Jannis Meyer: „...dann ruft einen das Dorf zurück“

Von wegen Landflucht: Ausbildung in Hamburg, Arbeit in Bremen, Wohnen in Varrel

Schaffen sich ihr persönliches Paradies in Varrel: Jannis Meyer und Partnerin Shari-Lea Wöltje.
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Schaffen sich ihr persönliches Paradies in Varrel: Jannis Meyer und Partnerin Shari-Lea Wöltje.

Hamburg nicht. Auch nicht Bremen. Sondern: Varrel. Auch gut – aber: Gibt es etwas, das in Varrel fehlt? „Da muss ich lange überlegen“, sagt Jannis Meyer. Der 25-jährige gebürtige Sulinger ist nach der Ausbildung in Bremen und Hamburg jetzt, auch der Liebe wegen, zurückgekehrt aufs Land.

Varrel – Und das Bild, das er und Partnerin Shari-Lea Wöltje zeichnen, könnte nicht besser komponiert sein: Eigenheim, Berufe, zwei Pferde, Hund, Katze. Hühner sollen sich noch dazugesellen. Die ländliche Idylle ist nur eine Seite: Jannis Meyer hat seine berufliche Laufbahn nicht etwa aufgegeben oder verändert. Er kombiniert beides.

Er sei nicht der strebsamste Schüler an der Realschule gewesen und habe was Handwerkliches lernen wollen. Der Vater ist Elektriker und 2012 beginnt Jannis Meyer die Lehre bei der Firma Strabag. In Hamburg. Großstadt.

Jannis wohnt an einer sechsspurigen Hauptstraße, gegenüber der Feuerwehrwache in Barmbek. „Da kannst du nicht mit offenem Fenster schlafen. Letztlich habe ich den ständigen Alarm aber nicht mehr gehört.“ Das Großstadtleben sei schön gewesen, „für ein paar Jahre – aber dann ruft einen das Dorf doch zurück“, sagt der 25-Jährige.

Leben auf dem Dorf: Nur auf dem Land wird zurückgegrüßt

Die Großstadt habe er als unpersönlich empfunden: „Du grüßt, aber nur hier auf dem Land wird zurückgegrüßt.“ Gleichwohl: Jannis Meyer genießt Hamburg, misst sich etwa mit Radlern auf der Cyclassics-Strecke.

Auch beruflich tritt der junge Mann ordentlich in die Pedale: Die Lehrzeit kann er aufgrund guter Leistung verkürzen, legt mit „sehr gut“ die Gesellenprüfung ab. Die Erklärung für den Unterschied zu schulischen Ergebnissen liefert er gleich mit: „Da hatte ich kein Interesse an den Mathe-Aufgaben. Hier aber waren sie praxisbezogen.“

Jannis Meyer wird übernommen als „Servicetechniker Elektronik für Gebäude- und Infrastruktursysteme“. Der Ehrgeiz ist geweckt, Jannis Meyer will dranbleiben. Die Firma hat interessante Aufgabengebiete, seine Aufträge seien nicht reduziert auf einzelne Bereiche, sondern umfassten die komplette Elektrik eines Gebäudes. Inklusive vieler unterschiedlicher Anforderungen unterschiedlicher Abteilungen.

Jannis‘ Freundin ist auch nicht immer vor Ort in Varrel

So gerät Jannis Meyer ans Thema „Raumluft- und Kältetechnik“ und wechselt in den Harz, wo er ein halbes Jahr ausgebildet wird zum Kältetechnikmechatroniker.

Er ist 21 Jahre alt und fragt sich: Will ich so weiterarbeiten, bis zur Rente? Es mag jugendliche Zuversicht sein, die ihn den Arbeitsbereich gänzlich wechseln lässt: Ohne die Grundlagen einer kompletten Ausbildung will Jannis Meyer seinen „Meister machen“ – als Kälteanlagenbauer. Theorie, Praxis, Ausbilderprüfung, Blockmodule in Springe bei Hannover, wo er wohnt – und weiterhin bei der Strabag beschäftigt ist.

Nach anderthalb Jahren hält Jannis Meyer diesen Meisterbrief in Händen. „Puh, das war anstrengend. Wenn der Meister nicht im Ausbildungsberuf abgelegt wird – ich musste mir so viel extra draufschaffen, habe nach der Arbeit gelernt, meist von 19 Uhr bis Mitternacht.“

2015 lernt Jannis Meyer seine heutige Partnerin kennen. Auch die junge Varrelerin ist beruflich engagiert – und auch nicht immer vor Ort in Varrel.

Bremen: Näher dran an Clique aus Schulzeit

Derweil wird firmenintern ein neuer Dienstleistungsvertrag ausgeschrieben, neue Basis wäre Bremen. Jannis Meyer ist interessiert. „Weil die beruflichen Aussichten entsprechend sicher waren: lange Laufzeit, Tarifverträge.“ Weiterer Vorteil: Der berufliche Standort ist Bremen, näher dran an der Familie, an Freunden. Denn weiterhin ist Jannis Meyer Teil einer Clique aus der Schulzeit. Man treffe sich zu Kohlmärschen und anderen Events im Jahr.

Eine eigene Wohnung, Eigentum gar oder ein Haus: „Das ist in der Großstadt kaum finanzierbar.“ Zumal das Paar ein Haus favorisiert, nicht zur Miete wohnen möchte („Du zahlst, aber es gehört dir nicht“) und beim eigenen Haus ist noch Platz für Garten.

Anderthalb Jahre pendelt Meyer zwischen eigener Baustelle am neuen Wohnort Varrel und der Meisterschule in Springe. Jetzt ist das kernsanierte Haus soweit fertig für das Paar, Shari-Lea Wöltjes zwei Pferde stehen nebenan auf der Weide, beruflich sind sie abgesichert – und nun rückt das Dorf mehr in den Fokus. In die Dorfgemeinschaft möchten sich beide einbringen.

Was fehlt denn nun hier in Varrel? Nach längerem Nachdenken kommt Jannis Meyer auf: „Eine Zuganbindung.“ Frisör, Edeka, Arzt, Getränkeladen, Fleischer – alles sei vor Ort. Und letztlich mit der Landesbuslinie ein stündlich möglicher Zubringer zum Zug. Das Pendeln ins Bremer Büro störe ihn nicht, manches lasse sich im Homeoffice regeln.

Und die Corona-Pandemie habe gezeigt: „Hier auf dem Land ist Platz, hier kann man spazieren gehen – und es ist Ruhe.“

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