Feuerwehren in der Samtgemeinde Kirchdorf üben ab 20. Juni wieder

„Da geht was verloren“

Ein Schulbus geriet im Januar 2020 in Varrel in Brand. Niemand wurde verletzt. 
Foto: Zulmaya
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Ein Schulbus geriet im Januar 2020 in Varrel in Brand. Niemand wurde verletzt.
  • Sylvia Wendt
    vonSylvia Wendt
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Kirchdorf – Moorbrände, Gebäudebrände, Wohnungsbrände, leichte und schwere Unfälle: Für die schlimmen Ereignisse im Leben gibt es keinen Pandemie bedingten Shutdown. Da brennt und kracht es, leider, munter weiter. Immer vor Ort – die aktiven Kameradinnen und Kameraden der Feuerwehren. Da sitzt jeder Handgriff. Oder?

Ja. Aber: „Da geht was verloren“, zitiert Gemeindebrandmeister Gerd Kemmann die Ortsbrandmeister in der Samtgemeinde Kirchdorf. Seit dem 15. März war der Übungsbetrieb eingestellt. Ab Samstag, 20. Juni, wird er wieder aufgenommen. Zumindest in der Samtgemeinde Kirchdorf, beschloss der Dienstherr, Samtgemeindebürgermeister Heinrich Kammacher, zusammen mit Fachbereichsleiter Thomas Schulz.

Ausgearbeitet wurde eine Handlungsempfehlung, um die gültigen Pandemie-Auflagen zu erfüllen. Dazu zählen, unter anderem, eine Gruppenstärke von maximal neun Personen für die Übungsdienste, eine Dokumentation der Teilnehmer, die Handhygiene sowie Husten- und Niesetikette sowie das Einhalten der Abstandsregel von mindestens anderthalb Metern (und wenn das nicht möglich ist, sollte eine Mund-Nasen-Maske aufgesetzt werden).

Nein, es gab keine offizielle Vorgabe, den Übungsbetrieb wieder aufzunehmen, dies ist eine einzelne Entscheidung der Kirchdorfer: „Wir machen das jetzt.“ Gerd Kemmann kritisiert, dass schnell feststand, was alles nicht mehr geht, aber es für den Weg zurück in den normalen Feuerwehralltag (noch) keinerlei Handhabe ausgegeben wurde.

Gab es vorher bereits Desinfektionsmittel und Masken für die Einsatzkräfte, so ist mittlerweile ein fester Spender mit ausreichend Nachschub an Desinfektionsmittel in allen Liegenschaften der Samtgemeinde installiert, damit auch in allen Feuerwehrhäusern.

Anregung ist, dass, natürlich nicht Theorieunterricht gehalten wird, sondern die wesentlichen Handgriffe trainiert werden. Den aktiven Kameradinnen und Kameraden sei freigestellt, ob sie an den Übungsdiensten teilnehmen. Jeder Ortsbrandmeister kann die Übungseinheiten individuell festlegen. Grundsätzlich üben alle Ortsfeuerwehren für sich, das heißt, es findet keine gemeinsame Einheit von Einsatzkräften aus mehreren Ortsfeuerwehren statt. Und: „Nachbesprechungen sind auf das unbedingt notwendige Maß zu beschränken“, heißt es in der Handlungsempfehlung.

Nachgefragt bei Gemeindebrandmeister Gerd Kemmann:

Gibt es aktive Kameraden, die nicht eingesetzt werden möchten?

Gerd Kemmann: Kann ich nicht sagen. Die Kommunikation untereinander im Kommando läuft über WhatsApp. Es gibt keine nicht notwendigen Veranstaltungen, etwa Kommandositzungen. Wir warten auf Lockerungen.“

Was muss denn dringend geübt werden?

Gerd Kemmann: Jede Ortsfeuerwehr hat einen Jahresdienstplan erstellt, individuelle abgestimmt auf den jeweiligen Einsatzschwerpunkt. Alle Mitglieder machen sich dazu viele Gedanken, was wichtig ist, eben je nach Status und Ausrüstung. Die machen alle einen richtig guten Dienst. Aber, was allen unter den Nägeln brannte: Die Flächenbrandsaison geht los. Da gilt es, die Handgriffe zu schulen: Wie das Wasser aus dem Tank, aus dem Fahrzeug kommt. Welche Schritte sind im Einzelnen zu absolvieren, um den Brand zu löschen: Wir beginnen da natürlich nicht bei Null, aber jeder Handgriff muss immer wieder geübt werden. So entsteht eine Routine, die im Ernstfall wichtig ist. Das Üben der Unfallhilfe ist ein zweischneidiges Schwert: Oft sind Mindestabstände nicht einzuhalten. Da müssen die Verantwortlichen der Ortsfeuerwehren die Übung individuell entscheiden.

Wie soll das funktionieren?

Gerd Kemmann: Wenn es geht, im Freien üben oder in der Fahrzeughalle. Nicht im Aufenthaltsraum, nicht im Schulungsraum. Wir haben ja auf dem Land die Chance, Abstand zu halten. Allerdings, im Ernstfall gilt für die Einsatzkräfte, ebenso wie für die Rettungssanitäter: Es besteht das Risiko, sich was einzufangen.

Hat jemand seit März nach den Fahrzeugen geguckt, wenn kein Einsatz war?

Gerd Kemmann: Die Gerätewarte. Auch wenn eine Ortsfeuerwehr seit dem 15. März nicht ausrücken musste, wurden die Fahrzeuge regelmäßig überprüft, um für den Ernstfall einsatzbereit zu sein.

Von Sylvia Wendt

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