Firmenchef zeigt neueste Tat nicht an

Mehrfaches Einbruchsopfer winkt ab: „Polizei? Zeitverschwendung!“

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Mit einem Kuhfuß brachen die Täter die Tür auf der Rückseite seines Tischlereibetriebs in Barenburg auf, schätzt Heinrich Warneke.

Barenburg – Er sei den Einbrechern dankbar, sagt Heinrich Warneke. Das ist Galgenhumor. Aber nicht nur: „Die haben das ,ganz toll gemacht‘ “, weist er auf das Türschloss auf der Rückseite seines Tischlereibetriebes in Barenburg.

Der Metallrahmen ist nur leicht verbogen, wurde „fachmännisch“ mit einem Kuhfuß aufgestemmt, schätzt Warneke, der extra dicke Schließbolzen stellte offenbar kein ernst zu nehmendes Hindernis dar. In der Werkstatt war keinerlei Vandalismus festzustellen. An die Presse wende er sich, damit die Barenburger wissen, „dass hier wieder Einbrecher unterwegs sind.“ Die Polizei hat er hingegen nicht informiert, er ist der Ansicht: „Das wäre Zeitverschwendung.“

Die Täter stahlen laut Warneke von mehren Werkbänken gezielt vier Akkuschrauber des Herstellers Makita, inklusive passender Akkus und Ladestationen, im Wert von rund 1600 Euro. „Das sah fast nach Bestellung aus, weil gleichwertige Geräte anderer Marken nicht mitgenommen wurden.“ Der Einbruch muss sich in der Nacht zu Freitag ereignet haben – zunächst habe er vermutet, dass seine Mitarbeiter die Werkzeuge zu einer Baustelle mitgenommen hatten. Die aufgebrochene Tür hatten die Täter wieder geschlossen. „Damit es in der Werkstatt nicht feucht wird...“

Einbrüche in seine Firma habe es im Laufe der Jahre immer wieder gegeben. „Die Polizei sichert drei Stunden lang Spuren. Der Bescheid, dass die Ermittlungen eingestellt wurden, kommt zwei Wochen später. Den könnten die eigentlich auch gleich aushändigen.“ Aufgrund seiner Erfahrungen habe er entschieden, die Freunde und Helfer nicht mehr zu verständigen, dazu sei er ja auch nicht verpflichtet. „Ich höre das von anderen auch: Die wenigsten zeigen Einbrüche noch an, es sei denn, sie sind versichert, dann müssen sie ja.“ 

Keine Versicherung: Prämie wäre viel zu hoch

Heinrich Warneke ist nicht versichert – denn er musste erfahren, dass sich eine Versicherung nicht allein auf bewegliches Werkzeug beziehen könne, nur auf den gesamten Maschinenpark. Inklusive der „großen Brocken“ mit einem Wert im fünfstelligen Bereich, die aufgrund ihrer Dimensionen praktisch gar nicht gestohlen werden könnten. Da sei es schlicht ein Rechenexempel, mögliche Wiederbeschaffungskosten gegen die horrende Versicherungsprämie abzuwägen. Dennoch, er überlegt, in Sachen Einbruchssicherung aufzurüsten: Der Barenburger setzt jetzt solide Lkw-Ladungsstützen ein, um die Türen zu blockieren, denkt darüber nach, in die Werkzeuge Markierungen einzubrennen, die nicht entfernt werden können und Überwachungskameras anzuschaffen.

Dass Warneke nicht die Polizei verständigt hat, sieht Ulrich Stark, seit Februar Leiter des Kriminal- und Ermittlungsdienstes im Polizeikommissariat Sulingen, äußerst kritisch: „Wir sind definitiv daran interessiert, dass jede Straftat zur Anzeige gelangt“, unterstreicht er. „Durch die Anzeige trägt man möglicherweise dazu bei, weitere Straftaten zu verhindern.“ Alle Tatorte würden aufgenommen, und die Spurenlage berge immer die Chance, den Täter zu ermitteln, auch wenn das nicht in jedem Fall möglich ist. Es sei entscheidend zu wissen: „Wo habe ich Tatorte, kann ich Tatzusammenhänge herstellen? Es kann sein, dass man nach der Spurenlage an einem Tatort lediglich ein Fragment hat, ein kleines Indiz, das auf den Täter hinweist, aber sagen kann, dass es einen Zusammenhang mit einer anderen Tat gibt.“ 

Sulinger Polizei weist auf gelungene Ermittlungen hin

Ulrich Stark verweist auf die Einbruchsserie in Sulingen Anfang des Jahres, bei der der Täter ermittelt und zu einer Haftstrafe verurteilt wurde. Es gebe häufig den Fall, dass die Polizei einen Einbruchsverdächtigen auf „dem Schirm hat“ und bei der Durchsuchung von dessen Wohnung Diebesgut sicherstellt, das sich nicht zuordnen lässt. So wie das Werkzeug von Heinrich Warneke – mit ihm werde er sich umgehend in Verbindung setzen, kündigte Ulrich Stark am Mittwoch an.

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