Die den weiten freien Blick schätzen

Der Brachvogel in der Moorniederung: BUND und Gemeinde Bahrenborstel aktiv im Holzhauser Bruch

Der Große Brachvogel.
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Der Große Brachvogel.

Bahrenborstel – „Die ersten Brachvögel sind bereits in der Diepholzer Moorniederung eingetroffen, das heißt, sie können jeden Tag auch im Holzhauser Bruch ankommen. Wir warten gespannt. Anfang April läuft das Brutgeschäft dann richtig an“, freut sich Luisa Stemmler vom BUND Diepholzer Moorniederung.

Die Männchen singen im Frühjahr eine flötende und trillernde Strophe, um die Brutreviere zu markieren, heißt es über den großen Brachvogel. Das klingt, als müsste man nur die Ohren spitzen, um jene Brutreviere zu finden. Allein: 12 648 Hektar umfasst das EU-Vogelschutzgebiet „Diepholzer Moorniederung“, umgerechnet fast 18 100 Fußballfelder. Und doch: „Wir haben im vergangenen Jahr 30 Brachvogelgelege schützen können“, sagt Luisa Stemmler. 2020 sei das erfolgreichste Jahr für die Aktion gewesen. Was die Größe der Gesamtpopulation angeht, sei eine genaue Zahlenangabe schwierig: „Sie ist schätzungsweise etwa doppelt so groß.“

Ziel: Die letzten Reviere schützen

Der Große Brachvogel, Vogel des Jahres 1982, steht auf der Roten Liste, ist mit „Status 2“ als „stark gefährdet“ eingestuft. „Die Tendenz ist weiter rückläufig, die letzten Reviere müssen daher unbedingt erhalten werden, um den Fortbestand der regionalen Populationen zu sichern.“ Laut Luisa Stemmler ist der Brachvogel ein so treues Tier, dass er stets wiederkehrt an den Ort, wo er das letzte Mal das Brutnest gebaut hat. Wobei: Die Brachvogelnester seien minimalistisch. „Es findet sich ja nicht viel Material auf den Feldern“, erklärt Stemmler. Der Brachvogel gehöre zu den Wiesenvögeln, Bodenbrüter, die einen weiten Blick schätzen, bloß kein Wald oder Ähnliches.

Es sieht nach ländlicher Idylle aus zwischen Bahrenborstel-Holzhausen und Ströhen – dass die Gräben den Acker entwässern, ist allerdings nicht günstig für den Brachvogel.

Aus Sicht des Brachvogels war früher manches eben doch besser: mehr Grünland als Nahrungsfläche, weniger Ackerfläche, eine nassere Moorlandschaft. Irgendwer hat die trockengelegt, was mittlerweile vielerorts, zum Glück, wieder rückgängig gemacht wird. Was ein bisschen klingt, als wäre der Brachvogel vor dem Ackerbauern da gewesen, kann auch so gewesen sein.

Vögel dieser Art können bis zu 25 Jahre alt werden. Dass sie immer wieder an dieselbe Stelle kommen, um ihre durchschnittlich vier Eier zu legen und auszubrüten, kann Matthias Stelloh bezeugen: Der Bürgermeister der Gemeinde Bahrenborstel ist Landwirt. Und kennt die Brachvogel-Brutreviere auf seinen Flächen, jedes Jahr aufs Neue sind sie wieder da. „Das Holzhauser Bruch ist ein wichtiger Trittstein für die Art zwischen dem Uchter Moor, Steinbrinker-Ströhener Masch, dem Renzeler Moor und der Bleckriede“, sagt Luisa Stemmler. Als Teil-Population seien dem BUND vier bis fünf Reviere bekannt, die momentan noch vorhanden sind.

Wenn der BUND von einem Nest Kenntnis erhält oder es über langandauernde Beobachtungen findet, werde der Eigentümer der Fläche kontaktiert, ob ein Betreten erlaubt ist erklärt Luisa Stemmler. Das Gelege werde begutachtet, dann der Flächeneigentümer gefragt, ob das Gelege zum Schutz eingezäunt werden können. In der Regel funktioniere diese Zusammenarbeit ganz gut, es sei eine Erfolgsgeschichte. Geschützt werde das Nest gegen Füchse, aber auch Hauskatzen. So hätten die Brachvögel eine reelle Chance zu brüten.

Nestbau beginnt Ende März

Der Nestbau beginnt demnächst, denn Ende März / Anfang April werden die Eier gelegt, etwa 28 Tage ausgebrütet. Anfang / Mitte Mai schlüpfen die Jungen und werden von den Eltern auf Flächen mit sehr gutem Nahrungsangebot geführt, erklärt Luisa Stemmler.

Gut 30 Tage verbringe Familie Brachvogel hier, bis die Jungen flügge werden. Das Ziel der BUND-Mitarbeiter sei, diese Jungtiere auf die Schutzflächen zu lotsen, es ihnen dort „schmackhaft“ zu machen und sie so von den Ackerflächen der Landwirte umzusiedeln.

Auch der Erhalt und die Wiederherstellung der weiträumig offenen Landschaft (unter anderem durch die Beweidung mit einer Moorschnuckenherde) sowie die Wiedervernässung des Gebietes, soweit das heute noch möglich ist, stehen auf der Liste des BUND-Teams. Es gehe bei den Schutzmaßnahmen auch, aber nicht nur um den Brachvogel. Weitere Zielarten seien die Kreuzkröte, der Moorfrosch, die Schlingnatter und die vielfältige Insektenfauna.

Es gebe Knackepunkte im Verständnis für die Arbeit, sagt Stemmler. Die Wiedervernässung von Moorflächen etwa bedeute, dass Bäume beseitigt werden müssen.

Kein Kahlschlag in Randbereichen

Was mancher Bürger nicht verstehe, der Schutzaktionen mitunter als unbedingten Baumschutz missverstehe. Es erfolge kein „Kahlschlag“, sondern es würden wichtige Strukturen wie Säume, Gebüsche und auch lichte Waldflächen, insbesondere in den Randbereichen, erhalten. Ein leichter Baumbestand bleibe, etwa für den Steinschmätzer oder den Neuntöter (auch Rotrückenwürger genannt) oder den Raubwürger. „Ein wunderschöner Vogel“, sagt Stemmler. Die Vogelschar hat zwar einschüchternde Namen, überzeugt aber mit, jeweils ganz unterschiedlichem, wunderschönem Federkleid. Neben dem Brachvogel wissen die BUND-Mitarbeiter auch den Rotschenkel und den Kiebitz in der Diepholzer Moorniederung heimisch. „Früher konnte man vom Uchter Moor bis nach Renzel gucken. So offen war die weitläufige Moor-, Heiden- und Wiesenlandschaft“, zitiert Luisa Stemmler aus Gesprächen mit älteren Bürgern.

Feuchtgrünland (im Vordergrund) und dahinter Sand- und Moorheide: Es rasten gerade Grau- und Blässgänse, in der Luft fliegt ein Trupp Kiebitze. Die ersten Brachvögel sind aus ihren Überwinterungsgebieten zurück und werden auch im Holzhauser Bruch täglich erwartet.

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