Landwirte und Netzwerk kooperieren

Drohne hilft „Bambi“ zu retten

Die freiwillige Helferin Katharina Knobling bringt ein aufgespürtes Rehkitz in Sicherheit. Foto: Landvolk Diepholz
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Die freiwillige Helferin Katharina Knobling bringt ein aufgespürtes Rehkitz in Sicherheit.

Frühmorgens versammelt sich am Freitag eine Gruppe aus Landwirten und freiwilligen Helfern an einer Wiese bei Kirchdorf. Schon springen die ersten Rehe auf und verlassen die Fläche. Doch um die erwachsenen Tiere geht es heute nicht. Das Gras soll später gemäht werden, um Heu für Pferdefutter zu gewinnen.

Kirchdorf - Mit einem lauten Surren hebt die Drohne ab und schwebt etwa 15 Meter hoch über der Wiese. Eine Wärmebildkamera ist auf das Gras darunter gerichtet. Temperaturunterschiede zum Boden zeigen, wo sich Wildtiere aufhalten könnten. „Deshalb ist es gut, wenn man so früh wie möglich am Tag anfängt, wenn der Boden noch nicht erwärmt ist. Umso leichter lassen sich die Verstecke der Rehkitze finden“, erläutert Rudolf Schnecker, ehrenamtlicher Helfer beim Netzwerk Rehkitzrettung Deutschland. Zu seiner beruflichen Zeit hatte er auch mit Luftfahrzeugen zu tun. Er war als Luftwaffensoldat Fluglehrer und hat Piloten an der Transall ausgebildet. 

Der kleine Bildschirm an der Fernsteuerung zeigt das Wärmeprofil des Bodens in einem Radius von etwa 30 Metern. „Fünf Kitze auf einer Fläche ist der Rekord“, berichtet Schnecker. „Obwohl die Landwirte durch Anmähen der Ränder, Durchgang durch die Wiese mit Hunden und andere Maßnahmen im Vorfeld versuchen, die Tiere zu verscheuchen, finden wir doch immer wieder kleine Rehkitze versteckt.“ Die Tiere sind im tiefen Gras nicht zu sehen und dank ihrer Geruchlosigkeit selbst für Hunde nicht aufzuspüren. Kitze verhalten sich bei drohender Gefahr absolut ruhig. Was gegen Fressfeinde eine gute Strategie ist, wird beim Abmähen der Wiesen zum Problem.

Der ehemalige Fluglehrer Rudolf Schnecker steuert am frühen Freitagmorgen seine Drohne mit Wärmebildkamera über die Wiese nahe Kirchdorf.

„Daher sind wir froh über die Hilfe von Rudi Schnecker“, betont Landwirt Heiner Albers, der an diesem Morgen die Aktion organisiert hat. Landwirte, Jäger und Rehkitzretter arbeiten eng zusammen, um die Wildtiere zu schützen. „Mir ist es eine Herzensangelegenheit, die Landwirte zu unterstützen, die sich um die Wildtiere sorgen“, bekundet Schnecker. Seit drei Wochen ist er fast jeden Tag in der Frühe für mehrere Stunden unterwegs. Immer wieder fragen ihn Landwirte an und bitten um Unterstützung mit der Drohne. Hat diese einen wärmeren Punkt in der Wiese gefunden, kommen die Helfer ins Spiel. Geleitet durch Zuruf kämpfen sie sich durch das hüfthohe, meist nasse Gras und suchen die Verstecke der Kitze. Manches Mal finden sie nur die Orte, wo Rehe gelegen haben, die aber schon von selbst auf und davon sind.

Doch auch an diesem Morgen stoßen Heiner Albers’ Sohn Christoph und dessen Freundin Katharina Knobling auf ein Kitz, das regungslos im Gras liegt. Vorsichtig und mit Handschuhen und Grasbüscheln geschützt wird es aufgenommen und jenseits der Wiese sicher abgesetzt. Dabei darf kein menschlicher Geruch auf das Kitz übergehen, sonst könnte die Mutter ihr Junges nicht mehr annehmen. „Später finden sich Ricke und Reh wieder, wenn das Junge nach seiner Mutter ruft“, erläutert Albers.

Die Landwirte sind zufrieden. Die Hauptzeit für die Rehkitze neige sich bereits dem Ende zu, sodass es immer weniger Funde gebe. „Wir sind froh über jedes gerettete Kitz“, unterstreicht Heiner Albers. „Und dankbar, dass wir mit Rudi eine so engagierte und professionelle Hilfe haben.“ Den Mehraufwand nähmen die Landwirte und Pferdehalter gerne in Kauf.

Weitere Infos:

www.rehkitzrettung.org

Lesen Sie auch: Im Sommer steigt die Gefahr von Wildunfällen im Straßenverkehr. Autofahrer sollen auf Landstraßen besonders auf plötzlichen Wildwechsel achten.

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