Aufmerksam machen auf Krebsvorsorge

Freistatt: Bunte Ballen auf den Feldern

Fußball-Fans in Freistatt: Die bunten Planen weisen auf die Europameisterschaft hin.
+
Fußball-Fans in Freistatt: Die bunten Planen weisen auf die Europameisterschaft hin.

Freistatt – Die Farben ist man nicht gewohnt auf den Feldern: Quietschgelb, Hellblau und Pink statt grüner oder weißer Folie um die Strohballen. „Die bunten Ballen erregen schon Aufsehen. Von Fragen, ob sie männlich, weiblich, divers sind, geht es dann bei der Aufklärung um Inhalte, dann sind die Personen ganz interessiert. So soll es sein“, freut sich Gero Enders vom Naturschutz- und Landschaftspflegebetrieb von Bethel im Norden in Freistatt.

Und Enders hat noch ein aktuelles Ass im Ärmel, respektive auf den Feldern: schwarze und weiße Ballen, auch eine Kombination in Schwarz-Rot-Gold. Wenn am Dienstag die deutsche Nationalelf in die Europameisterschaft 2020 startet, gibts Unterstützung auch von den Fans aus Freistatt.

Die bunte Folie indes ist keine Modeerscheinung des Herstellers. Die Stretchfolien sollen aufmerksam machen auf Krebsvorsorge, Pink auf die Brustkrebsvorsorge, Blau steht für Prostatakrebs und Gelb für Krebs bei Kindern. Pro bestellter Folienrolle spendet die Firma drei Euro für die jeweilige Stiftung. Nach bisherigen Berichten ist dabei im Jahr 2020 erstmals die Grenze von 20 000 Euro überschritten worden. Tatsächlich ist die Aktion im Landkreis Diepholz noch nicht weit verbreitet. Der Landvolk-Kreisverband Grafschaft Diepholz habe aktuell, neben den Freistättern, noch einen Landwirt aus Wagenfeld und einen aus Stuhr in den eigenen Reihen ausfindig machen können, die sich ebenfalls an der Aktion beteiligen. „Das dürfen ruhig noch mehr werden“, macht Landvolk-Pressesprecher Stefan Meyer „Mut zur Farbe“.

Bunte Siloballen für den guten Zweck fertigen Björn Kopmann, Marc Böckmann und Gero Enders (von links).

Für Gero Enders war es eine leichte Entscheidung: „In diesem Jahr haben wir einen guten Ertrag und bisher über 300 Ballen. Wir wollten das schon in den Vorjahren machen, aber da hätte sich das kaum gelohnt.“ Auf der Fläche an der Bundesstraße 214 grasen sonst einige der insgesamt 450 Robustrinder des Betriebes. Denen ist egal, ob ihr Winterfutter gelb, blau, pink, grün oder weiß eingepackt wird. Die genügsamen Rinder, entstanden durch Kreuzung der ursprünglichen Milchkuhherde mit den Rassen Limousin, Shorthorn und Galloway, weiden im Sommer auf Hochmoorgrünlandflächen. „Im Winter wechseln die Tiere auf trittfeste Standorte im Randgebiet der Moore. Für die Zeit der Abkalbungen finden die Mutterkühe Schutz in den Stallungen“, heißt es über den Betrieb in Freistatt. Heu und Silage werden nicht nur als Winterfutter für die Rinder benötigt: Zwei über 1 .000 Tiere zählende Schafherden müssen ebenso versorgt werden und auch Wasserbüffel und Ziegen haben Hunger.

„Als Naturschutzbetrieb versuchen wir natürlich so viel wie möglich mit Heu zu arbeiten. Aber die Folie des Herstellers ist recycelt und kann auch wieder recycelt werden“, erklärt Gero Enders. Noch könne er nicht abschätzen, wie hoch die Freistätter Spenden für die jeweiligen Krebsstiftungen ausfallen. Die etwa 250 bis 300 Kilo schweren Ballen sollen in Sichtweite der Bundesstraße platziert werden, damit „die Menschen ins Gespräch kommen“, hofft Gero Enders.

Ungewohnte Farbtupfer: Die bunten Siloballen werden in Sichtweite der B 214 aufgereiht.

Die farbigen Folien kommen aus Schweden, vom Agrarfolienhersteller Trioplast. Die bunten Exemplare können, wie die „normalen“ auch, über den Landhandel oder bei Lohnunternehmern bestellt werden. Pro Rolle Folie gehen drei Euro an die jeweiligen Organisationen. „Die Solidarität mit den Betroffenen“ werde ausgedrückt, heißt es in der Werbebroschüre der Herstellerfirma.

Nachdem die Premiere mit der pinkfarbenen Folie zur Unterstützung der Brustkrebsvorsorge im Jahr 2015 gut angelaufen war, gesellte sich wenige Jahre später die blaue Folie für die Prostatakrebsvorsorge hinzu und seit Neuestem komplettiert das Trio die gelbe Folie für die Kinderkrebsstiftung. Laut Gero Enders ist vom Wetterverlauf abhängig, ob in dieser Saison noch ein weiterer Durchgang geerntet werden kann. Die nette Idee habe in Freistatt schon für mächtig Gesprächsstoff gesorgt. Sie gefalle nicht jedem. Aber nach Frotzeleien über die Farben kämen die Mitarbeiter des Naturschutzbetriebes schnell ins Gespräch über das ernste Thema der Krebsvorsorge.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Landkreis Diepholz: Großbrand ruiniert Scheune – 100 Einsatzkräfte nötig

Landkreis Diepholz: Großbrand ruiniert Scheune – 100 Einsatzkräfte nötig

Landkreis Diepholz: Großbrand ruiniert Scheune – 100 Einsatzkräfte nötig
Eröffnung des Gartenkultur-Musikfestivals 2021 auf dem Hohen Berg in Syke

Eröffnung des Gartenkultur-Musikfestivals 2021 auf dem Hohen Berg in Syke

Eröffnung des Gartenkultur-Musikfestivals 2021 auf dem Hohen Berg in Syke
Sachspenden für Flutopfer im Ahrtal: 8 700 Paar Handschuhe und mehr

Sachspenden für Flutopfer im Ahrtal: 8 700 Paar Handschuhe und mehr

Sachspenden für Flutopfer im Ahrtal: 8 700 Paar Handschuhe und mehr
Filmcrew dreht Musikvideo für „Beast 51“ in Twistringen mit vielen Statisten

Filmcrew dreht Musikvideo für „Beast 51“ in Twistringen mit vielen Statisten

Filmcrew dreht Musikvideo für „Beast 51“ in Twistringen mit vielen Statisten

Kommentare