Daseinsvorsorge im ländlichen Raum: Doktorandin erforscht Bürgerengagement

Was fehlt? Und wo?

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Marit Schröder mit Lokalpolitikern aus der Samtgemeinde Kirchdorf, die als Bindeglied zu den Bürgern fungieren.

Kirchdorf - Was heißt Daseinsvorsorge heute? Was verstehen die Bürger darunter? Wer ist, aus Sicht der Bürger, für die Leistungserbringung zuständig? Interessante Fragen, die Marit Schröder da stellt. Die Bürgermeister, ihre Stellvertreter und die Fraktionsvorsitzenden der Samtgemeinde Kirchdorf erwarten die Antworten mit Spannung. Marit Schröder wird ihre Doktorarbeit zum Thema schreiben. Die Samtgemeinde erhofft sich Erkenntnisse.

Und neue Ideen. Sind die Schwerpunkte, die wir in unserer politischen Arbeit setzen, richtig gewählt? Was will der Bürger? Vor allem aber interessiert Marit Schröder eines: Wer engagiert sich ehrenamtlich und warum? Beziehungsweise: Wer engagiert sich nicht – und warum nicht?

Das Ehrenamt ist die tragende Säule der Infrastruktur im ländlichen Raum, das haben hiesige Politiker längst erkannt, wissen, wie wichtig diese freiwillig und unentgeltlich geleistete Arbeit der Bürger ist. Aber: Immer mehr Vereine haben Nachwuchssorgen, ob bei einfachen Mitgliedern oder gar als Inhaber eines Postens.

Marit Schröder will untersuchen, wie ein neues Miteinander von Politik, Wirtschaft und Bürgern aussehen kann. Sie ist Doktorandin der Geographie an der Universität Vechta in Kooperation mit der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) Göttingen. Schon ihre Masterarbeit brachte sie mit den Themen Regionalmanagement und Wirtschaftsförderung in den ländlichen Raum.

Dass der demografische Wandel sinkende Bevölkerungszahlen bedeutet, vor allem im ländlichen Raum, ist bekannt. Marit Schröder fragt daher: „Was sollte wo vorgehalten werden? Verflechtungsbereiche sind interessant.“ Klartext: Nicht alles könne überall vorgehalten werden. „Daseinsvorsorge endet nicht an Gemeindegrenzen“, sagt die junge Mutter.

Dass sich ehrenamtliches Engagement gewandelt hat, weiß auch Schröder: Nicht eine generelle Zugehörigkeit zu einem Verein werde angestrebt, der Bürger engagiere sich punktuell und projektbezogen.

„Was, wenn wir noch mehr Einsatz einfordern?“ fragt sich Kirchdorfs Bürgermeister Holger Könemann. Könnte man bestimmte verwaltungstechnische Aufgaben aus dem Vorstand vielleicht im Hauptamt ansiedeln, etwa alles zum Thema Finanzamt? Das fragt Samtgemeindebürgermeister Heinrich Kammacher. Bahrenborstels Bürgermeister Heinz Albers interessiert, wie man nicht-aktive Bürger begeistern kann – vielleicht für neue Bereiche außerhalb des Ehrenamtes, aber zum Wohl der Gemeinschaft.

Freistatts Bürgermeister Gero Enders‘ Frage muss Marit Schröder eine Absage erteilen: Nein, das Thema Flüchtlinge und ihre Integration in die Kommune stelle einen eigenen Bereich dar. Das könne sie nicht integrieren in ihre Doktorarbeit. Deren wissenschaftlicher Titel lautet: „Gleichwertigkeit jenseits von Angleichung – Rahmenbedingung von Daseinsvorsorge in peripheren ländlichen Räumen“.

Es gebe große Forschungslücken zum Thema, die will Marit Schröder füllen – mit Hilfe der Bürger der Samtgemeinde Kirchdorf. Etwa 30 Interviews hat Schröder geplant, für Juni. Zusammen mit den Bürgermeistern, die gleichfalls gefragt sind und Personen benennen mögen. Gerne können sich Freiwillige auch bei den Bürgermeistern melden. Marit Schröders Frage an die Bürger der Samtgemeinde: „Wie kann ganz konkret vor Ort, gemeinsam mit den Bürgern, ein zukunftsfähiges Daseinsvorsorgekonzept gestaltet und gelebt werden?“

sis

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