Bürgerinitiative Windkraft gründet sich in Kuppendorf und Ohlensehlen

Diskussion spaltet das Dorf

Einige Mitglieder der neu gegründeten Bürgerinitiative in der Kirchdorfer Heide.
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Einige Mitglieder der neu gegründeten Bürgerinitiative in der Kirchdorfer Heide.

Kuppendorf – 245 Wahlberechtigte waren zur Kommunalwahl im Jahr 2016 im Kirchdorfer Ortsteil Kuppendorf registriert. „Und 93 Wahlberechtigte haben sich mit ihrer Unterschrift gegen die 115. Flächennutzungsplanänderung ausgesprochen“, heißt es seitens der neu gegründeten Bürgerinitiative. Derzeit wird der Flächennutzungsplan in Sachen „Windkraft“ in der Samtgemeinde Kirchdorf aktualisiert. Ziel: alle derzeit gültigen Auflagen erfüllen, ohne dass eine „Verspargelung“ eintritt, rechtssicher. So die Vorgabe der Kommunalpolitiker.

Und jenen schauen etliche Kuppendorfer nun genau auf die Finger. Kuppendorf ist Ortsteil der Gemeinde Kirchdorf. Hier würde ein Gebiet von 26,9 Hektar möglich sein, wie das Team des Planungsbüros NWP ermittelt hat. Das mutet relativ klein an, im Vergleich: 231,5 Hektar sind es etwa in Bahrenborstel. Noch kleiner sind zwei Flächen in den Gemeinden Wehrbleck (12,6) und Barenburg (17) – die allerdings als Ergänzung zu bestehenden Windparks auf dem jeweils angrenzenden Gebiet der Stadt Sulingen gesehen werden.

Standort

Und damit einen bestehenden Standort wachsen lassen. Hier setzen die Windkraftgegner ein Argument an: „Unsere Fläche in Kuppendorf kann nicht vergrößert werden. Wenn man wirklich ernsthaft an einer Entwicklung zugunsten des Klimas interessiert ist: Wie kann das ein zukunftsfähiger Standort, wie kann das ein nachhaltiger Beitrag zur Energiewende sein?“, fragen Marion und Gerd Langwald, Dennis Meyer, Heiner Menze, Bianka Becke, Ulrich Jäger und Norbert Rotthowe im Pressegespräch. Maximal drei Anlagen könnten auf der Fläche errichtet werden. „Und stellen einen unverhältnismäßigen Eingriff dar“, sagen die Gegner.

Schutzgebiete

Die Kuppendorfer Fläche wird im Südwesten durch ein Landschaftsschutzgebiet begrenzt. Nördliche und östliche Grenze markiert Wohnbebauung. „Die Aussparung im südlichen Änderungsbereich wird durch ein von Gehölzen umstandenes Stillgewässer bewirkt“, heißt es in den Planungsunterlagen. Ein ländliches Idyll mit Schutzgebieten: „Wie im Umweltbericht dargestellt, hätte die Errichtung von Windenergienanlagen erheblichen Einfluss auf das Landschaftsbild und somit auf die Kirchdorfer Heide und das Waldgebiet ,Rauher Busch‘, die in unmittelbarer Nähe liegen. Und auf die Biotope, in die viel investiert wurde“, heißt es seitens der Gegner.

Uhus

Sie verweisen darauf, dass mit der Kirchdorfer Heide (nordwestlich der Fläche) und ihrem Naherholungswert kräftig geworben werde. Im Süden schließe sich das Gebiet „Rauher Busch“ an. Hier besitzt Gerd Langwald ein 42 Hektar großes Areal, einen ehemaligen Truppenübungsplatz, der jetzt wieder der Fliegerei gewidmet ist: „Hier brüten Uhus“, sagt Langwald, zückt sein Handy und zeigt, wie zwei Jungtiere beringt werden. Langwald argumentiert: „Die Uhus brüten dort – seit mehreren Jahren schon.“ Mit Vertretern von Nabu und BUND sei er vor Ort gewesen, die hätten auch die Beringung vorgenommen. Und so verwundere ihn, warum im avifaunistischen Gutachten (das die Windkraft-Projektierungsfirma bezahlt habe) eine Brutstätte nicht erwähnt wird, sondern nur an einer Stelle markiert sei, dass die Eulen hier rüberfliegen.

Geländeeigenschaft

Landwalds Liste der Fliegerkollegen ist jedoch länger: Rotmilane, Abendsegler, Wiesenweihen und Fledermäuse schwirren durch die Lüfte. Fliegerkollegen sind es, weil Langwald als Gleitschirmflieger aktiv unterwegs ist. Sein Zuhause ist eine alte Funkstation und von hier kann er gucken auf das Areal, auf dem die Anlagen stehen sollen.

Das heißt, eigentlich kann er es nicht sehen: Er zeigt von seiner Terrasse in die Richtung des Plangebietes, aber das Gelände offenbart eine deutliche Senke. „Genau“, sagt Langwald. Die sei etwa 40 Meter tief. Das irritiert die Gegner: „Warum wird ein Windkraftstandort in einer Senke geplant?“

Abstände

Dennis Meyer, gerade Vater geworden, fühlt sich als Bürger zweiter Klasse. Grund: die Staffelung der Abstände. Im Kirchdorfer Plan sind mögliche Bereiche ermittelt worden, indem 1 000 Meter Abstand zu einem reinen Wohngebiet berechnet wurden, 800 Meter zu einem allgemeinen Wohngebiet – und 600 Meter zur Wohnbebauung im Außenbereich. Meyer wohnt mit seiner Familie im Außenbereich und sagt: „Gerechter wäre ein Abstand von 800 Metern, der für alle Bürger gilt. Auch im Sinne des vorsorgenden Immissionsschutzes – nach aktuellem Stand sind die Windenergieanlagen 240 Meter und höher. Darüber hinaus haben auch andere Planungsträger einen gleichen Abstand für alle Bürger angesetzt.“

Spielraum

Laut dem Umweltbericht der Firma NWP besteht Spielraum für eine Flächenreduzierung im weiteren Verfahren. Gesetzlich gefordert sei, der Windkraft „substanziellen Raum“ zu geben. Doch bislang hat noch kein Gericht diesem Begriff eine Zahl gegeben. Laut Planungsbüro summieren sich die sechs Bereiche (die bisherigen sind darin enthalten) auf 466 Hektar und stellen damit 8,8 Prozent der Gesamtfläche der Samtgemeinde dar. „Das reicht“, hatte Thomas Aufleger, Diplom-Geograph vom Planungsbüro NWP, in der öffentlichen Sitzung im Juni gesagt.

Die Windkraftgegner argumentieren, dass der Windkraft auch ohne die Kuppendorfer Fläche substanzieller Raum gegeben werde. Der Wert liege, würde sie herausgenommen aus der Planung, bei 8,3 Prozent. In den Planungsunterlagen steht ein Ansatz von 7,35 Prozent als Ziel, das damit deutlich erreicht werde.

Bürgerinitiative

Die Gegner haben sich mittlerweile zu einer Bürgerinitiative zusammengeschlossen (Kontakt: bi-kuppendorfer-heide@t-online.de). Sie hat Mitglieder aus der Gemeinde Kirchdorf ebenso wie aus Ohlensehlen im angrenzenden Landkreis Nienburg. Die Unterschriftenliste wurde im Kirchdorfer Rathaus überreicht, die Mitglieder nutzten den Termin, um mit Samtgemeindebürgermeister Heinrich Kammacher sowie Bauamtsleiter Olaf Heuermann über die Thematik zu sprechen.

Dorfleben

Neben allen Argumenten, die sie aufführen, gibt es auch die emotionale Seite: „Das Thema hat das Dorf gespalten“, sagen die Kuppendorfer Gegner. Sie berichten von Äußerungen ihnen gegenüber, die darauf hindeuteten, dass die Planungen „seit Jahren laufen“ und die Entscheidung „Wir bauen das“ bereits getroffen sei. Auch von Mandatsträgern, die als Grundstückseigentümer involviert seien – und sich nicht für die Bürger engagieren wollten, sagen die Gegner: „Was ist mit der Verhältnismäßigkeit? Was mit dem Gebot der Rücksichtnahme?“ Aktuell befindet sich die Änderung des F-Planes in der frühzeitigen Bürgerbeteiligung – und das wiederum hinterfragen die Gegner: „Was kann ich als Bürger denn noch tun?“

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