastian Plenge. Die Gartengestalterin möchte sich mit den Bewohnern absprechen, wie die sich den Gartenbereich vorstellen. Und an der Front des Hauses, zur Langen Straße hin, solle die Pflasterung der Straße aufgenommen werden, um zu zeigen, dass dies Haus dazugehört. „Es ist ein offenes Haus“, betonen Jana und Heike Hoffmann mehrfach.

Und stellen mit Petra Arndt-Rattay dessen neue Leiterin vor. Sie ist Ansprechpartnerin für Interessenten, denn die beiden Zwei-Zimmer-Wohnungen sind zwar schon belegt und von den 14 Appartements bleiben zwei reserviert für die Verhinderungspflege (die bereits angefragt wird, so dringlich ist die Nachfrage) – aber von den zwölf 30-Quadratmeter-Appartements sind noch vier nicht vergeben.

Der Endspurt wird sportlich: Es sind, gefühlt, noch 1000 Kleinigkeiten zu montieren.

„Wir haben hier nicht gekleckert, sondern geklotzt“, beginnt Rolf Lohmann Ausführungen zur Technik des Hauses. Die Planungen hat das Bauteam, zu dem Lohmann die Brüder Sebastian und Thaddeus Plenge, Bauingenieurs-Studenten in unterschiedlichen Semestern, zählt, so optimiert und modifiziert, dass es bereits erste Interessenten für die Blaupausen gibt.

„Haben nicht gekleckert, sondern geklotzt“

So viel vorweg: Die Spendierhosen sollten mit etwa zwei Millionen Euro gefüllt sein. Gemeinschaftsräume, Büro, Technik und mehr befindet sich im Erdgeschoss, was kaufmännisch bedeutet: Eine ganze Etage, die kein Geld einbringt. Die Appartements und Wohnungen verteilen sich auf die beiden oberen Geschosse, die per Treppe und per Aufzug zu erreichen sind. Das Lüftungssystem, mit einer Wärmerückgewinnungsquote von 80 Prozent, garantiere jeder Einheit frische Luftzufuhr von außen, keiner müsse fürchten, die Abluft aus dem Nebenappartement zu bekommen, unkt Lohmann und erklärt, auch für den Laien verständlich: „Die Technik, die wir hier gebastelt haben, ist sehr aufwendig.“ Bauleiter Sebastian Plenge erklärt die Stromgewinnung über die Photovoltaikanlage, und korrigiert den Hinweis auf den KfW 40 Standard: „Eigentlich ist das 40 plus.“ Die eigene Energieversorgung sei sichergestellt und dazu noch ein Speicher vorhanden. Die Fußbodenheizung werde per Fernwärme gefüttert durch die Biogasanlage der Familie Kannengießer.

„Wollen auch Gastgeber sein, wir sind ein offenes Haus“

Jana Hoffmann erinnert an die Ziele: Selbstbestimmtes Leben, mit der Option, Dienstleistungen nach Bedarf dazu zu buchen. „Offenes Haus“ bedeute, auch Gastgeber zu sein, künftig denkbar in den Gemeinschaftsräumen seien Seniorennachmittage, Sportangebote. Mit Petra Arndt-Rattay leitet eine höchst erfahrene Frau das Haus: 20 Jahre als Friseurin toppt sie durch 24 Jahre als Krankenschwester und ein abgeschlossenes Studium als Fachwirtin für Gesundheit und Sozialwesen. Sie habe sich um die Leitung beworben, „weil ich Zeit haben wollte für Menschen und meine letzten Berufsjahre sinnvoll gestalten möchte.“

Seniorenwohngemeinschaft ist das „I-Tüpfelchen“

Kirchdorfs Bürgermeister Holger Könemann erinnerte an die Entwicklung der Entscheidung des Gemeinderates. Das Haus sei das „I-Tüpfelchen“ auf der Dorferneuerung, die in der Kommune nun beendet sei. Und auch wenn andere die Größe monierten: Das seien Einzelstimmen. Das Haus sei ein Alleinstellungsmerkmal für Kirchdorf.

Noch. Die Idee „Senioren-Wohngemeinschaft“ gefällt auch anderen.

Von Sylvia Wendt

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