Isolde Will: „Schwierige Situation“

Diebe stehlen Zaunelemente: Schatten über Wehrblecker Alpaka-Idyll

21 Alpakas hält das Ehepaar Will aktuell auf dem Hof in Wehrbleck-Strange.
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21 Alpakas hält das Ehepaar Will aktuell auf dem Hof in Wehrbleck-Strange.

Wehrbleck – Manche kriegen Pralinen zum Geburtstag, Isolde Will erhielt Panels. Genauer: Genügend Zaunelemente und ein Tor, damit die Weide für die jüngeren Alpakas eingezäunt werden kann und sie sicher in ihren Unterstand gelangen. Den suchen sie gemeinhin bei Regen auf. Und jetzt müssen Isolde Will und ihr Ehemann Oliver schauen, was sie alles ändern müssen, denn in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch haben Unbekannte vier Zaunelemente und das Tor gestohlen.

Die einzelnen Panels sind 1,60 Meter hoch und drei Meter breit, wiegen jeweils etwa 40 Kilo. Das Tor misst 2,40 Meter mal 2,20 Meter und wiegt deutlich mehr als 40 Kilo. Der Diebstahl kann also nicht in fünf Minuten geschehen sein.

Oliver und Isolde Will haben sich vor dreieinhalb Jahren „schockverliebt“ in die Hofstelle von 1848 im Wehrblecker Ortsteil Strange. Das Paar führte 30 Jahre gemeinsam ein Geschäft für authentischen Indianerschmuck in Frankfurt am Main. „Und von dem Indianerschmuck ist der Weg nicht weit zu südamerikanischen Alpakas“, sagt Isolde Will und muss herzhaft lachen. „Vor sechs Jahren haben wir, durch Zufall, einem Alpaka viel zu tief in die Augen geschaut und uns auf der Stelle verliebt.“

Warum aber zieht man freiwillig von Frankfurt am Main in den Wehrblecker Ortsteil Strange? „In Frankfurt oder drumherum ist ein Areal zur Haltung von Alpakas nicht zu kaufen, nicht zu bezahlen. Unsere Tochter arbeitet in Hannover als Tierärztin, also haben wir da geschaut. Doch auch nach anderthalb Jahren nichts Passendes gefunden. Dann war da diese Anzeige mit der Wehrblecker Hofstelle.“

Der Zirkuswagen im Hintergrund ist als Übernachtungsoption für Zweibeiner eingerichtet, nicht für die Tiere.

Das Paar reist an einem kalten regnerischen Sonntag an, kann zwar nicht in die Gebäude, aber diese Hofstelle sollte es sein. Innerhalb von drei Monaten ist Frankfurt Geschichte und Strange die neue Heimat. Das Wort „strange“ gibt es auch in der englischen Sprache, „merkwürdig“ oder „seltsam“ findet das Ehepaar den neuen Wohnort aber nicht, im Gegenteil: „Wir haben das wie eine Ponyhof-Idylle empfunden, wie in Bullerbü, mit Platz für alle Tiere. Bis heute morgen“, sagt Isolde Will am Mittwochnachmittag.

Alpakahof Strange: Erste Ideen sind realisiert

Der Diebstahl trübt diese Idylle, denn tatsächlich haben Isolde und Oliver Will sich nicht zurückgezogen, sondern den Hof als Geschäftsidee aufgebaut (www.alpakahof-strange.de). Noch sind sie nicht ganz fertig, haben aber erste Ideen realisiert, darunter tiergestützte Freizeitaktivitäten. Beide haben nach eigenen Angaben viele Kurse und Ausbildungen absolviert, einen Sachkundenachweis erbracht. Und bieten vier Lamas, 21 Alpakas, dazu Hunden, Katzen, Gänsen, Enten, Hühnern und Schildkröten ein Zuhause. Diverse Alpaka-Produkte sind im eigenen Hofladen zu haben, der ist zurzeit nur online geöffnet. Die Spaziergänge mit den Alpakas, sonst als Gruppen-Event buchbar, müssen pandemiebedingt ausfallen. Der Zirkuswagen, der im Sommer ein besonderes Übernachtungserlebnis auf der Alpakaweide verspricht, ist derzeit nicht zu buchen.

Kurz: Das Ehepaar kann kaum Einnahmen generieren. Staatliche Corona-Hilfen? „Wir fallen durch alle Raster. Wir hatten noch keinen richtigen laufenden Betrieb und wenn ich den Einzelhandels-Antrag sehe: Der passt auch nicht. Wir haben ja keine Ausgaben für Miete, der Hof gehört uns.“

Die jüngeren Tiere sind eigentlich auf einer eigenen Weide samt Unterstellmöglichkeit untergebracht.

Staatliche Hilfen für den Lebensunterhalt würden in diesem Fall nicht gewährt. „Und dennoch müssen wir uns fragen, wo wir das Heu für die Tiere herbekommen“, sagt Isolde Will. Für die Geschäftsfrau gilt: „Ich möchte nicht betteln.“ So hat sie die Produktpalette, die online zu haben ist, erweitert. Und nun der Diebstahl: „Eine schwierige Geschichte, eine schwierige Situation. Das ist ein ganz großes Problem“, sagt Isolde Will. Das Paar sei sehr glücklich im Wehrblecker Ortsteil Strange, „wenn uns nicht die Panels gestohlen werden. Wir müssen da durchkommen. Und sind derzeit ein wenig fertig mit den Nerven“, gibt Isolde Will zu. Ein Jahr ohne Einnahmen, ohne Veranstaltungen.

Polizei bittet Zeugen um Hinweise

Und nun der Diebstahl, irgendwann zwischen Dienstagabend, 19 Uhr, und Mittwochmorgen um 8 Uhr. Laut Angaben eines Sprechers der Polizei haben die Panels und das Torelement zusammen einen Wert von rund 700 Euro. Zum Abtransport müssen die unbekannten Diebe ein größeres Fahrzeug genutzt haben, „mit Ladefläche oder Anhänger“. Ob ein Zusammenhang besteht zum Diebstahl einer Heuraufe in Barenburg, in der Nacht von Montag auf Dienstag im Bereich „Zum Bahnhof“? Der Sachschaden wird auf etwa 500 Euro beziffert. Sachdienliche Hinweise erbitten die Beamten des Polizeikommissariats Sulingen unter Tel. 0 42 71 / 94 90.

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