Praxistage an der Oberschule in Varrel

Einen Tag in der Woche zur Arbeit

Die Barenburger Firma begrüßt das Konzeopt der Praxistage: Heinrich Kammacher, Jens Grunert, Gesche Röpe, Erik Zich, Volker Sielke und Frank Sielke (von links). Foto: Sylvia Wendt

Varrel - Wer im Beruf steht, sich aber nochmal neu entscheiden dürfte: Würde sich jeder erneut für seinen aktuellen Job entscheiden? Wer wusste bereits mit 15 Jahren, was er werden wollte? Berufsfindung heute ist ein ebenso weites Feld wie einst. Und: Die Auszubildenden heute sind in allen Berufen nachgefragt - Entscheidungen...

Das Konzept zur Berufsorientierung, das die Oberschule Varrel verfolgt, umfasst 14 Seiten. Es listet Praktika ebenso auf wie Hilfen bei der Erstellung der Bewerbung und Coaching für die Bewerbungsgespräche. Teil des Konzeptes sind die Praxistage. Auf den ersten Blick erscheint es nicht wirklich praktisch, nur an einem Tag der Woche in die Betriebe zu gehen. 

Doch Schüler wie Arbeitgeber sind anderer Meinung: „Für einen Tag ist die Motivation eine andere, als für 14 Tage am Stück“, sagt Frank Sielke, Malermeister aus Barenburg. „Wir können dem Praktikanten immer andere Aufgaben zeigen, die Bandbreite des Berufes vorstellen, da immer wieder neue Aufträge zu leisten sind.“ Gefreut darüber hat sich Schüler Erik Zich und ergänzt: „Ich kann mir den Betrieb selber aussuchen und erhalte viele Informationen, weil ich Teil des Teams bin.“ Die Firma Sielke setze ihre Praktikanten ein, als wären es Lehrlinge - also mitten ins Team. 

Das steht neben allen Erklärungen zum Ablauf einer Aufgabe auch bereit für Fragen rund um den Beruf im Allgemeinen. Der Kontrast - vier Schultage und ein Berufstag über mehrere Wochen, mit der Option, den Betrieb zu wechseln, um weitere Berufsfelder zu erkunden - ermöglicht eine andere Perspektive auf beide Bereiche. Die Achtklässler sind es, die sich im Rahmen der Praxistage beruflich orientieren sollen. Im ersten Schulhalbjahr sind es die Hauptschüler, im zweiten Halbjahr die Realschüler. Für die Firma Sielke ist dieser direkte Kontakt mit den Schülern wichtig, denn: „Eine Lehrstelle bekommt, wer sich bei uns persönlich vorgestellt hat. Es muss passen“, erklärt Volker Sielke, Malermeister wie sein Bruder. 

Man möchte die Abbrecherquote verringern, den Jugendlichen eine bessere Orientierung geben, erklären Lehrerin Gesche Röpe und Schulsozialpädagoge Jens Grunert. Beide kümmern sich um das „Netzwerken“, sprechen Betriebe an, sind Bindeglieder zwischen Schule und Firmen. In den zehn Jahren, in denen es die Praxistage gibt, haben man die Zahl der teilnehmenden Betriebe auf 70 erhöhen können. Weitere können sich gerne beteiligen - sie müssten für die Schüler aus der Samtgemeinde Kirchdorf erreichbar sein. Frank Sielke betont, wie wichtig die Wertschätzung der jungen Menschen sei, dass nicht nur ein Einser-Abitur das Ziel sein dürfe. 

Die 1901 gegründete Barenburger Firma bereite ihre Mitarbeiter auf Prüfungen vor, biete einen modernen Beruf. Wechsel in den Trends bescheren neue Arbeitstechniken, im Einsatz sei moderne Technologie - gelehrt werde von der Pike auf in den Bereichen Wand, Decke und Fußböden. Fußböden macht ihr auch? „Ja, das wissen viele nicht“, antwortet Frank Sielke. 

Der Traditionsbetrieb aus habe einen sehr guten Namen, bestätigt Heinrich Kammacher, Vorsitzender des Fördervereins der Oberschule und Samtgemeindebürgermeister im Beruf. Der Verein unterstütze die Berufsorientierungsarbeit der Schule. Die Sielke-Brüder können die Teilnahme nur empfehlen. „Wenn wir nur einen Schüler als Lehrling im Handwerk begrüßen können, egal in welcher Fachrichtung, dann ist das ein Erfolg.“ Erik Zich hat sich noch nicht entschieden. Seine nächste Station: Ein Betrieb in Scharringhausen. Es geht um Solarien für Pferde.   sis

Mehr Informationen:

Oberschule Varrel, Tel. 0 42 74 / 94 050, E-Mail: obs-varrel@schulnet.diepholz.de

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Hollands Sozialisten bei EU-Wahlauftakt überraschend stark

Hollands Sozialisten bei EU-Wahlauftakt überraschend stark

Finale mit Signalwirkung: FCB will Leipzig-Angriff abwehren

Finale mit Signalwirkung: FCB will Leipzig-Angriff abwehren

20. Diepholzer Berufsmesse

20. Diepholzer Berufsmesse

Ein Rundgang durch den Weltvogelpark Walsrode

Ein Rundgang durch den Weltvogelpark Walsrode

Meistgelesene Artikel

Allergischer Schock bei Zwölfjährigem: Klinik Bassum lehnt Behandlung ab

Allergischer Schock bei Zwölfjährigem: Klinik Bassum lehnt Behandlung ab

Auf der Walz – sogar in Namibia

Auf der Walz – sogar in Namibia

„Haltbares“ für die Sulinger Tafel

„Haltbares“ für die Sulinger Tafel

Der Erschöpfung nahe: Feuerwehr rettet schwimmendes Reh aus Pool

Der Erschöpfung nahe: Feuerwehr rettet schwimmendes Reh aus Pool

Kommentare