Historie der Grundschule Wehrbleck

Die Schule geht, das Lachen bleibt

Blick auf den Spielbereich des heutigen DRK-Kindergartens „Wirbelwind“.
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Blick auf den Spielbereich des heutigen DRK-Kindergartens „Wirbelwind“.

Wehrbleck – Keine 20 Jahre hatte dieser Schulbau in Wehrbleck auf dem Buckel, da wurde er in die Ferien geschickt. Im Juni 1951 war der Schulneubau in Wehrbleck eingeweiht worden, im Jahr 1970 war die Schul-Ära in der Gemeinde wieder beendet. Nur zwei Jahre später endeten die „Nutzungsferien“ in dem Gebäude und es erklang wieder fröhliches Kinderlachen.

Laut Chronik der Gemeinde gab es die erste Schule in Wehrbleck seit 1739 und in Strange seit 1756. „Der Schulchronik von Lehrer August Bönnighausen ist zu entnehmen, dass zum Schuljahr 1949 / 50 die Schülerzahl für die Schulen in Strange und Wehrbleck, bedingt durch Kriegs- und Nachkriegsereignisse, gesamt 207 Kinder betrug“, zitiert Heimatpfleger Markus Kellermann aus den Unterlagen, die der Arbeitskreis Dorfgeschichte in Erinnerung an den 70. Jahrestag der Eröffnung zusammengetragen hat.

Bedingt durch die hohe Zahl an Schülern Mitte des 20. Jahrhunderts kommt es, dass die Schülerinnen und Schüler der Wehrblecker Schule (gebaut 1887) und die der Stranger Schule (1836) zusammengelegt werden. In Wehrbleck, so ist es überliefert, waren zuletzt 145 Kinder in drei Klassenstufen eingeschult. Es gab aber nur einen Raum.

Eine alte Postkarte der Schule in Wehrbleck.

Immer mehr Stimmen forderten eine Lösung des Schulraumproblems. Im Juni 1949 tagte der Schulvorstand, einberufen hatte das Treffen der damalige Bürgermeister Friedrich Höfener. Der Vorstand beschloss, die beiden bisherigen Schulbezirke Wehrbleck und Strange zu vereinen – und eine neue gemeinsame Schule zu bauen. Der Gemeinderat fasste den dafür notwendigen Beschluss und beauftragte Höfener „das Erforderliche zu veranlassen“.

Standortsuche in Wehrbleck

Das ist aber scheinbar damals genauso kompliziert, wie heute. Markus Kellermann hat die Standortsuche nachgezeichnet: „Zunächst war der Bau der Schule an einem anderen als dem heutigen Standort vorgesehen. Laut Chronik wird der ursprünglich geplante Standort beschrieben mit ,im Dreieck Gastwirtschaft Lüdemann – Mühle in Buchhorst – Millionenviertel‘. Damit kam man auf Planungen zurück, die es bereits kurz vor dem Ersten Weltkrieg gegeben hatte, die aber nicht verwirklicht werden konnten.“

Dass es der Standort an der Stranger Straße wurde, habe daran gelegen, dass „dieser von der Mehrzahl der schulpflichtigen Kinder aus Strange bequemer zu erreichen ist.“ In die Größenberechnung des Hauses floss ein, dass die Kinder aus dem Ortsteil Nutteln weiterhin als Gastschüler die Schule in Varrel besuchen konnten und nicht ebenfalls in Wehrbleck eingeplant werden mussten.

So wird im Dezember 1949 in einer ersten „Fühlungsnahme“ mit dem Staatshochbauamt in Diepholz unter Leitung von Regierungsbaurat Kohl der Plan festgehalten: „Neubau einer dreiklassigen Volksschule mit einer Lehrerwohnung und einem Nebengebäude und ein Lehrerdoppelwohnhaus mit Nebengebäude.“

Der Haupteingang zum heutigen Kindergarten liegt auf der anderen Seite des Hauses.

Die Wehrblecker wissen: Hier herrschen Westwinde. „Deshalb sollte der Haupteingang nicht an die Westseite gelegt und der Eingang zur Lehrerwohnung nach Möglichkeit nicht mit dem Schulbetrieb in Verbindung gebracht werden“, zitiert Kellermann aus den historischen Unterlagen.

Lehrer Bönninghausen mischt sich ein

Lehrer August Bönnighausen mischt sich mit Nachdruck ein in die Planungen. Für das Wohnhaus etwa fordert er „zwei gleich große Wohnungen“ zu schaffen „und zwar so, dass deren Inhaber möglichst isoliert“ seien.

Seine Vorstellungen kollidieren mit denen von Baurat Kohl, der in seinem Vorentwurf beide Wohnungseingänge fast unmittelbar nebeneinander gelegt hatte. Bönninghausen holt sich Unterstützung durch die Lehrer Schröder und Bladauski, spricht sich bei jeder passenden Gelegenheit gegen den Vorentwurf von Baurat Kohl aus – „bis dieser schließlich aufgibt und die beiden Gebäude so gebaut werden, wie sie heute sind“, erklärt Kellermann.

Die Bauarbeiten beginnen Mitte 1950

Mitte Juli 1950 beginnen die Arbeiten. Der Grundstein wird am 19. Juli 1950 gelegt. „In den ersten Wochen schreiten die Bauarbeiten schnell voran“, berichtet Markus Kellermann aus den Recherchen des Wehrblecker Arbeitskreises Dorfgeschichte. Und zitiert aus der Chronik von Lehrer Bönnighausen: „Durch den Ausbruch des Korea-Krieges wurde auch unsere Bevölkerung von einer Kriegspsychose ergriffen, durch Angstkäufe und Warenhortung wurde unsere Wirtschaft schwer erschüttert. Steigende Preise und inflationshafte Tendenzen sind die wesentlichen Merkmale der Erschütterung und führten dazu, dass die hiesigen Zimmerleute Konrad Hollmann aus Nordholz und Heinrich Glander aus Strange, die mit der Ausführung der Zimmerarbeiten an der Schule und den Nebengebäuden beauftragt waren, wochenlang vergeblich auf das bestellte Bauholz warten mussten und ihren Auftrag nicht fristgemäß erledigen konnten.“

Der Termin für das Richtfest musste verschoben werden, fand am 18. Oktober 1950 statt. Die von den Schulkindern gebundenen Richtkränze wurden hochgezogen und zunftgerecht eingelotet. Mit „Kein schöner Land in dieser Zeit“ schloss die Feierstunde, es folgte ein Festessen im Gasthaus Filgedamm.

„Laschigkeit“ festgestellt: Bürgermeister legt Einweihungsdatum fest

Im Frühjahr 1951 habe Bürgermeister Höfener – mit Blick auf weiter steigende Preise – alle Hebel in Bewegung gesetzt, das Bauvorhaben beschleunigt zu beenden: „Als er aufseiten der Bauaufsicht eine gewisse Laschigkeit zu verspüren glaubte, bestimmte er über die Köpfe aller Beteiligten hinweg den 12. Juni 1951 als Einweihungstag.“ Der Schulneubau wurde tatsächlich am 12. Juni 1951 eingeweiht, „allerdings waren die Arbeiten am Lehrerwohnhaus noch nicht abgeschlossen“, erklärt Markus Kellermann.

Von der Schule zum Kindergarten

1954 wurde eine Hausmeisterwohnung im Dachgeschoss eingerichtet. Dieser Teil wird aktuell neu beplant und soll umgebaut werden für eine Nutzung durch den DRK-Kindergarten „Wirbelwind“, der sich heute im Gebäude befindet.

Zu Beginn der 1960er Jahre wurde in Niedersachsen das 9. Schuljahr eingeführt. Die Schüler dieser Jahrgangsstufe wurden in Varrel unterrichtet. „Ein Umstand, der sich von Jahr zu Jahr auch für weitere Jahrgangsstufen abzeichnete, sodass die Schule in Wehrbleck ab 1969 nur noch eine Grundschule war. Alle älteren Schuljahrgänge wurden in Varrel unterrichtet“, berichtet Markus Kellermann, Leiter des Arbeitskreises Dorfgeschichte.

1970 kam das Aus für die Volksschule Wehrbleck: Alle Kinder aus der Gemeinde Wehrbleck wurden ab dann in Varrel eingeschult.

Als Schulleiter eingesetzt waren: August Bönnighausen bis 1966, Walter Schröder von 1966 bis 1967, von 1967 bis 1970 Erich Flötemeyer. Im Januar 1971 stellte die Gemeinde Wehrbleck einen Antrag, im leer stehenden Schulgebäude einen Kindergarten einzurichten, bereits im Mai 1971 begannen die Umbauarbeiten. Als Träger wurde das DRK gewonnen und der Kindergarten öffnete 1972 seine Pforten.

Von Sylvia Wendt

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