Marcel Scharrelmann ist Landtagskandidat – mit nur acht Stimmen vor Püschel

CDU: Kandidatenkür mit Herzschlag-Finale

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Gruppenbild mit dem Kandidaten: Marcel Scharrelmann (5.v.l.) mit (v.l.) Edith Heckmann, Frank Schmädeke, Karl-Heinz Klare, Stephan Kawemeyer, Axel Knoerig, Hans-Ulrich Püschel, Volker Meyer, Karsten Heineking und Heide Bergbauer-Hörig.

Varrel - Von Anke Seidel. Es war eine Kandidatenkür mit Herzschlag-Finale: Erst nach zwei Abstimmungen konnte CDU-Kreisvorsitzender Axel Knoerig vor 243 stimmberechtigten Unions-Mitgliedern das Ergebnis der Ur-Wahl im Gasthaus Hartje-Melloh in Varrel bekanntgeben.

Marcel Scharrelmann ist ihr Landtagskandidat im Wahlkreis 42 – mit nur acht Stimmen Vorsprung vor seinem Mitbewerber Hans-Ulrich Püschel. Der dritte im Bunde, Stephan Kawemeyer, war nach dem ersten Wahlgang mit einem Achtungserfolg von 64 Stimmen ausgeschieden.

Der jüngste Bewerber setzt sich durch

Damit steht fest, dass der jüngste Bewerber (Scharrelmann ist 34 Jahre alt) die Nachfolge von Karl-Heinz Klare antreten soll. Seit 32 Jahren arbeitet Klare als Landtagsabgeordneter in Hannover, ist Vize-Präsident des Niedersächsischen Landtags. Ausdrücklich zollte der CDU-Kreisvorsitzende dem Landespolitiker aus Diepholz Anerkennung für sein mehr als drei Jahrzehnte langes Wirken. Klare bedankte sich mit herzlichen Worten – und einer Saalrunde.

Daumen hoch – das signalisierte Knoerig allen drei Bewerbern um die Kandidatur. Nämlich dann, wenn ihre Vorstellungszeit von 15 Minuten abgelaufen war. In ihren politischen Schwerpunkten lagen die drei Bewerber nicht weit auseinander.

Püschel warb mit seiner Erfahrung

Erster am Mikrofon: Hans-Ulrich Püschel. „Eine machtvolle Versammlung“, eröffnete er seine Rede mit Blick in den Saal. „Wir sind achtmal so viele wie bei der SPD.“ Sodann stellte Püschel klar, dass mit seiner Wahl in den Landtag sein jahrzehntelanges Amt als CDU-Kreisgeschäftsführer sofort enden würde.

Der 61-Jährige kündigte an, im Falle seiner Wahl zum Bewerber sowohl für die kommende als auch für die folgende Wahlperiode kandidieren zu wollen. Schließlich könne Karl-Heinz Klare zum Ende seiner Landtagszeit seinen 70. Geburtstag feiern – womöglich mit ihm zusammen, spielte Püschel auf einen Einzug ins Landesparlament an. „Ich bin bestens vorbereitet, habe mehr als 35 Jahre Erfahrung und 38 Wahlkämpfe durchgeführt“, erklärte Püschel. Er habe in diesen Jahrzehnten immer Landtagsabgeordnete begleitet. „Sie können verstehen, dass ich jetzt auch Abgeordneter sein möchte.“

Scharrelmann setzte dem Engagement entgegen

Marcel Scharrelmann begann seine Vorstellung mit einer Hommage an Karl-Heinz Klare: „Seine Stimme wird noch lange nachhallen!“ Klare sei bei seinem Einzug in den Landtag in einem ähnlichen Alter gewesen wie er, sagte Scharrelmann. Der 34-Jährige verwies auf sein Studium der Politik und Wirtschaftswissenschaften sowie seine Tätigkeit als Account-Manager bei ZF Lemförder. Vertrauen, Verlässlicheit und Qualität seien elementar in seinem Beruf, stellte Scharrelmann klar. „Das will ich auf die Arbeit in der Politik übertragen.“

Mal kämpferisch, mal polarisierend und mal Solidarität beschwörend formulierte Scharrelmann Botschaften wie „Wir dürfen Europa nicht den Populisten überlassen“ oder „auffällige Wölfe müssen abgeschossen werden, wenn sie eine Bedrohung für Menschen und Nutztiere darstellen.“

Kawemeyer präsentierte sich als bodenständige Alternative

Als Dritter im Bunde entschuldigte sich Stephan Kawemeyer zuerst bei seinen Zuhörern, dass sie manche politische Themen nun noch einmal hören müssten – aus seiner Sicht. „Ich würde mich freuen, wenn Hans-Ulrich Püschel Kreisgeschäftsführer bleiben würde“, sagte Kawemeyer schmunzelnd.

Er charakterisierte sich selbst als „Familienmensch“ und stellte vor allem seine ganz praktischen Erfahrungen und Fähigkeiten in den Mittelpunkt. „Ich habe kein Studium vorzuweisen, aber ich habe das Leben studiert“, sagte der 49-Jährige – und verwies auf das Familienunternehmen in Wagenfeld mit 15 Mitarbeitern: „Ich weiß, wie Wirtschaft funktioniert.“ Wenn man zusammenhalte, könne man sehr vieles schaffen. „und das sollten wir auch tun“, forderte Kawemeyer, vermittelte sein Rezept gegen den Fachkräftemangel – und öffnete bewusst eine „Büchse der Pandora“: Die Schließung der Geburtshilfeabteilung an der Klinik Bassum. Im Augenblick gebe es absolut keine Möglichkeit, eine solche Abteilung wieder zu schaffen, bekannte Kawemeyer. „Ich sage die Wahrheit, dafür bin ich da.“

Dann begann die mit Spannung erwartete Ur-Wahl – und ein Reigen von Grußworten. Landrat Cord Bockhop betonte den unverzichtbaren Einsatz ehrenamtlicher Politiker: „Kreistagsarbeit ist nicht immer einfach – aber immer verantwortungsvoll.“ Der CDU-Landtagsabgeordnete Volker Meyer lobte die Arbeit des Landrats und der Kreisverwaltungsspitze.

Als CDU-Kreisvorsitzender aus Nienburg würdigte Dr. Frank Schmädeke, dass sich bei der CDU gleich drei Bewerber zu Wahl gestellt hatten, und das Engagement aller Mitglieder und Funktionsträger: „Wir brauchen euch alle!“

Das Ergebnis der Ur-Wahl

243 stimmberechtigte CDU-Mitglieder nahmen an der Ur-Wahl für den Wahlkreis 42 teil. Er umfasst die Städte Diepholz, Sulingen und Twistringen sowie die Samtgemeinden Altes Amt Lemförde, Barnstorf, Rehden, Schwaförden und Siedenburg.

Im ersten Wahlgang erhielt Stephan Kawemeyer 64 Stimmen, Hans-Ulrich Püschel 94 und Marcel Scharrelmann 85. Weil keiner der Bewerber die absolute Mehrheit errungen hatte, war ein zweiter Wahlgang erforderlich.Ergebnis: 115 Stimmen für Püschel und 123 Stimmen für Scharrelmann.

Redakteurin Anke Seidel hat die CDU-Kandidatenkür kommentiert.

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