Ruhe, wo sonst gelacht wird

25 Jahre Webstube in Barenburg: Die Geselligkeit kommt derzeit zu kurz

Der älteste Webrahmen, der in Barenburg genutzt wird (hier von Christa Habelmann), stammt von 1752.
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Der älteste Webrahmen, der in Barenburg genutzt wird (hier von Christa Habelmann), stammt von 1752.

Barenburg –  Klar, bei vier Webstühlen könnten immer zwei besetzt sein, mit genügend Abstand zwischen beiden Personen. Man sitzt ja eh alleine an den Gebilden. Aber: „Wir setzen uns gerne noch zusammen, es wird geredet und gelacht – und das alles ist derzeit nicht möglich“, sagt Christa Habelmann. Die Webstube in Barenburg besteht seit 25 Jahren.

„1990 stiftete die Familie Symkenberg aus Barenburg dem Verschönerungs- und Heimatverein einen Webstuhl aus dem Jahre 1756. Dieser Webstuhl war noch sehr gut erhalten und wurde im Barenburger Speicher im Obergeschoss aufgebaut. In den folgenden Jahren wurde dort schon gewebt. Ein zweiter Webstuhl fand sich ein – und der Platz wurde zu eng“, berichtet Christa Habelmann, die zum aktuellen Kreis der Weberinnen gehört.

Der Ursprungswebstuhl heißt intern „alter Opa“, ein zweiter stammt aus dem Jahr 1872, ein dritter wird auf „um 1900“ geschätzt und der vierte datiert aus dem Jahr 1950. „An dem könnte man auch Teppiche weben“, sagt Christa Habelmann, aber das Barenburger Weber-Team hat andere Schwerpunkte.

Ältester Webstuhl aus dem Jahr 1752

Sonst. Doch im Moment ruht alles. Bis in den Dezember hinein haben Christa Habelmann und Ulrike Wege noch, in gebührendem Abstand zueinander, gewebt, um Aufträge abzuarbeiten. Man kann nämlich Tischdecken und Läufer bestellen.

Klönschnack in der Spinnstube: Erika Rochner, Magdalene Hische, Anne Windhorn, Wilma Remmert (von links).

Gerne hätten sie an die Anfänge und die Web-Tradition im Verschönerungs- und Heimatverein Barenburg erinnert, gerne im Sommer mit einem „Speichersonntag“ auf die Heimatpflege im Flecken hingewiesen: „Vielleicht klappt ja ein Termin zum traditionellen Herbstfest. Und wenn nicht, dann feiern wir eben im kommenden Jahr“, sagt Habelmann.

Was sie alle gerne täten: sich treffen. Was die Heimatpfleger auf gar keinen Fall wollen: dass sich Speicher oder Spritzenhaus zum Corona-Hotspot entwickeln.

Das alte Spritzenhaus ist seit 1996 Heimat der Weber. Zunächst übernahm der Verschönerungs- und Heimatverein nur das Obergeschoss. „Einige fleißige Helfer machten sich daran, die Räume zu renovieren. Bald darauf zogen zwei Webstühle und einige Spinnräder ein, auf denen von nun an in einer festen Gruppe regelmäßig gearbeitet wurde“, erinnert Christa Habelmann. Neben dem Vorraum, in dem alte Geräte wie Brake, Schleppe, Hechel, Haspel und Garnwinde ausgestellt werden, haben die Verantwortlichen eine kleine Küche eingerichtet. Die Webstube in Barenburg wurde noch im selben Jahr eingeweiht.

Mit Anschaffung des dritten Webstuhles wurde es eng im Obergeschoss, sodass ein großer Raum im Erdgeschoss, der früher der Gemeinde als Geräteraum diente, ebenfalls ausgebaut wurde, hat Christa Habelmann für eine Chronik notiert, an der derzeit gearbeitet wird. Die feierliche Einweihung erfolgt im März 2004.

Web- und Spinnstube im alten Spritzenhaus

Mit den vier Webstühlen, die derzeit aufgebaut sind, sei das Erdgeschoss fast wieder zu klein. An den Webstühlen aktiv sind aktuell Christa Habelmann, Ulrike Wege, Ingrid Zumaya und Ulrike Sachs. Im Obergeschoss residiert die Spinnstube. Geheizt wird per Bollerofen und in muckeliger Wärme sind hier Anne Windhorn, Erika Rochner, Wilma Remmert, Magdalene Hische, Ilse Renke, Annemarie Schier und Ilse Knopp dabei, aus Wolle Garn herzustellen. Anne Windhorn und Annemarie Schier kennen sich mit den Schulwebrahmen, die der Verein einst von der damaligen Hauptschule Kirchdorf bekommen hat, aus. An diesen Rahmen weben sie Teppiche – aus Wolle vom Pommerschen Landschaf – und Baumwolltaschen.

Die Geselligkeit in der Gruppe (hier eine Geburtstagsfeier) kommt sonst nicht zu kurz, nur in einer Pandemie.

Teppiche, Taschen, Tischdecken, Tischläufer, Lavendelsäckchen, Brot- und Brötchenbeutel – „derzeit ist uns der Markt weggebrochen“, sagt Christa Habelmann. Eine Vorlaufzeit von fünf bis sechs Wochen erbitten die Weberinnen, um Aufträge zu erfüllen. Das liege auch daran, dass nicht nur eine Tischdecke gewebt werden kann, sondern, aus technischen Gründen, müssten es bis zu drei Meter mehr sein.

Die Kundschaft genieße sonst den Blick auf die alte Tradition und das Gespräch darüber. Da seien die Speichersonntage wichtig, um das Interesse der Menschen „live vor Ort“ zu wecken.

Weiterhin werden Aufträge angenommen (Christa Habelmann, Tel. 0 42 73 / 10 43), ein wenig variabel sei die Farbpalette, aus der gewählt werden könne.

Eine Auswahl an Taschen, die die Webgruppe des Vereins gestaltet hat.

Jeden Montagnachmittag von 14 bis 18 Uhr findet sich die Web- und Spinngruppe sonst in den Wintermonaten ein, um fleißig zu arbeiten. „Die Geselligkeit kommt dabei nicht zu kurz“, heißt es. Aber derzeit ist die Barenburger Webstube geschlossen – „und uns allen fehlt das Spinnen, Weben und Zusammenkommen sehr.“

Interessierte, die das Weben oder Spinnen einmal ausprobieren möchten, sind herzlich willkommen im Barenburger Spritzenhaus – wenn das wieder möglich ist.

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