Einblick in die „Werker“-Ausbildung im Schulverbund Freistatt

Mehr Praxis,weniger Theorie

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Tom Zimmermann (l.) und Ramona Aumann (r.) mit (v.l.) Adriana, Dimitri und Nathalie in der Küche der Hauswirtschafter.

Freistatt - „Werkertag“ in Freistatt: Das bedeutet Action auf dem Platz „Am Wietinghof“ inmitten des Schulverbundes – weshalb ein Besuch morgen in der Zeit von 9.30 bis 16.30 lohnt, für Jugendliche, Eltern und Arbeitgeber gleichermaßen.

Die Gartenbauwerker wollen Beete neu gestalten. Die Bau- und Metallmaler Farbe an Wände bringen, die Fachpraktiker Holzverarbeitung und Metallbau haben ebenfalls anschauliche Einsätze geplant – und natürlich haben die Fachpraktiker Hauswirtschaft die Vorbereitungen für Speis und Trank übernommen.

Die Werker-Ausbildung bedeutet den Schritt in die berufliche Selbstständigkeit für junge Menschen mit erhöhtem Förderbedarf. Vermittelt werden die Stellen von der Arbeitsagentur, genauer: durch die Reha-Berufsberatung. Die auch in den Schulen, mit denen der Schulverbund zusammenarbeitet, direkt über die Werker-Ausbildung informiert. Die Lindenschule in Sulingen gehört dazu, auch die Dr.-Kinghorst-Schule in Diepholz – „und unsere auch“, sagt Ramona Aumann aus Wehrbleck – gemeint ist die Schule der Lebenshilfe.

In der Werker-Ausbildung ist der Praxisanteil erheblich höher als der Theorieanteil, erklärt Jürgen Neddermann, beim Schulverbund Freistatt zuständig für die „Werker“. Der Unterricht findet an der verbundseigenen Comenius(Berufs-)schule in Wagenfeld statt. Der biete kleine Lerngruppen und zusätzlichen Unterricht (wenn er benötigt wird) sowie die fachlich passende sozialpädagogische Betreuung der Teilnehmer. Für Tom Zimmermann, 18 Jahre, aus Barnstorf beginnt die Werker-Ausbildung im September. Dann hat er die einjährige Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme (BVB) im Schulverbund erfolgreich absolviert und geht dann zu den Malern. Sich umentscheiden und doch bei den Metallern anfangen, nein, so ein Hin und Her, das erklärt Neddermann, ginge nicht. Die Werker-Ausbildung sei zwar „theoriereduziert“, jedoch praktisch eine Vollausbildung, erklärt Jürgen Neddermann. Teilnehmer erhalten zudem eine Förderung, wenn sie während dieser Zeit ihren (Auto-)Führerschein ablegen. Der sei ja wichtig für die Berufstätigkeit der jungen Teilnehmer.

Das dritte Jahr ihrer Ausbildung wird Ramona als Jahrespraktikum absolvieren: Sie arbeitet dann drei Tage in einem Betrieb, geht an zwei Tagen zur Berufsschule. Sie freut sich darauf. Auch Tom könnte sein Jahrespraktikum später in einem Malerbetrieb absolvieren. Generell wäre sogar möglich, die Ausbildung als „kooperative fördernde Ausbildung“ aus dem Schulverbund in den Ausbildungsbetrieb zu verlegen (unter Beibehaltung der Berufschulbetreuung in der Comenius-Schule). Eine kaum genutzte Option...

Die Lehrkräfte und Betreuer sind in die Betriebe der Region gut vernetzt und können die Kontakte für die Praktika nutzen. Laut Neddermann werden alle „Werker“ in Praktika vermittelt. Vertreter dieser Betriebe, gerne auch weiterer Firmen, Jugendliche, für die eine „Werker-Ausbildung“ in Frage käme und ihre Eltern – für sie sind am Mittwoch, 17. Juni, die Türen geöffnet und stehen Ansprechpartner bereit, um Fragen zu beantworten. Bis auch Regelschulen einen Besuch beim „Werkertag“ in Freistatt einplanen, mag nur eine Frage der Zeit sein – dann, wenn Förder- und Regelschüler im Rahmen der fortschreitenden Inklusion unter einem Dach beschult werden. Weitere Arbeitsfelder in die „Werker“Ausbildung aufzunehmen, stehe derzeit nicht an, erklärt Jürgen Neddermann auf Nachfrage, das Prozedere sei sehr komplex.

sis

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